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Vom Roten Meer zurück nach Hause

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Vom Roten Meer zurück nach Hause

 

Etitrea

Unser Ziel heißt nun erst einmal Massawa in Eritrea. Dort soll es laut Berichten anderer Segler sehr schön sein: freundliche, aufgeschlossene und sehr fleißige Menschen, nette Strassencafes, fast italienisches Flair. Nach unserem omanischen Trockengebiet scheint dies für uns (mich) das Paradies.
Der Wind frischt weiterhin auf, mittlerweile bläst er mit ordentlichen 8 Bft von achtern. Schneller kann man dann wirklich nicht mehr segeln. Mit einem klitzekleinen Stück Genua (das Sturmsegel bekommen wir bei diesem Wind bezeichnenderweise nicht mehr hoch) sausen wir mit stellenweise 12 ktn durchs Wasser.

Schlecht ist nur, wir müssen ständig sämtliche Luken incl. des Niedergangs geschlossen halten. Durch die Strömung und das hier noch recht flache Wasser bilden sich teilweise gigantische Wellen, die dann doch des öfteren im Boot landen. Da wird's schön warm und kuschelig im Salon. So sausen wir die letzten 300 nm im Schnellgang und kommen - wie ja eigentlich meistens - des Nachts an unserem Zielort an.
Eine unbekannte Hafeneinfahrt in der Nacht ist allerdings nicht so unsere Sache. Man weiß nie so genau, was kommt da auf einen zu. Verschieben wir dies lieber auf den nächsten Morgen. Inseln zum ankern gibt es hier ja zum Glück genug. So suchen wir im letzten Tageslicht eine Bucht und lassen erst einmal den Anker fallen. Also schön ist es hier wirklich. Wir stehen inmitten von Korallen und freuen uns schon auf das morgige Schnorcheln.

Nur gefreut haben sich anscheinend auch die hiesigen Fischer. Mangels Motivation, das täglich Brot mit althergebrachter Fischerei zu erwerben, scheinen sie hier auf den ertragreicheren Nebenjob der Piraterie umgesattelt zu sein.
So dauert es dann am nächsten Morgen auch nicht lange, und wir erhalten Besuch. Noch nichts Schlechtes ahnend, winke ich sogar noch. Nur - als ich dann die Kalaschnikow im Boot erspähe, wundere ich mich dann doch etwas. Karbid könnte ich ja noch verstehen, aber was um alles in der Welt will ein Fischer mit einem automatischen Gewehr???

Zum Glück sind wir vorbereitet. Old Gun Stick ist schnell geholt und so warten wir erst einmal ab, wie sich die Dinge so entwickeln. Doch recht schnell wird klar, hier ist gar nichts klar. Ich lade also lieber schon mal durch und postiere mich an geeigneter, bewährter Stelle.
Auch unser Fischerpirat erkennt zum Glück recht schell, dass er nicht unbedingt die beste Position inne hat und weiß anscheinend nicht so recht, was er nun tun soll. Wir lächeln uns also beide an, winken noch einmal und er legt wieder ab. Jetzt dürften die Fronten doch eigentlich geklärt sein, sollte man meinen. Wenn also endlich Ruhe eingekehrt ist, können wir ja nun wie geplant ans Schnorcheln gehen.<br />Doch weit gefehlt, ich habe gerade mein Duschzeug ausgepackt, da sehen wir unsere verhinderten Piraten schon wieder Kurs auf uns nehmen. Sie haben anscheinend Verstärkung geholt. Nunmehr zu dritt verkompliziert das die Angelegenheit allerdings gewaltig. Etwas näher, sehe ich, die haben ja wirklich nachgerüstet! Nun - bewaffnet mit zwei Schnellfeuergewehren und sage und schreibe einer Panzerfaust sind sie jetzt aber wirklich nicht mehr zu unterschätzen.

Und wir haben immer noch kein blaues Licht… Sie kommen also näher, und ich dirigiere sie erst einmal an unser Heck. Dort habe ich, wie gesagt, den besten Überblick und kann recht gut in ihr Boot schauen. Dann geht alles sehr schnell: Alle lächeln, um auch wirklich keinerlei böse Absichten anzudeuten.
Nur ihr dritter Mann greift langsam wie nebenbei zu seiner Waffe. Hat er die erst einmal in der Hand, dann war`s das wohl für uns. Doch Old Gun Stick ist schneller. Ich lege an und deute so ihrem Rambo, er solle dies doch lieber bleiben lassen. So mittenbei überlege ich noch: "Was um alles in der Welt wollen die denn nur mit einer Panzerfaust? Benutzen sie sie, haben sie doch nichts mehr zu rauben. Was soll das also hier?" Kathrin rufe ich zu, sie soll lieber schnell zum Funkgerät und ihr May-day funken.
Dies scheint dann allerdings auch unsere Angreifer etwas zu irritieren. Ihre Obrigkeit wollen sie bei ihrer Nebentätigkeit allem Anschein nach nicht unbedingt beteiligt wissen. Sie drehen langsam ab und ich verfolge mit Old Gun Stick jede Bewegung die sie tun - und noch immer lächelnd, verabschieden wir uns. Das war also jetzt wirklich nicht mehr so gut! Wir ziehen so schnell es geht unseren Anker ein und nehmen erst einmal Kurs auf offenes Wasser. (so viel zum Schnorcheln!)

Ein drittes Mal gut gegangen!!!
25 nm vor Massawa. Das dürfte es ja nun langsam gewesen sein. Statistisch gesehen, sollen nun die nächsten Segler an der Reihe sein. Somit kann ich also mein Rasierzeug wieder hervorholen und mich sozusagen ausgehfein machen. Kathrin sagt, ich sehe schon aus wie ein alter Waldschrat. Wir sind echt gespannt, wie es so aussieht, in Eritrea. Wie gesagt, von anderen Seglern haben wir nur Gutes gelesen. Allerdings sind die Berichte auch schon 10 Jahre alt. Na, lassen wir uns überraschen.
Vor der Hafeneinfahrt melden wir uns ordnungsliebend, wie wir nun einmal sind, zuerst beim Hafenmeister. Dieser weist uns auch sofort unseren Liegeplatz zu. Und wir staunen, wir sind noch nicht einmal alleine. Eine französische Yacht liegt an der Mole. Die Einklarierung ist kostenlos, und geht ruck-zuck über die Bühne. Auch bekommen wir einen so genannten Showpass, der uns zu 48 Stunden Landgang berechtigt.

Gut gelaunt stürzen wir uns ins Gewühle. Und landen erst einmal im einzigen und somit größten Grand Hotel. Dort treffen wir natürlich auf unsere Segelnachbarn. Es wird, wie soll es anders sein, ein lustiger Abend. Typisch französisch haben sie jede Menge Wein an Bord, wir noch unseren zuletzt geangelten, für uns alleine viel zu großen Thunfisch. (und Gin)
Der nächste Tag beginnt dann allerdings mit Einkaufsstress. Ein Taxi bringt uns in den nächsten Supermarkt. Die Fahrt ist nicht weit, doch so langsam beginnen wir, die Umgebung genauer zu betrachten. Ruinen und Schutt. Es gibt eigentlich kaum Intaktes, und was noch so halbwegs an Gebäuden erhalten geblieben ist, hält sich mühevoll irgendwie selbst zusammen.

Unser Supermarkt entpuppt sich dann leider auch als die reinste Katastrophe. Also - entweder haben wir als Ausländer andere Preise oder die Eritreer sind recht wohlhabend. Wir jedenfalls warten mit dem Einkaufen lieber erst einmal ab. Unsere französischen Freunde dafür übernehmen wahrscheinlich das Monatseinkommen einer mittleren Familie, indem sie ein paar Flaschen Wasser und ein paar Eier erstehen. Auch unser Taxifahrer möchte natürlich die nächste Woche nicht mehr arbeiten. Braucht er seiner Rechnung nach auch nicht mehr. Freudig überreicht er noch seine Visitenkarte, er wäre der beste, behauptet er voller Überzeugung.
Immerhin finden wir ein Internetcafe, welches zu moderaten Preisen die Verbindung zum Rest der Welt verspricht. Es ist das einzige hier in der Stadt. Noch nicht einmal das Grand Hotel verfügt über eine diesbezügliche Lizenz. Nur mit den Bits und den Byts hapert es etwas. An einen Webseitenaufbau, etwa bei der Hausbank ist überhaupt nicht zu denken. Mit Mühe und Not ein oder zwei winzige Mails, dann ist aber auch schon Schluss. Doch das ist ja schon mal besser als überhaupt nichts.

Doch alles in allem, sind wir doch etwas überrascht. So richtig schön, wie anfangs gedacht, ist es hier dann doch nicht.
Alles ist entweder verfallen, oder kurz davor. Die Menschen unglaublich gleichgültig und teilnahmslos. Bereits an unserem ersten Abend ist uns aufgefallen: es lacht keiner, niemand schaut den anderen an, es ist, als wenn jeder für sich langweilig von A nach B läuft oder eben gleich am Straßenrand sitzen bleibt, allerdings immer mit dem Handy in der Hand. Und es ist das Land der Waffen. So viele Gewehre habe ich, glaube ich, noch nie auf einen Haufen gesehen. Durch ihren Bürgerkrieg vor nunmehr 17 Jahren, sollte man meinen, hätten sie genug von der Gewalt. Doch so nicht hier. Überall laufen oder sitzen Leute, die MPi unterm Arm.
Wir jedenfalls sowie auch unsere Nachbaryacht haben nicht unbedingt das beste Feeling hier, wir wollen lieber weiter. Ein Visa wollen wir nicht.

Gesagt getan: wir haben einen Pass bis 17.00 Uhr, verständigen wir unseren zuständigen Officer über unsere geplante Abreise. Nebenher - das Internetcafe öffnet leider erst 17 Uhr, beantragen wir eine kurze Aufenthaltsverlängerung, um noch eine Mail nach Hause zu schicken dass alles in Ordnung ist und wir weiter fahren werden. Kein Mensch kann allerdings ahnen, was aus dieser klitzekleinen Mail noch so alles entstehen sollte…
Wir sollen völlig überraschend noch genügend Gelegenheit finden, uns mit den eritreischen Gebräuchen und Geflogenheiten vertraut zu machen. Wunderbar - beinahe wird sogar noch ein 30 tägiger Urlaub daraus.

Mit oberster Erlaubnis wartet Kathrin also, dass die Türen des Cafes sich öffnen. Ich mache derweil das Boot klar und besorge die Ausreisepapiere. Alles ist beisammen und bezahlt, der zuständige Beamte erscheint zur Endkontrolle. Oder besser gesagt, zum Empfang seines Bakschischs. Und hier beginnt dann die Misere. Und zum ersten Mal wird wieder einmal recht deutlich: Aha, wir sind in Afrika; dem Kontinent, auf dem so vieles nur entweder mit Bakschisch, Machete oder mit einer Kalaschnikow erledigt wird! Was auf diese Weise nicht zu meistern ist, das bleibt dann eben liegen und wartet auf die Hilfe der Vereinten Nationen...

Auf Bestechung jedenfalls, stehen wir, abgesehen davon, dass wir gar keine Doller mehr haben, nicht so unbedingt. Außerdem haben wir unsere Papiere beisammen, was soll also geschehen? Dachten wir jedenfalls! Kein Geld für den Officer bedeutet aber, keine Ausreise! Er schnappt sich meinen Pass, cancelt den Ausreisestempel, verschwindet und ward nicht mehr gesehen.
Etwas verwirrt, überdenken wir das Geschehene. Es ist eine an sich etwas vertrackte Situation. Theoretisch besitzen wir die Clearoutpapiere für unser Boot. Kathrin ist laut Pass schon weg und ich sitze den Stempeln nach noch hier. Derweilen beziehen, wen wundert es, auf der Mole einige Soldaten Stellung. Wir kennen diesen Anblick, sind somit also nicht sonderlich beunruhigt. Nur - "was tun?" ist hier die Frage.

Der Liegeplatz kostet 15 US $ am Tag. Haben wir nicht mehr und einen Geldautomaten gibt es hier in dieser Stadt nicht. Also werden wir wohl spätestens morgen Probleme bekommen. Dann doch lieber Plan B, legen wir erst einmal ab und suchen uns besser einen kostenlosen Ankerplatz. Damit wäre die Frage der Doller schon einmal geklärt. Sollten wir es allerdings zur Hafenausfahrt schaffen, auch nicht schlecht. Denken wir uns jedenfalls. Gesagt getan und Leinen los, bringt leider sofort die Navy auf den Plan.
Wären die doch mal bei den Piraten so schnell gewesen! Ankern ist nicht, wir sollen wieder zurück an unseren alten Liegeplatz. OK, legen wir halt unverrichteter Dinge wieder an und harren, nichts Böses ahnend, der Dinge die da noch so kommen werden.
Und sie kommen, in Form eines Polizeiwagens am nächsten Morgen. Es hält ein Pickup vor unserem Boot. Ein Haufen Leute springt heraus, geben uns zu verstehen, wir sollen sofort alles verschließen und mit ihnen kommen. Jetzt sollte man meinen, es wären wenigstens Uniformen im Spiel, doch weit gefehlt. Einzig die Handschellen lassen auf die Ordnungsmacht schließen. Wir jedenfalls auf die Pritsche und ab geht die Fuhre zum nächsten, zum Glück gleich um die Ecke gelegenen Polizeirevier. Dort angekommen, löst sich unser Bewacherteam schnell wieder auf und wir werden von einem recht jungen Polizisten in Turnhosenuniform begrüßt.

Nur langsam begreifen wir, er wurde geweckt, und sieht es nicht unbedingt als notwendig sich nun wegen uns auch noch umzuziehen. Zumal - es ist Sonntag. So richtig versteht er allerdings nicht, was er nun um alles in der Welt mit uns anfangen soll. Er fragt also erst einmal, was denn das Problem wäre. Doch ein Protokoll sollte gemacht werden. So vergeht der Sonntag, und wir haben reichlich Gelegenheit das Leben auf dieser Wache zu studieren. Es ist entmutigend!
Eigentlich passiert überhaupt nichts. Anwesend sind vielleicht 7 oder 8 Polizisten. Sie haben ein paar Stühle (zumindest waren es vor dem Bürgerkrieg einmal welche) herausgestellt und sitzen im Schatten. Wandert die Sonne, dann wandern auch die Stühle incl. der Polizisten. All dies bewegt sich in einer derartigen Geschwindigkeit, dass die Gefahr besteht, der Schatten eilt noch davon. Der Sonntag neigt sich so langsam dem Ende entgegen, unser Polizist hat Feierabend und wir sind somit wieder frei.

Nun allerdings ist Warten angesagt. Mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit benötigt unser Schriftführer doch sage und schreibe 4 Tage, um unser benötigtes Protokoll (1 A4 Seite) zum Abschluss zu bringen. Leider auf eritreisch, was natürlich kein Mensch lesen kann. Womit wir, verständlicherweise ein kleineres Problem bei der abschließenden Unterschrift haben. Denn eins muss man den hiesigen Beamten lassen. Sie sind zwar recht nett, doch Widerspruch egal welcher Art können sie beim besten Willen nicht verknusen. So unterschreiben wir halt mit dem Vermerk, wir können es weder lesen noch verstehen. Er kann es zum Glück auch nicht und alle sind wieder zufrieden. Alles fertig, marschieren wir mit unseren Papieren unterm Arm auch sofort zum örtlichen Schnellgericht. Hier ist schnell allerdings richtig. Es bedarf ca. 5 Minuten, und wir werden, von was auch immer, freigesprochen.

Glücklich und zufrieden marschieren wir in den Hafen zurück, um nun unsere Ausreisepapiere das zweite Mal zu erstehen. Doch weit gefehlt. Der zuständige Beamte (es ist leider der Vorgesetzte unseres Bakschischofficers) ist der Meinung, wir hätten dringend erst einmal 30 Tage Urlaub verdient. Ohne sein Visa für 60 US$ keine Ausreisepapiere.
Na, nun reicht es aber langsam, wir lassen uns doch hier kein Zwangsvisa aufdrängeln! Diskussionen Hin und Her führen zu absolut überhaupt nichts. In typisch eritreischer Manier lässt er uns stehen und widmet sich weiter seiner Zeitung. Wir werden also wieder einmal unsere Botschaft bemühen. Doch irgendwie scheint ihm dies dann auch nicht so recht zu behagen. Ohne jeglichen Kommentar knallen die nötigen Stempel in unsere Pässe, wir werden zum Boot eskortiert, los die Leinen und ab geht die Fuhre.

Dies war dann so ungefähr die unfreundlichste Verabschiedung aus einen Land überhaupt. Keine Frage: "seid ihr seeklar?" oder ähnliches. Noch nicht einmal Wasser dürfen wir bunkern. Doch uns ist es egal, nur weg hier! Wir verlassen fluchtartig den Hafen und werden uns halt unterwegs bei der ägyptischen Navy um alles Nötige kümmern. nm sind ja nun wirklich nicht sehr weit.


Ägypten

Und los geht's. Ohne Wind ist es schon mal besser, als mit Gegenwind. Durch ein Gewirr von kleineren Inseln, die, würden sie nicht unbedingt in Eritrea liegen, sehr schön sein könnten, geht es zurück auf das offene Meer. Leider sieht durch unseren etwas überstürzten Aufbruch aus Massawa unsere Versorgungslage an Bord allerdings nicht unbedingt rosig aus. Es ist wahrscheinlich weltweit einzigartig, dass ein Segelboot ohne ausreichende Wasservorräte aus einem Hafen gejagt wird. Der Sudan ist schnell gemeistert und um unsere Vorräte aufzufrischen, steuern wir den ersten ägyptischen Hafen Berenice an. Durch seine Lage zwar nicht unbedingt der beste Anlaufpunkt, aber: was will man tun? Etwas nervös sind wir schon, haben wir doch von anderen Seglern nicht unbedingt nur Gutes über die Ägypter gehört. Von extremer Abzockerei und dem unausbleiblichen Bakschisch ist natürlich wieder die Rede. Bevor wir in die riesige Bucht von Berenice einbiegen, immerhin müssen wir 20 nm bis ins hinterste Ende, begegnen wir dann auch schon der ägyptischen Navy. Und es ist, wie es immer zu sein scheint, ein paar Funksprüche später -wir erklären unseren Wasserengpass- kommt prompt die Aufforderung zu stoppen. `Na dies kann dann ja wieder heiter werden!` denken wir so für uns und halten erst einmal an. Warten scheint hier angesagt. Doch weit gefehlt! Es dauert nicht lange und wir bekommen Koordinaten, zu denen wir doch bitte kommen sollen. Dort werden wir auch schon von der Navy erwartet und sollen, um Wasser zu übernehmen, längsseits kommen. Wir staunen nicht schlecht, und sind natürlich hoch erfreut, denn dies erspart uns doch den riesigen Umweg in den Hafen.

So haben wir jetzt nur noch rund 100 nm bis zur nächsten Marina. Schnell meistern wir die nicht ganz einfache Einfahrt. Als stummes Mahnmal liegt hier eine gestrandete Segeljacht auf dem Riff.

Deutsche Segler wollten vor zwei Jahren bei einem Sturm Schutz in diesem Hafen finden.
Dass dies die wirklich ungeeignetste Stelle dafür ist, konnten sie, mangelnder Karteneinträge, allerdings nicht wissen. Mitten in der völlig ungeschützten Einfahrt geht es um eine 90° Kurve. Wahrscheinlich an Deck alle Hände voll zu tun, hörten sie auch den warnenden Funkspruch der Hafenmeisterei nicht und hatten so, die Dünung schräg von achtern, kaum eine Chance. Na, wir kennen diese Einfahrten von der amerikanischen Westküste her zu Genüge. Dort ist es genauso wie hier am Ende wichtiger, die Augen achtern zu haben.
Im Hafen erfolgt jetzt eine der einfachsten Einklierung unserer gesamten Reise. Ein Beamter verschwindet mit unseren Pässen, stempelt sie ab und das war`s auch schon. Kein Besuch an Bord, nichts. Wir werden zu unserem Liegeplatz geleitet, vertäut und Ende. Wir staunen nicht schlecht. Wo um alles in der Welt sind nur die vielen unfreundlichen, aufs Geld versessenen Ägypter? Der Hafen ist angeschlossen an einen gewaltigen Hotelkomplex.

Nur, ist er durch die augenblicklichen politischen Unruhen völlig verweist. Kein Mensch. Wir zählen alles in allem vielleicht 10 Touristen. Schon etwas gewöhnungsbedürftig. Doch die Restaurants und Cafes sind geöffnet und wir genießen erst einmal unseren Aufenthalt. Weiter soll es in ca. drei Tagen bis nach Hurghada gehen. Dort wollen wir uns letztmalig verproviantieren. Der Weg nach Port Suez ist nicht mehr weit.

Leider zeigt uns das Rote Meer auf diesem Weg, was es so alles zu bieten hat. Der Wind bläst mit ca. 35 Knoten genau auf die Nase und die dazugehörenden Wellen geben ihr bestes. Kreuzen ist angesagt und vielleicht hätte man die Segelfläche etwas verkleinern sollen. Wir jedenfalls haben es etwas eilig und heraus kommt dabei ein gebrochenes Rigg. Doch wir kommen an und steuern die einzige, dafür aber Nigel-Nagel-Neue Marina Hurghada an. Also bis jetzt, könnte man sagen, so schlecht wie sein Ruf scheint Ägypten wohl gar nicht zu sein. Leider holen uns hier allerdings die politischen Unruhen ein. Im Hafen selbst ist davon zwar nichts zu spüren, nur dass uns jeder vom Rücktritt Mubaraks erzählt und darüber sehr glücklich zu sein scheint. Na, wir sehen das zurzeit mit gemischten Gefühlen - doch wir werden sehen. Jetzt sind es nur noch lächerliche 150 nm bis zum Beginn des Suezkanals.

Da das Wetter mitspielt, halten wir uns auch nicht sonderlich lange hier in Hurghada auf. Wir haben es eilig. Ohne Wind motoren wir das letzte Stück. Laut Segelführer sollten wir vor Einfahrt in den Kanal erst einmal im Hafenvorbecken ankern. Tun wir und warten auf den Lotsen. Und hier scheint dann auch das echte Ägypten zu beginnen. Wir werden von einer Barkasse abgeholt und in die Marina geleitet. Nun denke man nicht etwa, dass dies eine einfache Angelegenheit ist. Weit gefehlt! Die ersten und auch die letzten Worte aller Lotsen sind: "Gib mir eine Schachtel Zigaretten!" Wir jedenfalls, die wir nicht so unbedingt auf dieses stehen, ignorieren standhaft alle Zurufe. Doch endet dies nicht etwa in: `Na dann eben nicht!` Nein! Hartnäckig liefert uns unser Lotse eine Verfolgungsjagd und wir verbringen doch tatsächlich einige Zeit damit, uns seiner doch stellenweise recht gewagten Andockversuche bei voller Fahrt zu erwehren. Und leider setzt sich dieses Gebaren überall fort. Jeder, der etwas mit Touristen zu tun hat, versucht hier gnadenlos, irgendetwas herauszuschlagen. Egal wie gut der Handel schon war, es muss immer noch etwas mehr sein. Erst wollten wir ja den Berichten anderer Segler nicht glauben. `Selbst Schuld…` dachten wir. `Müssen sie halt aufpassen!` Doch weit gefehlt! Jeder, aber wirklich jeder, der länger etwas mit Touristen zu tun hat, versucht diese gnadenlos zu betrügen oder auszunehmen. Für alles und jedes ist ein Bakschisch fällig. Und am Ende, nach Abschluss eines Geschäftes geht es dann erst richtig los. Es wird gebettelt, was das Zeug hält - fordernd und sehr unangenehm. Und dazu kommt noch der Dreck. Wir waren nun wirklich schon in vielen Ländern dieser Welt. Doch dies hier übertrifft so einiges: Müll, wohin man schaut.

So sind wir jedenfalls recht schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet und konzentrieren uns auf unsere Passage. Leider ist dies allerdings nicht ganz so einfach, wie gedacht. Durch die politischen Unruhen steht das Land, so scheint es, kurz vor den ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen. Das Militär, das die Regierung übernommen hat, ist zwar im Augenblick von der Bevölkerung noch hoch gelobt.

Doch so wirklich viel scheint nicht zu fehlen; jederzeit koennte die Lage außer Kontrolle geraten. Und Ausländer sind im Augenblick auch nicht so unbedingt willkommen. Für uns bedeutet das; wir tapern von einer Passkontrolle in die nächste. Gerade einmal, dass man uns nicht nach Hause schicken kann. Dummerweise haben wir halt ein Visa. Doch die allabendliche Ausgangssperre (mittlerweile von 24.00 auf 20.00 bis 6.00 Uhr vorverlegt) sollte man doch lieber einhalten. Nun sitzen wir also am Eingang des Kanals, ca. 80 nm vor dem Mittelmeer und werden vom Militär ausgebremst. Da ständig Kriegsschiffe den Kanal passieren, bleibt dieser für uns leider geschlossen. Doch, wer wartet, gewinnt. So auch wir! Irgendwann haben wir das ok und ab geht es quer durch die Wüste.

Über die Lotsen, zwei an der Zahl, gibt es dann auch nicht wirklich etwas zu erzählen. Beide - so ihre Aussage - sind die besten und egal, was du gibst, es ist immer zu wenig! (Allgemeineinschätzung für Ägypten) Aber egal, hier werden wir nicht wieder herkommen.Vor uns öffnet sich das Mittelmeer, wir haben es geschafft und sind beinahe zu Hause. Ca. 380 nm sind es bis Kreta - unser erster Anlaufpunkt in Europa. Wir freuen uns auf einen echt griechischen Ouzo und Souvlaki.



Zurück in Griechenland

Da sollte man meinen, die letzten Meilen sind schnell gemeistert. Doch - wenn du denkst du hast´n, hupt er aus dem Kast´n!-
Das Mittelmeer jedenfalls empfängt uns mit Wind genau auf die Nase. Und wie soll es anders sein, natürlich auch nicht unbedingt zaghaft. Wir machen das Beste daraus und segeln so hart am Wind wie nur irgend möglich. Wobei allerdings unsere Blicke des öfteren auf unser angebrochenes Rigg schweifen. Uns wird doch nicht hier, so kurz vor dem Ziel, noch der Mast wegfliegen!
Doch -lange Rede kurzer Sinn - irgendwann kommt Kreta in Sicht. Zwischenzeitlich, sei noch erwähnt, beißt doch bei größtem Sturm und auch noch im Dunkeln der natürlich zu allem Glück, oder in diesem Fall Unglück, der größte Tunfisch aller Zeiten. Tassi freut es…
Durch die Landabdeckung ohne Wellen und diesmal sogar noch zu vernünftiger Tageszeit steuern wir nun den ersten für uns günstig gelegenen, überhaupt erreichbaren Hafen an. Laut Segelführer zwar etwas flach, doch das sollte gerade noch gehen, denken wir und wup, sitzen wir auf. Wie soll es anders sein, natürlich am besten Platz: genau mitten in der Einfahrt quer.

In jedem anderen Meer wäre das ja an und für sich überhaupt kein Problem, wartest du halt ein paar Stunden, irgendwann kommt schon die Flut. Doch hier, im Mittelmeer, da ist es nicht so sonderlich mit den Gezeiten. Doch wir haben Glück, ein Fischer kommt, und gemeinsam, mit sozusagen geballter Motorkraft bekommen wir unsere Perithia wieder flott. Ankern wir halt vor dem Hafen und versuchen, unser Dingi noch zu einer letzten Fahrt zu überzeugen. Mittlerweile sieht es bei ihm mit dem Durchhaltevermögen (Luft) nicht mehr ganz so gut aus. Man könnte annehmen, die Luft ist schneller wieder raus, als sie reingepumpt werden kann.

So steht unser Landgang dann doch etwas auf wackligen Beinen. Aber es geht's. Trockenen Fußes erreichen wir die erste griechische Taverne und damit sozusagen auch den ersten Ouzo. Doch lange wollen wir uns hier nicht aufhalten, erstens sitzt uns die Zeit etwas im Nacken und zweitens herrscht an unserem Ankerplatz, außerhalb des schützenden Hafens ein gewaltiger Schwell. An schlafen ist fast nicht zu denken. Der nächste Hafen ist auch nur ca. 80 nm entfernt, das Wetter laut Wetterkarte ok.

So starten wir und laufen genau in den besten Sturm, den man sich hier so vorstellen kann. (soviel zu Wettercharts) Zu allem Glück müssen wir auch noch das südlichste Kap Kretas umrunden, was bei den dazukommenden Fallwinden wirklich alles andere als angenehm ist. Aber weit ausgeholt, kommen wir um die Kurve und haben schon einmal direkte Sicht auf unseren Zielhafen. Leider scheint der Wind alles daranzusetzen, uns den Weg dorthin so schwer wie irgend möglich zu machen. Unser Windmesser funktioniert genau bis 50 ktn Windgeschwindigkeiten, danach schaltet er ab. So können wir leider nicht einmal sagen, welchen Sturm wir da so durchsegelt sind. Doch wir kommen an, das Rigg hat gehalten und wir liegen sicher an der Mole. Es sieht ein wenig aus wie in Seward Alaska.

Wir schauen auf schneebedeckte Berge und so wirklich warm ist es auch nicht. Doch sogar das Internet funktioniert im Hafen. Und hier überschlagen sich dann auch die Neuigkeiten. Wir erfahren von der amerikanischen Segelyacht QUEST: Vier Amerikaner -getötet von somalischen Piraten. Und wir lesen von der Entführung der dänischen ING. Diese Familie mit ihren drei Kindern haben wir des öfteren getroffen. Und natürlich haben wir uns auch mit ihnen über die Gefahr der Piraten unterhalten. (allgemeines Thema bei allen, die dieses Terrain queren wollen) Doch was sollten sie denn tun, der Weg zurück nach Hause führt nun einmal durch dieses Gebiet! Und wer hat schon das Geld, Bruce Willis oder Silvester Stalone zu seinem persönlichen Schutz anzuheuern. Bei uns ruft dies alles natürlich Erleichterung (wir haben es geschafft!) aber auch eine unsägliche Wut hervor.

Was soll das nur alles, die Dänen wie auch die Amerikaner haben den Somalis doch bestimmt nichts getan. Sie haben weder ihre Fischgründe(erstaunlicherweise vor jemenitischem oder Omanischem Gebiet…) geplündert, noch sonst irgendetwas mit diesen Leute zu schaffen. Und die zweite Frage, die sich stellt, wozu eigentlich das gesammelte Militär. Da werden Milliarden über Milliarden für militärischen Schutz ausgegeben und im Zeitalter der absoluten Überwachung gelingt es immer wieder einfachen Fischerbooten, ganze Öltanker zu kapern. Unseren Notruf jedenfalls hat niemand gehört. Wo, um alles in der Welt sind sie denn dann nur? Aber es gab auch die besseren Neuigkeiten: Konnten wir doch auf einen Enkel anstoßen! ??
Was wir natürlich auch schnellstmöglich getan haben! Nur, die Welt ist doch komisch. Da war doch echt in der Nacht jemand auf unserem Boot, und hat später unsere Einkaufstüten auf der Mole verteilt…
Ja ist man denn hier nirgends mehr sicher? Frisch betankt und alle Vorräte aufgefüllt, können wir nun zum nächsten, vorletzten Abschnitt unserer griechischen Heimkehrtour starten. Diesmal mit einer moderaten 4 bis 5 Bft segeln wir bei strahlendem Sonnenschein Richtung Peloponnes. Früher immer etwas links liegen gelassen, entpuppt sich dieses Gebiet als eines der schönsten Segelreviere überhaupt. Wir legen in Pylos, einem kleinen Städtchen an der Westküste an. Hier gibt es eine, bereits im Bau pleite gegangene Marina. Man liegt kostenlos, doch beinahe mitten in der Altstadt.

Aber viel Zeit bleibt uns leider nicht. Am 16.Maerz, unserem nun endgültigen Ankunftstermin, wollen wir doch wirklich nicht zu spät kommen.
Zuvor aber gilt es noch einen möglichst günstigen Liegeplatz für unsere PERITHIA zu finden. Preveza, das ist schon griechisches Festland ist somit unser Ziel. Von dort aus, 30 nm später werden wir dann nur noch einen letzten Stopp in Paxos, für uns einer der schönsten Häfen hier, einlegen. Wir denken, so kurz vor der Ankunft, sollte etwas Hausputz, nicht schaden. Dies werden wir dann dort erledigen.
Somit sind es im Augenblick aktuell noch 57 nm bis zum Ziel.


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