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Der Weg in den Süden

Logbuch ab '09 > Weltreise

Der Weg in den Süden

 

01.01. - 08.02.2010 Inside Passage und nordamerikanische Westküste bis San Francisco

Das Wetter ist günstig. Pünktlich zum Neujahrstag wollen wir von Sitka ablegen. Denn irgendwann sollte die Kälte ja auch mal ein Ende haben.

Der Plan: erst schrubben wir Meilen - bis Prinz Ruppert geht es außen, danach wird es gemütlicher, die Inside Passage entlang. Nur noch verabschieden. Bei Andre ist gerade Dean, den wir interessanterweise am Abend zuvor schon auf der Strasse getroffen haben mit einer Flasche Bailey auf einen Neujahrstrunk zu Gast. (die Welt ist halt klein) Er ist ein älterer Skipper, der mit seinem Boot die Inside Passage zweieinhalb Monate von Süd nach Nord heraufgetuckert ist und jetzt hier im Hafen wohnt. Wir mögen uns auf Anhieb, nur leider gibt es gewisse Schwierigkeiten bei der Verständigung. (Südstaatenakzent vom feinsten…)Unser Ablegemanöver wird dann ein wenig zur Fotosession - Andre ist von Beruf aus Fotograf. Von Dean bekommen wir zum Abschied noch seinen Kartenatlas für die Inside Passage geschenkt, in dem er alles von seiner Route bis ins kleinste Detail eingezeichnet, markiert und kommentiert hat. Wir sind sprachlos und freuen uns riesig.Die Meilen bis Prinz Ruppert vergehen dann auch ohne nennenswerte Schwierigkeiten wie im Fluge. Nur die Einfahrt in die Hafenbucht; man sollte lieber im Hellen ankommen. Wir jedenfalls kommen im Dunkeln… Nichts ahnend fahren wir in die riesige Bucht. Peng, ein gewaltiger Knall. Irgendetwas war da wohl im Weg. Ruck-zuck, die Treppe hoch und den Motor aus, dauert nur Sekunden. Im letzten Licht sehe ich einen Baumstamm in der Dunkelheit verschwinden.

Oh, Oh! das hätte auch anders ausgehen können. Ein kurzer Check der Bilge sagt, alles o.k. nur unseren Geschwindigkeitsmesser für die Fahrt durch das Wasser, den hat es erwischt. Das ist dumm, denn nun können wir dir Strömung nicht mehr berechnen. Aber ab jetzt wird aufgepasst! Sowieso ist auf unserem weiteren Weg durch die Passage an Nachtfahrten nicht zu denken. Überall lauert Treibholz.
Dazu gilt es unbedingt die Gezeiten im Auge zu behalten. Es gibt Strömungen von sage und schreibe 11 ktn! Da wäre dann rückwärts angesagt. Und zu guter Letzt halten sich die Gezeiten noch nicht einmal an ihre sonst üblichen Nord-Süd Flussrichtungen. Ist ein Wasserarm zu lang, teilt sich das Wasser kurzerhand und die Ebbe kann schon mal nach Norden zu abfliesen. Kurzum, man sollte sich immer überlegen, wo man gerade ist und spätestens um 17. Uhr muss ein Hafen oder Ankerplatz gefunden sein. Wobei das an sich kein all zu großes Problem darstellt, ab und an kommt ein kleiner Ort. Allerdings meist Indianerreservate, was wieder einmal bedeutet, es gibt kein Bierchen und auch kein Weinchen.
Doch trotz Treibholz, manchmal ganz schön engen Stellen, Prohibition, viel Regen und Nebel und sonstigen Widrigkeiten ist die Inside Passage eine wunderschöne Route. Natur pur.

Endlose Wälder, Wasserfälle, heiße Quellen, kleine und große Inselchen, im Sommer Bären, Fisch en masse - Ich denke, eine hervorragende Strecke zum paddeln oder so.

Unser Ziel jedenfalls heißt Victoria. Um dort hin zu kommen, gilt es nur noch einmal kurz den Dixon Entrance zu queren und anschließend rund 200 nm im Schutz von Victoria Island zurückzulegen. An sich nicht weiter schlimm. Nur bläst uns natürlich genau im richtigen Augenblick der Wind entgegen. Nichts ist mit: "schnell mal über das einzige Stück offene See". "Zurück!" ist angesagt. Und… es wird dunkel.
Auf der Karte finden wir eine winzige Bucht. Die könnte zum ankern gehen. O.k., eine Stunde im Dunkeln, dass wird schon klappen. Wir kommen im Stockfinsteren an und versuchen die Einfahrt zu finden. Auf den Kartenplotter ist in solchen Fällen kein hundertprozentiger Verlass, zu ungenau. 100 m Differenz sind keine Seltenheit. In Barrow sind wir sogar einmal über eine Insel gefahren. (laut Karte) Zum Glück auf der richtigen Seite. Ausschließlich das Radar ist hier zuverlässig genug. Also - im Schleichgang. Nachts scheinen 50 m ziemlich eng. Die Bucht soll sich dann ca. 200 m breit öffnen. Wenn wir doch nur etwas sehen könnten! Wir suchen uns laut Radar ungefähr die Mitte und lassen erst einmal den Anker fallen. Da etwas Wind geht und wir sicher liegen wollen, lassen wir eine Menge Kette aus. Dummerweise bringt aber gerade das uns natürlich wieder näher an die Felsen. Zu sehen ist nichts, aber wahrscheinlich könnte man bei Tag hinten von Bord an Land springen. Irgendwer aber muss hier wohnen. Unser Computer zeigt doch tatsächlich einen Internetzugang.

So gelingt es uns, in der letzten Einöde, unsere Mails zu versenden. Man kann nur staunen. Der Wind frischt auf, allmählich haben wir Sorgen. Wenn wir hier unglücklich mit dem Heck an die Felsen schlagen, das Ruder ist nun mal hinten, wer soll denn dann helfen? Also doch lieber wieder raus aus der Bucht.
Nur - wie? Den Anker einholen, o.k..
Doch um auf dem Radar und dem Plotter etwas zu erkennen, brauchen wir erst einmal Fahrt. Also Augen zu und durch. Am Ende sind wir so besser aus der Bucht raus wie rein gekommen. Eben Glück gehabt! Da es sowieso schon langsam hell wird, steuern wir zurück in Richtung offene See. Es schüttelt zwar etwas, doch das ist am Ende besser als ein Felsen. So kommen wir zwar langsam aber immerhin überhaupt aus der Passage und nähern uns Victoria.

Hier sollten wir, wenn wir Glück haben, Wale sichten können. Und wir haben Glück! Wie bestellt, kreuzt unser Kurs den Weg einer Orcafamilie. An die 20 kleine und große Familienmitglieder schwimmen sorglos um unser Boot herum. Immer wenn eins der kleineren uns nahe kommt, schiebt sich, wahrscheinlich der besorgte Vater zwischen uns und seinen Nachwuchs. Es ist einfach beeindruckend und wir sind absolut begeistert.


Und es gibt wieder Segelboote. In Victoria wird anscheinend gerade eine Regatta gestartet. Der Start sollte auch unbedingt vor unserer Hafeneinfahrt sein… So kreuzen wenigstens zwanzig Segler unter vollen Segeln vor uns hin und her und warten auf den Startschuss. Wir, mit Motor haben die Vorfahrt zu beachten und echte Schwierigkeiten mit diesem Gewusel. Bleibt zu hoffen,dass jeder weiß, was er tut.Die Marina selber entpuppt sich allerdings als Flop. Der teuerste und nobelste Anlegeplatz überhaupt.

Und unheimlich nette Leute... Zuerst ein Zaun, der, ist man erst einmal draußen, nicht mehr ohne Schlüssel zu öffnen ist. Wir gehen zum Hafenoffice um uns anzumelden, doch es ist geschlossen. Gut, irgendwer wird schon kommen, um uns wieder zur PERITHIA zu lassen. Kommt auch und - schlägt uns die Tür vor der Nase zu! Was bedeutet, ich muss mich über den Zaun hangeln!

Am nächsten Tag, wir bewegen uns nur noch einzeln und mit Funkgerät nach außerhalb, gelingt die Anmeldung. Dabei erfahren wir die erste unmissverständliche Regel im Yachthafen: `Arbeiten am Boot, das geht hier gar nicht!` Na ja, wahrscheinlich könnte ich eine Firma beauftragen, selber machen scheint hier aber nicht angesagt. Doch lange wollen wir sowieso nicht bleiben. Nur mit Tassi zum Tier- /Zahnarzt, unsere Pakete abholen und dann weiter. Wir haben einen Stadtplan und finden sogar unsere Adresse. Der Bus bringt uns an den Anfang der Strasse, den Rest können wir laufen. Was wir dabei leider übersehen haben: wir sind bei Nummer 300 und wollen zur 850 oder so.

Wer schon einmal in Kanada gewesen ist, weiß, dass das Hausnummern von Einfamilienhäusern sind. Stunden später, wir haben unsere Pakete, kehren wir dann völlig fertig zum Boot zurück. Laufen sind wir irgendwie nicht mehr gewohnt.Von Victoria aus geht es nun weiter die nordamerikanische Westküste südlich. Der Wind ist nicht gerade
berauschend, kommt meist von Süd, doch es sollte gehen. Erster Hafen ist Neah Bay. Eine Stadt kurz vor Cape Flattery. Man könnte denken, wir haben uns verfahren und sind wieder im Hohen Norden. Gerade mal eine Strasse. Gut, legen wir halt wieder ab.Nächstes Ziel ist Westport. An sich nicht weit, nur - wir merken recht schnell, man sollte wieder einmal nicht im Dunkeln fahren. Die ganze Küste ist voll mit so genannten Krabbenfallen. Das sind Eisenbottische auf dem Grund, eine Leine und daran drei Bojen. Jeder Fischer besitzt wahrscheinlich hunderte davon.


Fährt man aus Versehen darüber, keine Chance das im Dunkeln zu vermeiden, hat man das gesamte Seil in der Schraube. So auch wir! Und da schaukeln wir nun ca. 10 nm vor der Küste, einen fetten Fitz von so einem Seil um unsere Schraube und haben natürlich: null Wind! Man könnte meinen, dann springst du eben ins Wasser und entwirrst das Ganze. Geht aber nicht. Die Schraube ist recht weit hinten am Boot. Durch die Rundform unseres Bootes klatscht das Heck bei Stillstand bei kleinsten Wellen gewaltig auf das Wasser. Und 10 bis 15 Tonnen auf den Kopf zu bekommen, na ja. Durch ständiges vorwärts- und rückwärts Geschalte, gelingt es uns schließlich, die Schraube wenigstens für Schleichfahrt vorwärts wieder in Gang zu bekommen. So mit 1 ktn tuckern wir dann fluchend und schimpfend die 10 nm dem Hafen entgegen. Die Einfahrt hat es leider auch noch in sich.

Durch die riesigen Brandungswellen der Pazifiks entsteht in der Einfahrt ein gewaltiger Schwell. An sich kann man das aussteuern, nur bräuchte man dazu Fahrt. Die Wellen rollen also nur so von hinten heran und schieben uns mehr recht als schlecht in den Hafen. Der Rest ist an sich kein Problem, wenn nur der Neoprener passen würde. Die Länge haut ja noch hin, nur im Umfang scheint er gewaltig eingegangen zu sein… Über die Dirk (das Seil, welches den Großbaum hält und dadurch am weitesten oben am Mast endet) ziehen wir die PERITHIA so schief es geht und ich versuche mein Glück im Tauchen. Wie gesagt, der Neoprener scheint eingegangen und so entpuppt sich die gesamte Aktion als äußerst anstrengend. Doch so zwei Stunden später haben wir es geschafft und die Schraube ist wieder frei.

Unser nächstes Ziel ist Newport. Wir halten die Augen offen, denn noch mal tauchen, muss nicht sein. Wie gehabt gibt es keinen Wind, also laufen wir unter Motor - direkt in die nächste Falle. Es ist nicht zu glauben. Krabben mögen zwar gut schmecken, gesund sind sie bestimmt auch, aber überall.
Irgendwo müssen wir ja schließlich auch noch fahren. Der nächste, für uns erreichbare Hafen ist Garibaldi. Ein hübsches Städtchen mit netten Fischern, die uns bei der Einfahrt zuwinken. Der Neoprener ist immer noch zu eng, aber wir haben Übung. Boot schief gezogen und mit dem Messer wild drauf losgesäbelt, es geht. Trotzdem sind wir langsam ratlos. Wie sollen wir die Küste hier jemals herabsegeln, wir können doch nicht in jedem Hafen einmal tauchen gehen, ein neues System muss her. Also gehen wir am besten in eine Fischerbar. Ein paar Erkundigungen können nicht schaden. Der Abend wird recht lang und der Heimweg irgendwie schwierig…

Ich kann mich aber am nächsten Tag daran erinnern, eine Krabbenfalle kostet so um die 150 $ und kommt höchstens bis zu einer Tiefe von 120 Metern vor. Gut, fahren wir eben weiter raus. Bis Newport ist es ein Stückchen, da kann ein kleiner Umweg nach draußen nicht schaden. Was wir dabei allerdings nicht bedacht haben, ist, irgendwann, spätestens vor der Hafeneinfahrt, muss man auch wieder an die Küste zurück. Wir denken uns, nachdem uns dies klar geworden ist, mitten in der Hafeneinfahrt wird ja wohl nun keiner fischen. Also halten wir uns strikt an die Bojen und schwups - Krabbenfalle die dritte. Nur - diesmal hat es uns schlimm erwischt. Wir bekommen das Seil nicht durch. Somit haben wir den Eisenkorb unter uns und schleppen ihn über den Boden mit. Das geht ja nun überhaupt nicht. Viel zu gefährlich.

Erst nach endlosem Hin und Her haben wir zumindest soweit Erfolg, dass wir den Korb verloren haben. Nur das Knäuel in der Schraube scheint größer als gewöhnlich. Es ist, als hält uns jemand fest. Rüttelnd und schüttelnd kommen wir trotzdem langsam aber sicher zum Hafen. Nun natürlich im Stockdunkeln… Was ich so von der Einfahrt erkennen kann, lässt mich Böses ahnen. Die Molen sind recht weit ins Meer gebaut und sollen die schlimmste Brandung abhalten. Wahrscheinlich funktioniert das auch, wenn man seit 20 Jahren hier Fischer ist, und jeden Tag dreimal rein und raus fährt. Wir jedenfalls schaffen mit Ach und Krach einen Knoten Geschwindigkeit, mit Lenken ist da nicht so viel. Ich lass mich also erst einmal langsam in Richtung Einfahrt treiben. Diese ist vielleicht 100 m breit, das sollte zu schaffen sein. Links ist ein Felsen, die Brandung bestimmt 10 m hoch. Rechts die Mole sieht auch nicht viel besser aus. Kathrin sitzt unten und versucht mir laut Karte den Weg zu weisen.

Allerdings hat das den entscheidenden Nachteil, dass eben die Wirklichkeit manchmal doch etwas anders aussieht als auf dem Plotter. Die Wellen krachen gewaltig von hinten und das erste Fischerboot hinter uns macht eine Notwende. An sich hätten wir Gas geben müssen, doch mit Seil in der Schraube? Kathrin dirigiert mich nach links, aber da ist doch der Felsen. So geht das nicht. Ruder rum und zurück. Der Motor jault und rüttelt, die PERITHIA gibt wirklich alles. Langsam, wirklich langsam kämpft sie sich über die Brecher zurück. Gerade noch einmal geschafft. So geht es jedenfalls nicht. Ich beobachte das nächste Fischerboot. Es nähert sich der rechten Mole, bleibt dort stehen um auf die nächste Welle zu warten. Dann ordentlich Schwung auf den Felsen zu. Kurz davor noch eine Kurve und das war`s.

Gut, Test der zweite: Ich lasse mich langsam in Richtung Mole schieben. Kathrin hat den Auftrag, im richtigen Augenblick das Wendesignal zu geben. Im Dunkeln eine recht aufregende Angelegenheit. Man kann beim besten Willen die Entfernung nicht einschätzen. Aber es klappt. Die richtige Welle kommt und schiebt uns genau in die Einfahrt. Wir sind durch. Später (bei der Ausfahrt im Tageslicht) habe ich allerdings gesehen, unser erster Versuch hätte beinahe am Felsen geendet, ca. 20 m sind nicht unbedingt ein Sicherheitsabstand.

"Nie wieder nachts mit einem nicht voll funktionstüchtigen Boot!" sagen wir uns. Nach der üblichen Tauchprozedur, die mittlerweile immer schneller geht, schauen wir uns die Stadt an. (für Insider, hier wurde die Serie OC Kalifornien gedreht). Lange wollen wir hier aber nicht bleiben, San Francisco ist unser Ziel. In einem Ruck schaffen wir das allerdings nicht. Ein Sturm ist angekündigt. Aber 2 Tage sollten noch gehen.

Wir segeln recht weit außerhalb, um nicht schon wieder einen Notstopp einlegen zu müssen. Der Wind frischt langsam auf und wir wundern uns. An sich sollte das erst in zwei Tagen passieren. So bis in die Nacht hinein geht es, doch dann entwickelt sich aus der frischen Brise ein recht ausgewachsener Sturm. Ein neuerlicher Check unserer Wettervorhersagen zeigt uns zwar keinen Wind aber eine 9 Bft ist eben doch eine 9! Es hilft nichts, drehen wir bei. Um nicht an Land getrieben zu werden, über Steuerbord.
So treibt es uns nur langsam aufs Meer. Auf diese Weise verlieren wir in der Nacht gerade einmal 10 nm. Der nächste Tag wird zum Glück etwas ruhiger. Da wir so schön weit draußen sind, können wir recht hart am Wind schräg auf die Küste zuhalten um Crescent City, unseren Schutzhafen anzulaufen. Diesmal segeln wir allerdings bis fast in den Hafen. Nur nicht den Motor starten! Bis heute ist mir unklar, aus welchen Gründen die Fischer ihre Krabbenfallen genau in die Hafeneinfahrten legen. Die Einfahrt ist, wie alle hier hervorragend...

Eng, steinig und der Schwell von hinten schiebt. Doch diesmal ist bei uns alles klar. So haben wir auch keine nennenswerten Probleme. Der Hafenmeister wartet schon und weist uns den Gästeliegeplatz zu. Hier erfahren wir auch den Grund für unseren unerwarteten Sturm, der im Übrigen mit satten durchschnittlichen 44 nm geblasen hat. Ein Erdbeben, ca. 400 nm nördlich von San Francisco, also direkt in unserer Nähe, könnte dafür der Auslöser gewesen sein. Gut, das konnte ja nun wirklich keiner unserer Wetterfrösche voraussagen. Auch so haben wir gut daran getan, diesen Hafen anzulaufen, um den angesagten Sturm abzuwarten. Sogar mitten im Hafen bläst eine 8 Bft. Wir benötigen alle Anlegeleinen, die wir haben, um nicht vom Steg geschoben zu werden.Von hier bis Fan Francisco sind es jetzt auch nur noch zwei bis drei Tage. Wir haben Glück, das Wetter spielt mit und so haben wir zwei wunderbar
ruhige Tage auf See. Wind von achtern, fast ein wenig zu lau. Doch wir haben ja Zeit.

Und siehe da, pünktlich zur Abenddämmerung kommt 14.633 nm nach unserer Abfahrt in Korfu am 2.Mai vergangenen Jahres die Golden Gate Bridge in Sicht.






04.03.2010 Kurzer Zwischenbericht zur Lage der PERITHIA in Mexico

Wir liegen in Ensenada, dem ersten ansteuerbaren Hafen in Mexico.
Angekommen sind wir, wie immer, mitten in der Nacht. Somit ist der erste freie Steg unser. Leider wohl auch der teuerste. 60 Doller Liegegebühren sind dann doch einwenig teuer. Sowieso sieht hier alles etwas anders als im ordentlichen Amerika aus. Keine Marina, nur viele verschiedene Stege. Und zu jedem gehört irgendwo jemand, mit dem es um den Preis zu feilschen gilt. Ich ziehe also los und rolle schon mal die Löckchen aus… Am Ende, nach zähen Verhandlungen, schacke Hands bei 15 Doller. Dafür ist der Steg zwar etwas wackelig, doch was soll uns das stören, Hauptsache er schwimmt. Und wir sind gespannt auf Mexico. Somit zieht es uns natürlich schon am ersten Abend in die Stadt. Mal sehen, wie das Leben hier so spielt. Bars an jeder Ecke und wir landen doch ausgerechnet in einem Puff.
Aber das Bier und der Tequilla schmecken und wir wissen jetzt, auf was man so achten sollte.

Zurück auf dem Boot fehlt Obermaat Tassi. Doch da er in letzter Zeit sowieso ziemlich landgangversessen ist, machen wir uns erst einmal keine all zu großen Sorgen, er wird schon wiederkommen. Nur, am nächsten Morgen ist er immer noch nicht zurück. Alles rufen, pfeifen und suchen bleiben erfolglos. Zum Glück gibt es Wachmänner. Tassi hat wohl unser Umparkmanöver verschlafen und ist somit nach seinem Landgang zum alten Steg zurückgelaufen. Dort musste er dann leider die Nacht auf einem fremden Boot verbringen. Dem Wächter fiel das auf und da sich die beiden schon kannten, konnten wir unser verlorengegangenes Mannschaftsmitglied wohlbehalten wieder an Bord begrüßen.

Überhaupt war die Nacht alles andere als ruhig. Ein ständiges Geschaukle und Gewackle. Ständig gungst uns irgendetwas an. Das bedeutet, bei jedem Schlag stehst du auf, guckst, welcher Kahn war das jetzt schon wieder, und ziehst die Taue straffer. Ich stell mir da den vorbildlichen Yachtbesitzer vor, er hätte wahrscheinlich graue Haare am nächsten Tag. Wir jedenfalls staunen nicht schlecht; am nächsten Morgen ist unser Nachbarbootssteg verschwunden. Nur noch Reste ragen aus dem Wasser. Der Tsunami hat doch tatsächlich seine Auswirkung bis zu uns geschickt. Ein Fischer erzählt, in der Nacht gab es Wasserstandsschwankungen bis zu 3 Meter. Das war dann wohl zuviel für den Steg.

Was man auch nicht vergessen sollte, das Einklarieren. Wir sind schon wieder einmal zu lange im Hafen und noch nicht bei den Behörden gewesen. Heute ist schon unser zweiter Tag in Mexico und somit sollten wir schnellstmöglich die Einklarierungsstelle aufsuchen. Also beißen wir in den sauren Apfel und stürzen uns in Paperwork. Die Beamten sind, kann man nicht anders sagen, wirklich nett. Doch Formulare en masse und alles in 5-facher Ausführung. Erst Stunden später haben wir unsere Stempel. Jetzt offiziell angekommen, können wir das Leben hier in Enzenada genießen. Und siehe da, eine kurze Eingewöhnungsphase und alles ist wunderbar.

Strandpromenade, kleine Läden und Freisitze. Jeder ist zu einem Schwätzchen bereit. Auch, was wir noch so für die PERITHIA brauchen, ist leicht zu organisieren. Bei einer neuerlichen Kontrolle z.B. hat unser Kabelgeist festgestellt, dringend benötigen wir ein neues Fall für den Blister. Hier kein Problem, irgendwo wird immer ein Boot zerlegt, und in Einzelteilen verkauft. Somit auch unser Fall. Doch auch wenn`s schön ist, wir müssen weiter.

An sich wollten wir von hier aus ja direkt in Richtung Südsee starten. Doch irgendwie hält es uns noch in Mexico; so richtig bereit zum Start für drei bis vier Wochen quer über den Pazifik sind wir noch nicht. Unser Stegvermieter, selber Segler, empfiehlt uns die Lagune de Negro. Dort soll es viele Wale geben und wunderschön sein. Fahren wir halt noch etwas an der Küste entlang. Mexico verspricht echt interessant zu werden. Dass wir das allerdings hätten lieber bleiben lassen sollen, wissen wir dann erst später.

Diese Tour soll sich doch tatsächlich zur gefährlichsten Situation unserer gesamten Reise entwickeln. Am Ende hätte sie uns beinahe das Boot und wahrscheinlich das Leben kosten können.
Doch zuerst einmal drei wundervolle Tage auf See. Der Wind kommt stetig von achtern, wir haben nichts zu tun, die PERITHIA segelt wie von selbst. Somit haben wir Zeit, um unseren, langsam Moos ansetzenden Blister wieder einmal aus der Versenkung zu holen. Wie gesagt, einfach wunderbar. Diese Art zu segeln, kennen wir ja nun schon seit langer Zeit nicht mehr. Die letzten Monate bedeuteten Wind für uns, meistens Sturm, Eis und Wellen. Somit genießen wir die Tage.

Doch wie sagt man? " Geht's dem Esel zu gut, geht er aufs Eis." Wir freuen uns so über das entspannte, ruhige segeln, dass wir vergessen den Blister im letzten Tageslicht einzuholen. Die Dunkelheit der Nacht legt sich recht schnell über uns.
An sich kein Problem, nur hat sich an der Mastspitze etwas verheddert. Das Ding lässt sich beim besten Willen nicht zusammen ziehen. Nun ist so ein Blister doch recht gewaltig. Mit der Hand ist da nicht so viel zu machen. Schlagen wir ihn zuerst also los. Damit ist der Wind schon mal draußen. Der Nachteil ist nur, die Leinen schlagen durch das Wasser und damit leider auch unter das Boot. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf...

Da am Bergungsschlauch immer noch nicht zu rütteln ist, entschließen wir uns, den Blister eben komplett herabzulassen. Bei Wind zu zweit eine nicht so einfache Angelegenheit, da ja einer im Cockpit die Winsch bedienen muss. Der andere muss nun versuchen, das komplette Segel irgendwie im Boot zu behalten. Wie gesagt, etwas Wind weht auch. Kurzum, am Ende liegt das meiste im Wasser und wir sind vollauf damit beschäftigt, das Tuch ins Boot zu hieven. Doch auch das ist irgendwann geschafft. Man sollte solche Manöver eben doch im Hellen erledigen. Nur was jetzt kommt, ist wirklich Pech. Bei der gesamten Angelegenheit hing ja ständig eine Leine im Wasser. Von der Sache her hat uns das ja keine Sorgen bereitet. Der Motor ist aus, wir treiben nur. Und doch, diesmal kein Krabbpott; wir haben uns selber geangelt!
Aber nicht so wild, wir brauchen die Maschine nicht (denken wir) wir wollen in eine Lagune, das geht auch unter Segeln. Dort ist dann halt wieder tauchen angesagt. Bin ich ja schon gewöhnt und es geht auch immer schneller von der Hand. Natürlich erreichen wir unsere Lagune wie üblich mitten in der Nacht. Somit drehen wir bei und driften so mit ca. 1 Kn vor der Küste entlang. Morgen ist auch noch ein Tag. Die Einfahrt hat es allerdings in sich. Ab ca. 5 nm vor der Küste befinden sich überall Sandbänke. Das heißt, wir sollten gewaltig acht geben, nicht aufzulaufen. Die Karte weist einen bojebesetzten Kanal aus, der als Fahrrinne allerdings nicht gerade breit ist.

Aber der Wind weht von achtern, somit wird das schon gehen. Oder eben auch nicht. An was wirklich keiner denkt und wir auch nicht wissen können, der Tsunami! Es rauscht hinter mir, ich drehe mich um und denke nur noch: "Na ach du Schreck!" Da Kommt eine Welle, besser ein Brecher angerollt - jeder Server hätte gejubelt. Machen kann ich nichts, viel zu schnell. Mein "Achtung!" nützt eigentlich auch nichts, Kathrin ist eh unten am Kartentisch. Ich kann nur sagen, zum Glück schließen wir bei solchen Angelegenheiten immer den Niedergang. Trotzdem, der Brecher schlägt mit aller Gewalt von achtern ins Boot. Der Niedergang ist zwar zu, doch die Luke oben auf ist offen. Binnen einer Sekunde steht das Wasser ca. 15 cm hoch im gesamten Boot. Ich habe mich irgendwie festgehalten und nun alle Hände voll zu tun, die PERITHIA gerade im Wind zu halten. Nur nicht querschlagen und ja nicht nach backbord abfallen. Auf der Steuerbordseite befindet sich unsere gesamte Elektrik.
Das heißt bei den Wassermassen im Boot jetzt ja keine Schlagseite nach rechts bekommen. Und der nächste Brecher lässt auch nicht lange auf sich warten. Solange er uns direkt von hinten erwischt, mag das alles noch gehen. Er saust dann übers Boot- ich derweil unter dem Tisch- und schiebt uns nun mit einem Affenzahn der Küste entgegen. Nur bei der kleinsten Abweichung zur Seite schiebt es uns mit Sicherheit quer und wir schlagen zu 100 % um. Doch es geht gut! Drei, vier mal der ganze Spaß, dann sind wir erst einmal durch. Die See wird etwas ruhiger, doch der nächste
Abschnitt vor uns ist schon auszumachen.

Dazu, wie gesagt sind überall Sandbänke. Ein Wunder, dass wir noch nicht aufgesessen sind. Also, um erst einmal einen Überblick zu bekommen, muss der Anker raus. Damit stehen wir denn auch mit dem Bug zu den Wellen. Nun ist schöpfen angesagt. Alle Pumpen laufen und man glaubt gar nicht, wie viel Wasser so durch den Eingang passen…


Jetzt die Frage: wie kommen wir hier wieder raus? Weiter Richtung Laguneneingang? Zu flach! Zurück aufs offene Meer? Der Wind weht direkt von vorn und es ist ebenso flach. Es gilt Untiefen von 1,50 m bis 0,30 m zu umsegeln. Auch 3 m reichen bei Wellenbergen von vielleicht 5 m nicht immer. Eigentlich bleibt nur ein May-Day. Ein Lotze, ein Schlepper oder wenigstens ein Rettungsboot in sicherer Entfernung würde schon helfen. Doch Funkstille! So gut scheint die Küstenwache hier nicht organisiert zu sein. Uns jedenfalls hört keiner. Aber irgendetwas sollte jetzt passieren! Der Anker hält nicht, und die nächsten Brecher nähern sich. Nach erneutem eingehendem Studium der Karten bleibt uns an sich nicht viel Spielraum. Doch besser versuchen, aus dem Schlamassel rauszukommen, als untätig auf die Wellen zu warten. Wie gesagt, dass dies hier nur die Auswirkungen der Tsunamiwellen sind, erfahren wir erst später.

Also Anker wieder hoch und los. Nun steuere mal einer bei absolutem Gegenwind solche Brecher aus. Der erste geht ja noch. Wir haben etwas Fahrt und es gelingt, ihn so halbwegs schräg zu nehmen. Doch jetzt beginnt das Elend. Kathrin ruft von unten die Richtung, ich versuche das mit der Windrichtung zu koordinieren. Keine Chance. Und die Wellen kommen. Um dem Boot wenigstens etwas Fahrt zu geben, muss ich doch recht schräg an den Wind und eben auch zu den Wellen. Es ist schon faszinierend, wie langsam, sozusagen in Zeitlupe sich am Ende alles abspielt. Der Brecher rollt heran, das Boot versucht in letzter Sekunde herumzuschwenken und ganz langsam dreht sich der Bug in die richtige Richtung. Nur- der Seegang ist zu hoch, zu schnell und wir viel zu langsam. Wir werden hochgehoben, schaffen den Berg nie und nimmer.
Und das bedeutet: es geht mit voller Fahrt zurück. Nur ja gerade bleiben! Kommen wir quer, schlagen wir um. Und dann schlägt das Wasser mit voller Wucht übers Boot. Man könnt auch sagen, wir waren für kurze Zeit ein U Boot. Zum Glück, durch die vielen Stürme im Vorfeld vorgewarnt, haben wir uns im Gegensatz zu so vielen anderen Seglern schon lange von sämtlichen Aufbauten an Deck getrennt. Somit büßen wir bei dieser Gelegenheit nur unsere Sprayhot und unsere gesamte Decksbeleuchtung ein. Allerdings, und das ist weitaus gefährlicher, zerschlägt die Welle die Deckluke der vorderen Koje. Das bedeutet, wir schöpfen und schöpfen im Vorschiff. Aber wir schwimmen noch!

Der Tiefenalarm piept und gibt unmissverständlich zu verstehen, es ist zu flach. Doch man muss auch einmal Glück haben. Genau in dem Moment, wo ich denke, jetzt sitzen wir auf, hebt uns eine gewaltige Welle an und schiebt uns über die Untiefe. Genauso schnell, wie alles angefangen hat, ist plötzlich alles wieder vorbei.
Wir waren, so könnte man sagen, eben genau im richtigen Moment am richtigen Ort. Trotzdem, von dieser Lagune lassen wir mal lieber die Finger. Wir werden eine sichere Bucht so ca. 60 NM Südlich ansteuern, um dort das Boot trocken zu bekommen und sämtliche Schäden zu sichten und zu reparieren. Bahia Tortugas scheint dafür geeignet zu sein, vielleicht gibt es eine Kirche und wir zünden eine Kerze an…



21.03.2010 Mexico - Entspannung nach dem Tsunami

Vor uns öffnet sich die weite malerische Bucht von Bahia Tortuga. Nach überstandener Tsunamiwelle und so ohne Motor ist das genau das, was wir brauchen. Langsam (fast kein Wind) segeln wir zu unserem Ankerplatz. Obwohl nicht alleine, ist Platz genug.

Die paar Yachten, die hier verstreut in der Nähe des Strandes ankern, lassen uns genug Platz. Natürlich wird unser langwieriges Ankermanöver genauestens beobachtet. Es ist halt gar nicht so einfach, nur unter Segeln bei fast Flaute so ungefähr an den richtigen Fleck zu steuern. Das dauert eben und ist auch nicht unbedingt alltäglich. Normalerweise könnte man für die letzten paar Meter ja den Antrieb benutzen. Somit dauert es auch nicht lange und wir bekommen schon mal den ersten Besuch. Segler sind halt neugierige Wesen. Auch die örtliche Tankbarge lässt nicht lange auf sich warten. Ernesto, der Tankwart muss unbedingt alle Vorzüge des Ortes erläutern. Nicht das wir was vergessen oder so. Die Bucht scheint bei Seglern die von Kanada oder den Staaten aus in Richtung Mexiko segeln, sehr beliebt zu sein. Es bietet sich geradezu an, hier einen Tank- oder Einkaufsstopp einzulegen. Das Dingi ist schnell klar und wir starten erst einmal zur ersten Besichtigungstour.

Am Strand unter ein paar Palmen (noch keine Kakteen) ist eine Bar. Mehr brauchen wir eigentlich nicht. Wir lassen es langsam angehen. Wieder zurück auf der PERITHIA, beschließe ich, zuerst einmal das elende Tau aus der Schraube zu operieren. Also, wie gewohnt, rein in den Neoprener und ab unter Wasser. Nur - diesmal wird es ein kurzer Tauchgang. Der Propeller ist weg. Wahrscheinlich waren ihm die ständigen Verwicklungen dann doch irgendwann zu viel.
Na, nützt nichts, werden wir eben in den sauren Apfel beißen müssen und uns einen neuen bestellen. Wir jedenfalls, lassen uns von solchen Kleinigkeiten nicht mehr aus der Ruhe bringen. Da es im Ort ein Internetcafe gibt, sollte die Bestellung an für sich kein allzu großes Problem darstellen. Nur, als wir ablegen wollen, dümpelt doch unser Dingi führerlos und langsam aber sicher von uns weg! Der einmillionste Knoten hat wohl nicht gehalten. Das ist vielleicht eine blöde Situation! Mit Hinterhersegeln ist ja nichts, so bei null Wind. Doch zum Glück gibt es ja ein Funkgerät und das Wassertaxi von Ernesto. Somit wird ein bisschen gelacht und alles ist wieder ok. Auch die Order unseres Props erweist sich dank unseres Freundes Wolfgang aus Seward als problemlos. Nur die Lieferadresse…
Irgendwo müssen wir das Paket ja hinschicken lassen. Und es spricht hier wirklich kein Mensch englisch.Nur mein Cousin Beegee, der kann spanisch. Also per Skype eine Verbindung aufgebaut, und über Deutschland translatet.Irgendwie geht am Ende alles. Es braucht halt nur etwas Zeit. Am Abend dann noch ein Bierchen in der Strandbar und wir sind an für sich ganz zufrieden. Alles hätte auch viel schlimmer ausgehen können.

Der nächste Tag beginnt und unser Dingi ist schon wieder weg. Klasse! Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die so was ein einem Tag gleich zweimal schaffen. Nur diesmal war es über Nacht recht windig. Was nichts Gutes ahnen lässt. Ernesto ist dann auch sofort zur Stelle und wir machen uns schon mal auf die Suche nach dem Ausreißer. Na ja, gefunden ist es schnell, doch in was für einem Zustand! Es war anscheinend doch etwas zu wellig. Den Rest hat dann die Brandung besorgt. Aber es ist alles da. Verstreut am Strand finden sich Paddel und sogar der verloren geglaubte Außenborder wieder an. Den Motor muss ich zwar aus dem Sand ausgraben, doch er ist noch da. Ich wuchte alles in das völlig voll Wasser stehende, aber noch schwimmfähige Schlauchboot und versuch mein Glück. Zurück zur PERITHIA habe ich zwar die Strömung gegen mich, doch irgendjemand wird mich schon auflesen.

Dachte ich jedenfalls. Und so paddle und paddle ich dem Wind entgegen. Ab und an stehe ich auf, um mit meinem
Paddel zu winken. Das ist ja überall auf der Welt das Zeichen von: "Ich benötige Hilfe!" Nur hier anscheinend nicht. Mich jedenfalls sieht keiner. Und so treibe ich langsam aber sicher in die Mitte der Lagune. Und die ist groß. Ich denke, wenigstens Kathrin müsste doch eigentlich mal nach mir schauen. Nichts… Die Erlösung kommt mit Jim. Er, als der am weitesten weg liegende Segler, hat mich dann schließlich doch erspäht.

Zurück an Bord, die Schäden gesichtet, gilt es zuerst einmal den Sand aus dem Außenborder zu schaufeln. Dann den ganzen Spaß mit Süßwasser gespült und ordentlich gereinigt. So richtig glaubt ja keiner an meinen Erfolg, doch ich werde das schon hinbekommen.

Und siehe da, ein halber Tag Arbeit und der Motor läuft fast besser als zuvor. Was auch gut so ist, denn jetzt können wir uns endlich wieder ohne fremde Hilfe an Land bewegen. Zwar hatten wir auch so keine Probleme, Jim oder Ernesto waren immer zur Stelle, doch auch unsere Wassertanks wollen gefüllt werden. Und das per Kanister.

So vergehen die Tage, eine Woche liegen wir nun schon hier. Mit jedem Tag wird es schwerer, diese Bucht wieder zu verlassen. Es ist aber auch angenehm hier. Alles läuft langsam und geruhsam ab. Die Menschen sind super freundlich und durch das ständige Kommen und Gehen der Segler wird es auch nie langweilig. Das hat wohl auch George gemerkt, ein 73 jähriger Amerikaner, der hier mit seiner Segeljacht für immer liegengeblieben ist.Doch was nützt es, langsam wird es Zeit für uns, die Segel zu setzen. Unser Propeller scheint auch unterwegs nach Cabo San Lucas zu sein, 400 nm sind es bis dorthin. Also los. Bei schönstem Wind geht es aus der Bucht hinaus in Richtung Süden.


29.03.2010 Letzter Bericht aus Mexico

Zeit für einen letzten kurzen Zwischenbericht aus Mexico. Es gibt doch wirklich nichts Entspannenderes als ein Segelboot ohne Motor.

Bläst der Wind, ist es gut. Bläst er nicht, ist es eben auch nicht schlecht. Dann wird halt gewartet. Nach dieser Devise geht es nun die Küste entlang. Erstes Ziel ist Bahia Asuncion. Das ist nicht so weit und wir wollen ja auch noch etwas von Mexico sehen.

Wie üblich, kommen wir abends im Dunkeln an. Doch das sind wir gewöhnt. Schnell ist der Anker draußen und das Dingi klar gemacht. Wir wollen doch mal sehen, ob es noch irgendwo ein Tortilla und vielleicht ein Bierchen zu kaufen gibt. Nur die Brandung hat es wieder einmal in sich. Mit gemischten Gefühlen sehen wir den letzten Wellen vor dem Strand entgegen. Baden gehen, sollte jetzt eigentlich nicht angesagt sein. Aber wir haben so unser System: warten auf eine vernünftige Welle und dann mit Volldampf auf ihr bis zum Sand! Das klappt immer. Nur ja nicht mitten drin von der nächsten überholt werden. Das geht dann nämlich schief.

Also, wir kommen trockenen Fußes an und wuchten erst einmal unser Schlauchboot an den Strand. Viel los scheint hier nicht zu sein. Es ist noch gar nicht so spät, und doch ist schon alles dunkel. Es sieht irgendwie verlassen aus. Aber Tortillas und Bier, das ist doch schnell gefunden. Sonst ist eher Totentanz. Wir schlendern also gemächlich den Strand entlang und siehe da, wir stolpern über einen Haufen Blei. Das gibt es ja nun wirklich nicht.

Im vorletzten Hafen habe ich doch unseren Bleigürtel zum Tauchen verloren. Er ist mir einfach über die Hüften gerutscht und konnte auch trotz sofort eingeleiteter intensivster Suchaktion nicht geborgen werden. Wahrscheinlich kommt irgendwann der Moment, wo man sich überlegen sollte, ob den Gürtel über oder unter den Bauch… Seither jedenfalls, war tauchen ohne Gürtel etwas kompliziert, Mit Neobrener ohne Blei, schwimmt man wie ein Korken auf dem Wasser. Versuche da mal einer, unter dem Boot eine Leine abzubekommen.

Egal, hier jedenfalls liegt doch tatsächlich ein Gürtel im Sand. Zwar nicht mehr der Jüngste, aber man könnte was draus machen. Glück gehabt. Unser Start durch die Brandung zur PERITHIA zurück, läuft dann ungefähr so ab, wie die Landung: auf eine Welle warten, genau im richtigen Augenblick schieben und durch. Wir haben ja noch Übung von Barrow. Nur dass das Wasser dort so um die Null und nicht wie hier so ca. 20 Grad hatte. Es klappt jedenfalls. Wir bleiben trocken.

Nächstes Ziel: Bahia MagdalenaWir hieven den Anker an und der Wind hört auf. So geht das nicht! Also - Anker wieder runter und warten. Doch schon nach ca. 2 Stunden kehrt der Wind langsam aber sicher wieder zurück und wir können los. Dieser Teil der Küste ist zum Segeln nahezu genial. Mit angrenzender hundertprozentiger Sicherheit weht der Wind aus Nord. Und so soll es auch bleiben. Somit kommen wir recht gut voran. Nur ab und an ein paar Stunden Flaute, doch das ist normal. Man kann die Uhr danach stellen. Spätestens 2 Sunden später frischt es wieder auf. Also kein Grund, irgendetwas an den Segeln zu ändern. Nur eben warten. So kommt man auch ans Ziel und die Laguna Magdalena kommt in Sicht. Die Einfahrt in die riesige Bucht von ist somit schnell genommen. Blöd nur, das winzige Fischerdorf Dorf, welches wir ansteuern wollen, liegt ungefähr 7 nm nördlich. Und damit leider genau in der Windrichtung. Kreuzen ist angesagt.

Da unsere PERITHIA nun mal kein Rasingboot ist und somit auch nicht unbedingt über die allerbesten Hart-am-Wind Eigenschaften verfügt; eine langwierige Angelegenheit. Im Zig-Zag und natürlich wieder einmal im Dunkeln arbeiten wir
uns also die Bucht aufwärts. Und auch diese ca. 20 nm gehen irgendwann vorbei. Heute Nacht sind wir hier das einzige Boot. Doch schon am nächsten Morgen bekommen wir Besuch. Eine amerikanische Yacht stoppt neben uns. Erstaunlich, dass sich noch jemand hierher verirrt. Wir sind doch schon etwas abseits von der normalen Seglerroute. Und auch unser Fischerdorf erweist sich als nicht unbedingt der übliche Touristenort. Ein paar Hütten, eine Kneipe und das war's auch schon.

Durch die komplett fehlende Vegetation, nur Sand und Steine, erscheint alles recht karg und lädt somit nicht wirklich zum Verweilen ein. Doch wie meistens, die Menschen hier sind super freundlich und freuen sich über jeden Besuch. Nur zwei Boote auf einmal, das überfordert dann doch den Vorratskeller der Kantine recht schnell. Der Tequila jedenfalls reicht keine Stunde. Ich habe noch Glück, und bekomme das letzte Bier. Nun ist guter Rat teuer, was tun? Doch die Amerikaner, unterwegs mit einer riesigen Raisingyacht scheinen recht gut ausgerüstet. Schnell ist Nachschub vom Boot geholt und es wird noch ein recht lustiger Nachmittag.

Später soll es dann Lobster geben. Wir sind zum Dinner eingeladen. Doch im Augenblick versuchen wir erst einmal, zur PERITHIA zurückzukommen. So recht und schlecht gelingt uns das sogar; Kathrin geht nur einmal über Bord und ist recht schnell wieder ins Trockene gezogen. Nur das Lobsterdinner, das haben wir dann leider verschlafen…
Von hier bis zu unserem eigentlichen Ziel, Cabo San Lucas sind es jetzt nur noch so an die 150nm.
Also - einen Tag und eine Nacht. Hier wird übrigens das am höchsten dotierte Schwertfischangeln der Welt ausgetragen. Immerhin 2,5 Mio. $.

Das bedeutet, es muss ab und an auch einen Merlin geben. Grund genug also, sein Angelzeug in bester Ordnung zu halten. Beim harten Kampf auf Leben und Tot, Auge in Auge mit dem Feind, wenn nur noch der Sieg zählt, kommt es auf alles an. Kraft, Können, Intuition und Equigment, alles muss im richtigen Augenblick Hand in Hand greifen. Nicht der kleinste Fehler wird verziehen. Wenn jetzt die Technik versagt, das ist nicht so gut. Also ist es Zeit, die Angel einer genaueren Inspektion zu unterziehen. Ein bisschen Öl oder Fett hier und dort, kann an für sich nicht schaden. Der Merlin kann kommen. Doch zuerst kommen Touristen. Sämtliche, zurzeit verfügbaren Amerikaner scheinen hier in Cabo San Lukas Urlaub zu machen.
Eine Bucht, komplett anders. Tourismus pur. Wir parken recht nahe am Strand und damit leider genau vor einer Disco.

Und zu allem Überfluss direkt in der Einfahrschneise der vielen Jetskis. Ständig ist ein Gewusel, wir staunen, dass es keine Unfälle gibt. Kreutzfahrtschiffe geben sich den Ankerplatz sozusagen in die Hand. Hier ist anscheinend Mexikos Hauptferienort und sehr beliebt bei betuchten Amerikanern; nobel, nobel! Aber unser Propeller wartet schon und ist dank Tom, der uns fährt, schnell geholt. Der Anbau selber erweist sich allerdings als etwas langwierig, ist ansonsten aber auch kein wirkliches Problem. Sogar die Reparatur unseres Kühlschrankes, der nach dem Wassereinbruch, den die Tsunamiwelle so mit sich brachte, in Streik getreten war, gelingt wider Erwarten. Somit müssen wir uns hier nur noch komplett verproviantieren und sind an für sich startklar für den nächsten Abschnitt unserer Reise. Es geht quer über den Pazifik in die Südsee!



30.03. - 25.04.2010 Unsere Pazifiküberquerung
von Cabo San Lukas zu den Marquisesinseln

O Mann - ist das warm; und Flaute!

Doch zum Anfang: Wir sind in Cabo San Lukas und wollen los. Getreu unserem Motto, Pläne sind zum ändern da, überlegen wir, wollen wir denn wirklich nach Kiribati? Eigentlich zieht es uns mehr in Richtung Süden. Die Marquisesinseln wären auch nicht so übel. Tja, wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Also auf mit Kurs 210° in Richtung Äquator. Der Wind ist gut und wir machen ganz schön Meilen. Unser erstes Ziel, Clarion Island liegt so ca. 450 Meilen entfernt. Somit ungefähr 3 bis 4 Tage. Außer einer kurzen Flaute, bei der wir motoren, passiert da eigentlich nichts. Wir sind eingestimmt auf 4 lange Wochen, was sind da die paar Meilen. Ordentlich im "Zeitplan", wie könnte es auch anders sein, erreichen wir unser Ziel, na wann? Natürlich mitten in der Nacht!
Die Insel ist unbewohnt, hat aber auf der Südseite eine mexikanische Forschungsstation. Da wollen wir hin.

Laut Karte sollte dort eine kleine Ankerbucht, markiert von einem Leuchtfeuer, sein. Ist aber nicht. Wahrscheinlich kein Strom oder so. Wir jedenfalls tasten uns nach GPS und Radar langsam auf die Küste zu. Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Radar und Karte sagen nicht wirklich dasselbe. Das ist nicht gut. Mit Küsten und Brandungen kennen wir uns aus, keine Lust, plötzlich mitten in den Brechern zu stehen! Also schauen wir nach der Tiefe und lassen bei recht tiefen 30 Metern erst einmal den Anker fallen. Na ja, so wirklich gut ist die Stelle nicht. Das Ufer mit seinen Felsen ist vielleicht doch ein wenig nah. Nachts im Dunkeln schwer zu schätzen, aber wenn der Wind am Ende dreht, dann ist das nicht so schön und könnte auch daneben gehen.

Doch was ist das? Der Leuchtturm brennt! An sich unlogisch, dass die ihr Leuchtsignal manuell ein und ausschalten. Ich schaue noch einmal auf die Karte und siehe da, das AIS zeigt ein anderes Boot. Es wird uns gesehen und erst einmal sein vergessenes Ankerlicht eingeschalten haben. Gut so, damit haben wir eine Orientierung und können noch einmal umparken. Alles in bester Ordnung.

Der nächste Morgen beginnt, wir glauben es kaum, mit Walen. Wir stehen inmitten einer Bucht, die einer der Lieblingsplätze dieser Meeresriesen zu sein scheint. Um uns herum schnieft und prustet es, es ist die wahre Freude. Und fast schon gefährlich. Kathrin hätte beim Abwaschen hinten auf unserer Badeplattform das Geschirr eigentlich auch auf einem plötzlich auftauchenden Riesen abstellen können. So nahe kommen sie.

Wir machen das Dingi klar und starten erst einmal zu einem Antrittsbesuch bei unseren amerikanischen Nachbarn. Segler sind eben neugierig. Auch wollen wir die Gelegenheit nicht verpassen, unsere Wasserkanister noch einmal zu füllen. Lieber etwas mehr, als am Ende zu wenig. Die Brandung macht uns etwas Sorgen, aber das Wasser ist warm und wir haben außer unseren beiden Kanistern nichts was von Wert ist, dabei.Also Augen zu und durch. Es klappt.

Das mexikanische Empfangskomitee ist auch schon zur Stelle. Sie haben hier eine Entsalzungsanlage, somit ist Wasser kein Problem. Freundlich wie sie sind, fahren sie uns die vollen Kanister sogar wieder an den Strand zurück. Auch Ablegen alleine, das dürfen wir nicht. Zwei Mann in voller Montur schieben uns durch die Brandung. Sie sind zwar am Ende pudelnass, wir aber trocken. Wirklich nett!So - als nächstes packen wir erst einmal eine Flasche Tequilla ein und fahren zur MYSTIK. Randy und Jenny sind auf Törn die mexikanische Küste inklusive ihrer Inseln entlang.

Beide schnorcheln und wollen unbedingt mit den Walen schwimmen. Also für mich wäre das nichts, aber warum nicht. Randy scheint ein begnadeter Taucher zu sein. Er taucht doch tatsächlich die zwanzig Meter an unserer Ankerkette hinab und kommt mit Seeigeln als Beweis zurück.
Nicht schlecht. Ich komme keine drei Meter nach unten. Ein guter Moment, nach unserem Propeller zu schauen. Da wir in San Lucas mit der PERITHIA nicht aufs Trockendock kamen und zum Trockenfallen am Strand die Tide zu gering war, konnte ich ihn leider nur provisorisch montieren. Gemeinsam können wir jetzt noch einmal nachschauen und alles noch einmal anziehen. Später sollte aber dann doch noch ein Taucher oder ein Strand mit ordentlich Ebbe und Flut her. So lange muss es eben halten. Nur ja nicht rückwärts fahren. Der Tauchgang ist im Übrigen schnell geschafft, Randy muss nur ein Brett in der Schraube verkeilen und ich kann dann mit einer ellenlangen Verlängerung die Halteschraube festzerren. Es geht.
Danach ist erst einmal wieder Tequillazeit. Umgeben von Walen - es ist unglaublich; wunderbar!So vergeht der Tag und wenn es am schönsten ist, sollte man fahren. Das heißt, stürzen wir uns wieder in den Passatwind. Oder eben in die Flaute. Wir scheinen da besonderes Glück zu haben. Also ist motoren angesagt.

Zum Glück nicht allzu weit. Irgendwann haben wir auch unsere lang ersehnte Brise von achtern. Gleichmäßig und zuverlässig genauestens von hinten. Allerdings, irgendetwas ist hier anders. Die Wellen passen so absolut nicht zum Wind. Zu hoch. Nicht dass uns das stören würde, doch dem Segel passt es leider überhaupt nicht.
Flapp, Segel links, flapp Segel rechts, so geht das nicht. 2000 nm haben wir noch vor uns. Mit flapp - flapp kommen wir da nie an. Doch wie heißt es so schön? "Dem Deitschen Inschenör ist nichts zu schwör." Im Klartext bedeutet das, den Großbaum ganz nach außen gestellt, ein paar Umlenkrollen plus den Niederholer zweckentfremdet. So kann die Genua direkt nach außen gefiert werden - und wir haben ein Passatsegel. Ich habe mal nachgezählt, im Ganzen habe ich für diese Konstruktion sieben zusätzliche Leinen benötigt.

Und der Weg zum Bug gleicht leider auch einem Hindernispacour. Doch was soll`s, wir kommen voran. Wenigstens solange der viel gerühmte Passat noch weht. Was leider auch nicht der Fall zu sein scheint. Er flaut nämlich ab. Aber wir haben ja noch unseren Blister. Der will sogar noch bei dem leisesten Lüftchen. 5 Knoten sind eigentlich immer zu machen. So vergehen die Tage. Wir nutzen die Zeit, um endlich einmal unsere arme PERITHIA zu säubern.
Bitter nötig übrigens! Das gesamte Deck ist übersät mit kleinen Rostpickeln. Da hilft nur noch die Zahnbürste. Also arbeiten wir uns den lieben langen Tag auf den Knien übers Deck.Soviel zur erholsamen Pazifiküberquerung…. Das Elend kommt übrigens aus Cambridge Bay und von unseren russischen Freunden. Man sollte halt nie an einem verrosteten Metalldock festmachen, oder viele Zahnbürsten einstecken.Pünktlich zum Abend ziehen dann meistens Wolken auf. Um das Segeln auch ja nicht so langweilig zu gestalten, schieben sie gewaltige Böen vor sich her. Meistens verzetteln wir uns damit und stehen dann mit unserem Blister ziemlich verloren da. Was wir ihn während dieser Fahrt schon ins Wasser geschmissen haben, ist nicht normal.
Doch was will man machen. Unfreiwillige Tests haben ergeben, so ab 10 Knoten wird es ungemütlich mit dem Genaker. Wenn`s zu viel wird, wird die Yacht zu luvlastig und es ist ein nicht wirklich beruhigendes Gefühl, eine 180°- Wende zu fahren, bei der unten der Kiel stoppt und oben das riesige Segel gerne gerade auf weiter möchte. Sowieso ist das gesamte Reffsystem nicht unbedingt besonders genial durchdacht. Wir sind, glaube ich, nicht die einzigen, die damit Schwierigkeiten haben. Bei Flaute mag das alles gehen, aber was tun bei Wind?

Ich muss vor zum Bug um mir einen schnürsenkeldicken Fall zu angeln. Damit sollte ich dann versuchen, den Bergeschlauch über den Genaker zu ziehen. Zu meiner Entlastung und um den Wind herauszubekommen sollte Kathrin achtern das Segel losschlagen. Soweit so gut. Nur, umso mehr Wind, um so mehr Zug auf den Leinen. Kathrin bekommt sie dann schon gar nicht mehr klar. Und außerdem ist die gesamte Angelegenheit kreuzgefährlich. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn man sich in den Bergeleinen verheddert. Das Segel knallt auf und du hängst 5 Meter außer Bords im Wind. Somit Plan B: "Dem Deitschen Inschenör ist ……" Ein paar Blöcke und Rollen später und wir können unseren Genaker bequem vom Cockpit aus bergen. Doch auch die besten Konstruktionen helfen nicht gegen die Kalmen.

Dieses Jahr unheimlich ausgeprägt, stoppen sie uns schon 300 nm vor dem Äquator. Null Wind, null Wolken und null Regen. Eigentlich ist alles nur noch warm. Das Wasser hat mittlerweile angenehme 29 Grad und eignet sich somit nur bedingt zur Abkühlung. Leider scheitert meine geniale Idee, an Bord einen Springbrunnen zu installieren, an der Qualität unserer Baumarktgartenpumpe. Aber schön wär`s doch gewesen!So langsam aber sicher rückt nun auch der Äquator näher. Muss auch, wenn Poseidon noch etwas vom Tequilla abbekommen möchte, sollte er sich beeilen. Zur Abwechslung mal am Tag, im Hellen ist es dann auch so weit: 00° 129. 10.

Kein Spruchband mit "Herzlich willkommen!", keine Zollschranke, nur Wasser und nichts. Wir absolvieren das obligatorische Äquatorbad, stoßen mit Poseidon an und weiter geht's. Die Kalmen haben sich anscheinend recht weit nach Norden verlagert, wir jedenfalls haben pünktlich mit der Überquerung wieder Wind. Und den nicht zu knapp. Somit beginnt der langweilige Teil unserer Reise. Wir segeln recht hart am Wind, haben dadurch eine gewaltige Schräglage und müssen eigentlich nichts tun außer abwarten. Mit Putzen ist somit auch nichts mehr, das Wasser würde blank aus dem Eimer schwappen. Dafür hat Kathrin ihren Geschmack für Vampirbücher entdeckt. (oder sie hat keine anderen Bücher mehr…) 9 fette Wälzer lang reisen Andrje und Abu Dun, beides gute Vampire, mit bei uns auf der PERITHIA.

Abends dann, wenn sich die Sonne endlich verzogen hat, bauen wir unseren Laptops an Deck auf und genießen Freilichtkino unter einem gewaltigen Sternenhimmel. Das ist schon wunderbar. Die PERITHIA fährt völlig von allein, außer dem Wind im Segel und dem Rauschen der Wellen ist Stille. Und so geht's nun weiter bis nach Ua Huka.Ach so, einen Fisch hätten wir beinahe gefangen. Neben Vampiren hat Kathrin nun auch noch ihre Leidenschaft für das Angeln entdeckt. Und man will`s ja gar nicht glauben, plötzlich surrt die Rolle los.
Mit ihr leider unser bester Köderfisch incl. Stahlvorfach!Der Verdach liegt nahe, mindestens ein Hai oder gar größeres…




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