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Grönland

Logbuch ab '09 > Weltreise

Grönland

 

17.07.2009 Grönland

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, unsere Dieselvorräte aufzufüllen, wollen wir endlich los.
Zwar müssen wir mit den Kanistern im Auto eines Freundes losziehen, packen aber den Kofferraum so voll wie irgend möglich. Alles passt dann doch nicht rein, wird aber reichen, denken wir. Genau dieses soll sich später als fataler Fehler herausstellen. Dass im Hafen langsam Nebel aufzieht, stört uns nicht weiter. Wasser bunkern und los geht`s. Da wir die gleiche Route wie ein junger Franzose haben, starten wir zusammen. Außerhalb des Hafens ist die Sicht mittlerweile so schlecht geworden, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Oder auch den Franzosen.



Nur mit Hilfe des Radars können wir seine Position wenigsten auf dem Monitor verfolgen. So geht das nicht! Über Funk beschließen wir - wir haben die technischen Möglichkeiten, sicher durch den Nebel zu kommen - er noch eine Flasche Brasilianischen Rum.



Also laden wir ihn zu uns ein, binden seine CHIMERE hinten an, stellen den Autopilot und den Radaralarm ein und fangen schon mal an, Zitronen zu stampfen. Am nächsten Morgen ist zwar der Nebel weg, aber auch immer noch null Wind. Unter Motor geht es langsam weiter.
Eigentlich wollten wir die Kanadische Küste nordwärts segeln um später die Labradorsee nach Grönland zu queren. Die Eiskarten von der Küstenwache machen dem allerdings einen Strich durch die Rechnung. Nördlich ist überall Eis. Die erste kleinere Scholle sehe ich schon auf dem 48°. N.
Nun gut, dann eben direkt Kurs NNO. Zwei Tage ohne Wind und jetzt mit Wind von vorn. Die See hat wohl beschlossen, uns zu zeigen, dass es auch anders geht.
Es baut sich ein richtig schöner Sturm auf. 3 Tage nur Wind, dicke, fette Wolken, Regen - nix mit Sonne.

Wir kämpfen an drei Fronten: Zum ersten bläst der Wind genau aus unserer Richtung. Die PERITHIA hat aber durch ihre Rollgenuar nicht unbedingt die besten -Hart am wind Eigenschaften-. Um nicht zu viel abzufallen, muss ich die Genuar so groß wie möglich fahren, da sonst die Rolle den Wind abreisen läst. Das bringt natürlich eine Schräglage, an die man sich erst mal gewöhnen muss.

Zweitens schießen wir über die Wellen und knallen auf der anderen Seite wieder runter. Das gibt jedes Mal einen gewaltigen Schlag. Also reffen wir weiter; dadurch kommen wir auf ca. 60° zum Wind und zu den Wellen. Die gehen nun über uns und machen das Boot sauber. Bald ist alles nass. Unser Verdeck hält zwar den Belastungen stand aber es läuft durch alle Ritzen. Der Generator scheint bei der Schaukelei nicht zu funktionieren, kein Strom und nichts wird warm, geschweige denn trocken.Und schließlich zu allem Überfluss: Ein Blick auf unser frisch, auf den Azoren repariertes Großsegel, sagt nichts Gutes…!
Jetzt hole mal einer bei den Wellen das Segel runter und den Ersatz wieder hoch. Am Mast festgebunden und klitschnass, bekommen wir es aber dann doch noch hin und es kommt wie`s kommen muss - richtig lange hält das auch nicht! Der Beschluss, neue Segel zu kaufen, fällt noch in diesem Sturm.

Dummerweise beginnen die Probleme erst. Durch den großen Druck auf der Genuar können wir sie nicht vollständig einrollen.Der Meter, der noch draußen hängt, macht das Boot nicht mehr manövrierbar. Wie können steuern wie wir wollen, der Bug wird immer zur Seite gedrückt - Zeit zum Ablaufen. Mit dem Wind läuft die PERITHIA hervorragend und wir haben Zeit zum überlegen: Wir sind ungefähr auf der Hälfte.
Das Problem;wir haben zwar noch massenweise andere Segel, aber ohne Groß sind wir aufgeschmissen. Kurz denken wir daran, umzukehren und in St.John`s erstmal wieder alles zu richten. Das würde aber aus Zeitgründen den Abbruch der Passage bedeuten. Also werden wir aus zwei Segeln eins machen.

Wir vollführen das Kunststück, die Genuar zu bergen und machen uns ans Flicken. Mit dem "Strickliesel" (Ahle) geht es eigentlich. Man näht von oben: einer hält fest, der andere zieht die Nadel durch. Jetzt muss der Faden von der anderen Seite durch eine Öse gezogen werden. Dazu muss man aber unter das Segel. Und das bei jedem Stich.
Wir haben jedenfalls früh morgens angefangen und es tatsächlich bis in die Nacht hinein geschafft.

Guten Mutes warten wir auf den nächsten Tag und das Wetter beruhigt sich sogar ein bisschen.

Ich steuere mit der elektronischen Windsteuerung. Das hat den Vorteil, dass das Boot immer im gleichen Winkel zum Wind fährt. Es gibt also keine bösen Überraschungen. Zeit zum Aufräumen und Boot wenigstens einigermaßen wieder klarmachen. Am nächsten Morgen dann zeigt sich die Labradorsee wieder von ihrer besten Seite.

Herrlich glatt und strahlender Sonnenschein. Sofort steigt die Laune. Alles wird so langsam trocken, die Heizung geht wieder und es kommt der erste Eisberg in Sicht.

Um euch alle, zu Haus gebliebenen, auch recht gut mit Fotos zu versorgen, beschließen wir, so nah wie möglich ranzusteuern. Plötzlich liegt ein leises Grummeln in der Luft, das schnell zu einem Grollen anschwillt.Mit gewaltigem Getöse löst sich ein recht ansehnliches Eisstück und rauscht in die See. Na zum Glück waren wir noch nicht da.Es ist gigantisch! Wie erforschen und fotografieren den Koloss von allen Seiten. Erst jetzt fällt mir ein, ich habe keinen Whisky mit. Eis hätte ich genug…

Mit dem Wetterumschwung wird es richtig schön. Sonne satt, ca. 20 C und wir tuckern durch eine spiegelglatte See. So nach zwei Tagen überschlage ich dann doch mal die Vorräte in den Dieseltanks. So richtig gut sieht das nicht aus. Um auch sicher anzukommen, beschließen wir eine weitere Kursänderung zum nächstgelegenen grönländischen Hafen. Wie unser Barometer es richtig voraussagt, gibt es dann natürlich nicht den leisesten Lufthauch.

Aber wir kommen an. Mit den letzen Litern Diesel erreichen wir die heißersehnte grönländische Südküste und stehen vor einer riesigen Eisbarriere. Der ganze Küstenabschnitt ist versperrt. Der Ort Nanortarik bleibt für uns unerreichbar. Der Student von der UNI Bremen, der diese Woche für die Karten verantwortlich war, hat wahrscheinlich verschlafen oder besseres zu tun gehabt, denn die Uni-Eiskarte zeigte eine eisfreie Küste an.
Wir überlegen und stellen schon mal fest, wir haben ein Problem: Kein Wind, kein Sprit und an das Eis möchten wir auch nicht driften. Doch wie sagt man? -Das Glück ist mit den Unwissenden- Seit 9 Tagen sehen wir den ersten Fischtrawler. Ich funke ihn an, erkläre ihm unsere Misere. "No Problem!" kommt aus dem Radio und der Trawler wendet.

Ich habe dann einige Mühe bei ihm längsseits zu gehen. Immerhin reicht unser Mast nur bis zu seiner Rehling. Kathrin übt sich schon mal im Auffangen der Wurfleine und ein Matrose lässt einen 20 Liter Kanister herab.
Natürlich freuen wir uns über die unkonventionelle Hilfe und versuchen zu bezahlen. Doch mehr als der Austausch von Fotos ist nicht drin.<br />20 Liter sind 7 h und das bedeutet für uns 40 nm. Unseren Funkspruch muss aber auch die Küstenwache abgehört haben. Jetzt taucht doch tatsächlich ein Polizeiboot auf und fragt nach woher und wohin und ob alles in Ordnung ist. So viele Boote an einem Tag haben wir schon lange nicht mehr erlebt. "Habt ihr nicht vielleicht 20 Liter Diesel?" Man kann ja mal fragen…

Auf der anderen Seite wird gerechnet. Bis nach Nuuk, was ich als Ziel angebe, sind es doch noch 300 nm. Gut, mutiger werdend, einigen wir uns: 100 l müssten es schon sein."OK!! Bitte stoppen und warten!" lautet die Antwort. Alsbald wird ein Schlauchboot zu Wasser gelassen und zwei Matrosen kommen zu uns. Ich suche derweilen sämtliche zur Verfügung stehenden Kanister zusammen und entschließe mich, 10 zwanziger tun`s auch. Mehr krieg ich in der Eile nicht zusammen. Wir bieten wieder unsere Dollar an, bekommen sie aber genauso wenig los. Der Diesel sei ein Geschenk des Gouvernements. Und ein paar aktuelle Eiskarten gibt es noch obendrauf. Man wünscht uns eine gute Reise und wir dürfen sogar noch ein paar Fotos schießen.

Das ist wirklich nett, wir bekommen alles gratis.Von einer Unmenge an Eisbergen, riesige oder kleinere, die wir im Slalom umfahren, mal abgesehen, fahren wir nun wieder völlig sorgenfrei zu unserem nächsten Ziel. Frederikshab, ein kleiner Ort in einem Fjord. Als Europäer würde man ihn als recht abgelegen beschreiben.
Ein kleines Kaff, nicht mal ne Kneipe. Es gibt aber nette Leute, und wir bekommen erstmal eine Ortsbesichtigung. Einen Geldautomaten gib es auch und ich frage bei der netten Frau von der Post noch nach dem Wechselkurs.
Sie hat ihn natürlich nicht im Kopf, würde aber gerne nachschauen. Zur Sicherheit wird noch die Kollegin herbeigeholt und der Computer befragt. Sie werden dann auch fündig und Kathrin und ich beschließen, wir haben gar keinen soo großen Hunger. Ein Essen für zwei tut`s auch….So drehen wir noch ein paar Runden und gehen dann zum Hafen zurück. Dort ist erst mal klettern angesagt. Bei Flut geparkt, stehen wir 2,80 m tiefer als wir wieder zurückkommen.


Weiter geht es mit Ziel Nuuk, 230 nm. Mittlerweile wird es nachts auch nicht mehr dunkel, was die Navigation um die nicht enden wollenden Eisriesen erheblich erleichtert. Wir fahren direkt an der Küste entlang und bestaunen die Landschaft. Sonne pur.



Uns fällt auf, wir haben noch nicht einen einzigen Baum gesehen. Nur Stein und Fels, soweit das Auge reicht. Aber doch irgendwie ergreifend, wenn man sich überlegt: was für ein riesiges Gebiet und wie dünn besiedelt!
Nuuk selber hat einen sehr kleinen Hafen für seine Größe. Wir legen hier im Dreierpack oder mehr an. Wobei wir uns dadurch schnell im Gespräch mit anderen Seglern befinden.


Die Stadt selber besteht aus den üblichen Holzhäusern und aus -dem -Boden -schießenden Neubausiedlungen, Kaufhäuser, Banken, Kneipen -alles da. Ach so, wir können wieder zu zweit essen gehen. Nach nochmaliger Nachfrage nach dem Wechselkurs hier entpuppte sich der Postcomputer in Frederikshab wohl als defekt. Unsere Sorgen, wir sind hier unter die Ölmultis geraten und können uns das Essengehen nicht leisten, waren unbegründet.

Morgen wird noch eingekauft und getankt. Dann geht's weiter in Richtung Discoinsel zur Geburtsstätte der Eisgiganten.Wir rechnen mit ca. 3 Tagen. Aber bitte bedenkt, wir sind mit dem Segelboot unterwegs und nicht mit dem Zug, der einen Fahrplan einhalten kann (oder auch nicht…) Also nicht ungeduldig werden!



27.07.2009 Von Nuuk zur Discoinsel

Bevor wir alles zur Weiterfahrt klarmachen, denke ich zum wiederholten Mal an unser Reststück Fischernetz.Das schleppen wir nun schon seit dem Mittelmeer am Ruder unter uns her. Da das Wasser in den nächsten Monaten wohl nicht unbedingt wärmer werden wird, beschließen wir einstimmig (mit einer Gegenstimme von Kathrin…), es ist an der Zeit, es zu entfernen.

Das Wasser hat zurzeit ca. 3° C, was nicht unbedingt warm ist. Da mir aber der Neoprener nicht passt, bin ich recht zuversichtlich und gebe gerne gute Ratschläge.Kathrin taucht also todesmutig in die Fluten und erklärt nach eingehender Inspektion des Ruders, da wäre nichts zu sehen.

Ich denke, das trübe Hafenwasser behindert die Sicht, irgendwo muss es ja sein. Noch ein Versuch und siehe da, das Netz mitsamt den dazugehörigen Schwimmkörpern kommt zum Vorschein und ist schnell entfernt.

Mein Vorschlag, jetzt noch eine Kontrolle der Schraube vorzunehmen, löst dann allerdings keine großen Begeisterungsstürme mehr aus und Kathrin ist froh, wieder aus dem Wasser zu kommen.
Getreu dem Motte "Gebranntes Kind scheut das Feuer" füllen wir nun vor der Weiterfahrt erst mal unsere sämtlichen Dieselvorräte auf. Dummerweise ist Wochenende, und sämtliche Grönländer dieser Gegend scheinen einen Wasserausflug machen zu wollen. An der Tankstelle geht es zu wie auf der Hainstraße. Es ist gar nicht so einfach mit unserer PERITHIA zwischen all den kleinen Booten zu navigieren.

Alles voll, brauchen wir nur noch Wasser für die Tanks und ab geht`s. Das Meer ist relativ eisfrei, so dass wir eigentlich keine größeren Probleme in Richtung Aasiaat zu bewältigen haben. Einzig die Lichtmaschine gibt irgendwann ihren Geist auf. Unser Notgenerator läuft zwar nicht unbedingt gut, aber ein bisschen Strom bringt er noch. Somit keine Sorgen. Wir fahren direkt an der Küste entlang und bewundern die herrliche Aussicht. In Aasiaat angekommen sind wir das einzige Segelboot und finden auch schnell einen guten Platz zum anlegen.

Es gilt wieder die 2,80 m Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut zu beachten, was das Ein- und Aussteigen immer zu einer Kletterpartie werden läst. Da wir ja nun 2 Tage auf dem Boot waren, beschließen wir erst mal, uns die Beine zu vertreten und uns den Ort anzuschauen. Aasiaat ist ein relativ kleines Nest, hat aber sogar einen eigenen Flughafen.


Und -ich bin erhört worden- eine Bar! Wir also rein.
Es kommt natürlich, wie`s kommen muss. Kaum sitzen wir, bekommen wir zu 100 %
Besuch am Tisch. Immer weiblich und nie nüchtern. Zum Glück füllt sich der Laden mit einem Schlag und wir geraten mitten in eine Party. Irgendwer hat irgendeinen Besuch bekommen, jemand wird 50 und der örtliche Lehrer hat endlich Viagra erhalten.

Die Eskimos haben, wie die Indianer auch, noch einen Zunahmen. Als "immer stehender Penis" vorgestellt wird, weiß Kathrin dann nicht genau, wohin mit ihren Augen. Die Nacht, die taghell ist, endet dann fünf Uhr morgens in einem Privatklub. Wir haben eine Menge nette Leute getroffen. Das hilft uns natürlich sehr bei der Reparatur unserer kleinen Wehwehchen an der PERITHIA. Ich stehe mal bei Zeiten auf, und denke mir so, mal sehen, wer sich noch an die Versprechen vom letzten Abend erinnern kann. Schon hupt`s und nach einem Kaffee fahren wir zu sämtlichen Werkstätten, die wir so benötigen. Die Lichtmaschine ist schnell ersetzt und `nen schicken neuen Generator haben wir auch. Da es im Ort kein öffentliches Internet gibt, können wir den Computer in einem Büro benutzen.

Da es uns hier gefällt, verschieben wir unsere Abfahrt auf morgen. Das bringt uns eine Einladung zum Abendessen und wir sitzen die halbe Nacht in einem Wintergarten beim Grillen.<br />Eigentlich sind das hier alles Fischer, denke ich und versuche ein par Tipps zu bekommen. Meine bisherigen Angelerfolge lösen dann allerdings Erstaunen aus. 10 min pro Fisch scheint hier die Regel zu sein. Also werden wir einen Angelausflug unter fachmännischer Leitung unternehmen. Ich bin gespannt!
Über kurz oder lang müssen wir dann aber doch los. Die Satellitenbilder zeigen eine recht eisfreie Zone für die nächsten 40 nm an.

Eiskarte folgt noch.
Kaum aus dem Hafen raus, heißt es aber erst mal -Maschinen Stopp-. Wir sind mitten in eine Walherde geraten. Es ist unglaublich, diese riesigen Tiere schwimmen doch direkt um unser Boot herum. Es prustet, schnieft und schnauft mal vor uns, mal neben uns, mal hinter uns.
Manchmal denken wir: "hoffentlich sieht der Wal auch, dass wir auch noch da sind." Kathrin stürzt zum Fotoapparat um die Bilder ihres Lebens zu schießen. Natürlich ist der Akku runter…

Wir trösten uns damit, dass das bestimmt nicht die letzen ihrer Art gewesen sind. Ilulissat rückt langsam näher. Damit auch das Eis. Hier ist die Geburtsstätte der größten Eisgiganten überhaupt. Im Slalom die Eisberge zu umrunden geht eigentlich ganz gut. Schlimm sind nur die Treibeisfelder, durch die wir hindurch müssen. Wahrscheinlich brauchen wir für die PERITHIA bald einen neuen Anstrich. Ab und an knirschelt es schon mal. Das lässt sich aber nicht vermeiden. So erreichen wir um Mitternacht im Zickzack den Hafen von Ilulissat und stellen fest: der ist ganz schön voll. Nach eingehender Inspektion sichten wir die DAGMAR AAEN.

"Arved Fuchs wird uns schon nicht fressen!" denken wir und machen längsseits fest. Soweit ist alles gut, nur am nächsten Morgen beansprucht ein großer Trawler unsere Anlegeplätze. Zwei Segler suchen in einem recht überfüllten Hafen einen neuen Platz. Zum Glück ist das nicht wie auf einem Supermarktparkplatz. Hier wird geschoben und gedrückt und umgeparkt, bis es passt.

Ilulissat ist eine Touristenstadt. Ein paar Kaffees, 4 Restaurants, viele Souvenirläden und Ausflugsangebote.
Einzigartig ist der Gletscher hier, der tief eingeschnittene Fjords mit Eisbergen und Eisfeldern verstopft. Wir beschließen, dass das die Kulisse für "ein paar Schnappschüsse" für unseren Hauptsponsor ISY sein soll! Seine elektronischen Seekarten haben uns bisher hervorragend den Weg gewiesen. Es gibt absolut nichts zu bemängeln!

Wir werden uns also die größte Mühe geben.
Das lest Ihr im nächsten Bericht und im Fotoalbum macht Ihr Euch dann selbst ein Bild, ob es uns gelungen ist.


06.08.2009 Von Ilulissat nach Upernavik

Von Ilulissat aus geht's nun wieder zurück nach Aasiaat. Wir wollen doch mal sehen, ob uns an diesem schönen Fleck das Anglerglück hold ist. Laut Aussage der dortigen Fischer sollten wir nach höchstens 10 min mindestens einen Fisch an der Angel haben. Wir sind gespannt. Die Fahrt zurück erweist sich allerdings als schwieriger als erwartet. War noch auf der Hinfahrt, die Gegend um Ilulissat relativ eisfrei, hat über Nacht der Wind gedreht und gewaltige Eisfelder direkt vor die Hafeneinfahrt geschoben. Schon vom Hafen kann man das riesige Eisfeld bewundern.

Nützt aber alles nichts, wir tasten uns langsam voran und suchen den günstigsten Weg durch das Gewirr aus Schollen, kleinen und großen Brocken. Den Fischern nachahmend, bleibt uns gar keine andere Möglichkeit, als langsam durch und das Eis beiseite schieben. Wenn`s wenigstens nur ein schmaler Gürtel wäre, aber so zieht sich der Spaß über Stunden hin. Kathrin steht vorne im Bug und gibt die Richtung vor und ich versuche hinten so schnell wie möglich, mal mit mehr - mal mit weniger Gas, auf ihre Zeichen zu reagieren.

Wir nutzen auch die Zeit, um ein paar Fotos zu schießen- bei der Kulisse!!! Und Kathrin unternimmt den einen oder anderen Ausflug im Dingi.

Durch das viele Geschabe und Gedungse wird wahrscheinlich irgendwann ein neuer Anstrich für die PERITHIA fällig werden. Das hat aber noch Zeit bis wir wärmere Gefilde erreicht haben. Es werden bestimmt nicht die letzten Knüffe sein, die wir einstecken müssen. So sind wir dann auch erst am nächsten Morgen wieder in Aasiaat zurück.Wir verabreden uns mit unserem Freund Bjane, der eigentlich Elektriker ist, aber behauptet, der geborene Fischer zu sein. Wir treffen uns also an der Mole, und entern sein Boot.

Meine Hightech-Angel brauche ich hier allerdings nicht, wir angeln nach der herkömmlichen Methode. Das ist recht einfach, man benötigt nur einen kurzen Stock. Auf diesem ist die Sehne samt Blei mit Haken aufgerollt. Das war's auch schon.
Ich schau mir das Ding an und mache mir so meine Gedanken, wie ich denn den versprochenen Fisch dann eigentlich aus dem Wasser bekommen soll. Aber wir werden sehen. Wir sausen also dahin, wo die großen Fische sein sollen und rollen schon mal den Faden ab. Zwei Bier später einigen wir uns auf zu schlechte Strömungsverhältnisse und packen erst mal wieder alles ein. So testen wir dann der Reihe nach die besten und fischreichsten Stellen der Gegend. Ich schiele ab und an nach dem Bier, das auch nicht unbedingt mehr im Kasten wird. So einigen wir uns auf einen letzten verzweifelten Versuch. Jetzt wirklich an der auf jeden Fall richtigen Stelle…!

Mich wundert nur, dass um uns herum überall Fischerboote zu sehen sind, wahrscheinlich haben die uns den Fisch schon weggeschnappt. Doch siehe da, es hat sich was am Hacken verheddert. Rund, schleimig und ganzschön dick. Für mich sieht es aus wie eine Kreuzung zwischen Kugelfisch und Seegurke. Das Zeug angeln wir dann ständig, nur das man es nicht essen kann.

Zwischendurch kommen auch noch ein paar Stachelfische mit rauf. Die sind zu allem Elend auch noch gefährlich: "man sollte sich vor der Rückenflosse in acht nehmen!" lassen wir uns sagen. Aber plötzlich wird es schwer am Strick. Ich hole ein und der Fang ist geglückt. Ein gewaltiges Prachtexemplar! Es muss an dem kalten Wasser oder am Schreck liegen, jedenfalls hat er nicht einmal gezappelt und läst sich widerstandslos von mir ins Boot wuchten.


Um unser Anglerglück nicht überzustrapazieren, packen wir jetzt ein und fahren nach Hause zurück. Aus den 10. min. sind ja inzwischen auch schon 3 h geworden. Es ist mittlerweile Abend und wir beschließen, heute mal zu Hause zu bleiben und einen Fernsehabend zu veranstalten. Über unseren "Gigantenfisch" freut sich Tassi, der ihn dann auch komplett verputzt. Er hatte auch ungefähr seine Größe.
So leid es uns tut, aber irgendwann müssen wir weiter. Die Passage wartet nicht auf uns. Wir wollen am nächsten Morgen früh beizeiten aufbrechen. Doch fällt mir jetzt noch unsere Gasleitung ein, die ich schon die ganze Zeit umbauen wollte, es aber nie geschafft habe. Soviel Zeit muss noch sein. Zum Glück kennen wir einen Klempner. Kurt hat schon die Auspuffanlage vom Generator neu designd und macht sich nun voll Eifer über die Gasleitung her. Alles fertig, wird getankt und Wasser gebunkert.

Danach verabschieden wir uns von unseren neugewonnenen Freunden, die uns wirklich nach besten Kräften geholfen und unterstützt haben und legen ab in Richtung Upernavik. Da wir nun Grönland bald verlassen, lassen wir das erlebte noch einmal Revue passieren.
Dabei fällt uns auf: wir haben hier in der ganzen Zeit nicht eine einzige schlechte Erfahrung gemacht und ausnahmslos nette und hilfsbereite Menschen getroffen. Die Leute hier sind stolz auf ihre Heimat und freuen sich, diese anderen zu zeigen.

Leider macht uns diesmal das Wetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Es bläst gewaltig und natürlich genau von vorn. Da wir nahe der Küste entlang segeln wollen, ist mit kreuzen hier kein Blumentopf zu gewinnen. Auch haben wir, ehrlich gesagt, gar keine so richtige Lust. Wir sind eher auf zwei geruhsame Tage ohne viel Stress eingestellt. Es warten ja auch wieder eine Menge Bilder, die sortiert und vorbereitet werden wollen. So laufen wir nach ca. 30 nm Gehoppse über die Wellen für die Nacht den kleinen Hafen God Haven an. Zum Anlegen haben wir dann auch drei Möglichkeiten.
Längsseits an einen recht schrottig aussehenden großen Fischerkahn, am Fähranleger oder als viertes Boot an einem Dreierpack kleinerer Fischerkähne. Wir entschließen uns für letzteres, was sich später als sehr klug erweisen sollte. Früh um 6.00 legt der große Kahn ab und um 7.00 kommt die Fähre. Das wäre beinah eine kurze Nacht geworden.Angelegt und festgemacht, kraxeln wir über die Boote in Richtung Mole. Das ist gar nicht so einfach, die Fischkutter sind allesamt wesentlich höher als die PERITHIA. Besonders der letzte. An Bord des vorletzten kleinen ist ein freundlicher Fischer, der mir zuwinkt, um mir den besten Weg zu seinem großen Nachbarn hinüber zu zeigen. Ich schwinge mich also in schwindelerregende Höhen und hangele an der glitschigen Bordwand hinauf. Kaum oben angekommen, erblickt der nette Fischersmann dann Kathrin. Und siehe da, natürlich wird sofort eine Leiter geholt und wirklich solange festgehalten, bis der weibliche Besuch auch ja sicher von Bord geleitet ist. Das Dorf selbst ist klein aber interessant.

Wir merken deutlich, dass wir langsam in nördlichere Gefilde kommen. Die Häuser werden kleiner und sind im ihrem Stil eher winterfester gebaut. Und jedes hat eine Menge Hunde, denen man ansieht, dass sie nicht zur Touristenattraktion gehalten werden. Es wird aber kein langer Abend, wir bummeln ein bisschen durch das Dorf, kehren noch kurz im Dorfkrug ein und klettern dann recht bald zurück zur PERITHIA. Am nächsten Morgen stehe ich beizeiten auf, um so schnell wie möglich abzulegen. Immerhin sind es noch ein paar Meilen bis zum nächsten Ziel. Das Wetter spielt wieder mit, nur das Barometer macht ein bisschen Sorgen. Es fällt stetig. Elendig sind die vielen Eisberge, welche aus der Discobucht und den angrenzenden Fjorden ins offene Meer treiben.

Es gibt hier eine Masse Gletscher, die ununterbrochen für Nachschub sorgen.
Die Eisgiganten sind nicht zu übersehen, haben aber leider die Unart, ab und an mit viel Getöse auseinanderzubrechen. Somit treibt meist hinter einem großen noch ein ganzer Rattenschwanz voll kleinerer Klumpen. Die sind schlecht auszumachen und erfordern ständige Aufmerksamkeit. Übrigens haben wir uns gewundert, aus welchem Grund die Einheimischen hier, nur mit GFK Booten durch das Eis fahren.

Die Antwort auf unsere Frage erstaunte uns dann doch ein wenig. Aluminium wird bei den hiesigen kalten Temperaturen spröde und hält damit einer etwaigen Kollision mit Eisklumpen nicht stand.

Na, die sollten es ja wissen, freuen wir uns in anbetracht unseres Plasterumpf`s. So wie ich dieses schreibe, gibt es übrigens plötzlich einen gewaltigen Schlag. Da war wohl was im Weg. Ein, sagen wir mal ca. PKW großer Brocken. Sogar Kathrin ist aufgewacht und kommt ganz erschrocken aus der Kajüte gesaust.

Die sofortige Kontrolle zeigt zum Glück, wir haben noch mal Schwein gehabt. So geht es sorgenfrei bis nach Upernavik, wo wir die DAMAR AAEN noch einmal treffen. Hier tanken wir, kaufen das Nötigste ein, suchen noch ein Internet und brechen dann in Richtung Canada auf.


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