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Der Weg in den Norden - 11.06. - 02.07.2009 San Miguel (Azoren) - St. John's (Neufundland - Kanada

Logbuch ab '09 > Weltreise

Der Weg in den Norden

 

11.06. - 02.07.2009
San Miguel (Azoren) - St. John's (Neufundland - Kanada)

Unsere Crew ist geschrumpft. Bruni hat ihren Überlebenskampf trotz Zwangsernährung mit Traubenzuckerlösungen per Infusionen nach 3 Wochen endgültig verloren und wir haben sie auf den Azoren seemännisch bestattet. Ein trauriges Ereignis, aber leider unumkehrbar.Völlig entgegengesetzt entwickelt sich Tassi dafür zunehmend zum Seemann und springt entweder an Deck herum oder faulenzt und schläft.

Über`n großen Teich… Ich schicke es gleich voraus: unsere Überfahrt zum amerikanischen Kontinent ist recht geruhsam und ohne abenteuerliche Ereignisse verlaufen. Außer Wasser von oben und unten und irgendwie von überall, dicken Wolken, ab und zu Sonne und 3 Tage undurchdringlichem Nebel gab es keine schlimmen Wetterkapriolen. Sturm und Monsterwellen haben uns verschont, dafür gewöhnen wir uns so langsam an kalte Temperaturen: (Luft: 9° bis 13°; Wasser: 6° bis 10°C) Wärmer wird es nun in den nächsten 5 Monaten mit Sicherheit nicht mehr!Tja, stellt sich die Frage, was machen die eigentlich 14 Tage lang, nur umgeben von Wasser und Luft 24 Stunden in trauter Zweisamkeit?Erstaunlicherweise gab es den Moment der Langeweile überhaupt noch nicht. Dafür sind unsere Bordbibliothek und unser Bordfilmarchiv zu gut gefüllt. Außerdem sind wir fleißig beim Englischlernen, auch wenn sich das in unserem "hohen Alter" schwieriger als gedacht herausstellt. Die Vokabeln wollen einfach nicht so richtig hängenbleiben…!

Dem Zubereiten von leckeren Mahlzeiten (inklusive Brotbacken) widmen wir uns ganz besonders, denn unser Appetit ist enorm!
Und dann hatten wir ja auch noch Geburtstag! Apropos; DANKE FÜR EURE LIEBEN ? GLÜCKWÜNSCHE! Eigentlich sind wir es gewohnt, mit Familie, Freunden und Bekannten zu feiern und nicht allein zu Hause zu sitzen. Das ging ja nun diesmal nicht, aber es gab trotzdem eine Bootsparty. Wir haben jede Menge Luftballone aufgeblasen, gefragt: "wer soll alles dabei sein?" und jedem Ballon das typische Gesicht aufgemalt. Im und auf dem Boot verteilt, tanzten dann alle im Wellengang zu Bob Dylan`s näselnder Bluesmugge bis zum nächsten Tag. Ein Festmenü durfte natürlich auch nicht fehlen; statt Fisch gab`s Rinderrouladen mit Kartoffeln und Rotkraut und zum Dessert Vanillepudding mit Erdbeeren.

Während unserer gesamten Überfahrt gab es übrigens immer (nicht nur in Landnähe) Vögel in unserem Umkreis. Nun sind wir keine Ornithologen und können nicht sagen, was für welche, aber wir dachten daran, wo Vögel sind, muss es auch Fische geben. Weit gefehlt! Außer einmal: Wir schippern so vor uns hin und da sitzen ungefähr 40 - 50 Stück wie auf einem Teich in einem Radius von einer Meile beieinander. Und als wir dann in unmittelbarer Nähe vorbeifahren, leuchtet es sehr hell unterm Wasser.

Plötzlich taucht ein dunkler Körper, so lang wie unser Boot, neben uns wie in Zeitlupe auf und stößt eine große Wasserfontäne aus: ein Pottwal! Wir sind total begeistert und sehen in der Ferne in 2 Meilen rund um uns herum Wasserfontänen. Es muss eine große Walherde sein. Wir rühren uns nicht von der Stelle, auch nicht um den Fotoapparat zu holen, denn sonst könnten wir ja irgendetwas verpassen! Diese Begegnung zeigt uns sehr deutlich, wie klein wir doch sind und wer eigentlich hierher auf den weiten Ozean gehört.

Ansonsten haben wir sooft Begleitung von Delfinen, dass wir schon nur noch nach ihnen schauen, wenn es mehr als fünf sind. Einmal war sogar ein Delfinbaby dabei! Es ist immer wieder faszinierend; sie schwimmen voraus, um wieder umzukehren, unter dem Boot durchzutauchen und andersseitig zurück. Dabei drehen sie sich und springen aus dem Wasser, als wenn sie an diesem Spiel genau soviel Spaß hätten wie wir. Man kann gar nicht anders-unweigerlich steht man mit einem breiten Grinsen im Gesicht da und freut sich, diesen tollen Tieren in ihrem freien, natürlichen Lebensumfeld zu begegnen.

Endlich - nach zwei Wochen - Land in Sicht: Neufundland!

Wir entscheiden uns für den Haupthafen St. John`s. Er liegt in einer großen Bucht und somit gut geschützt und wir sind die einzigen Segler.<br />Es gibt zwei kleine Schwimmstege, was uns das Anlegen sehr erleichtert. Hier hat es ungefähr 1,5 m Ebbe und Flut. Das sollte man bei der Bemessung der Festmachleinen nicht vergessen. Kaum festgemacht freuen wir uns, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und gehen erst mahl frühstücken.
Dabei beschleicht uns dann allerdings das schlechte Gewissen. Vielleicht sollten wir doch erstmal beim Zoll vorbeischauen. Wir suchen und finden also die zuständige Behörde und unserer Einreise nach Kanada gestaltet sich als völlig problemlos.

Der Zoll will nur schnell das Boot inspizieren, aber was gibt es da schon zu sehen? Nur -Old Gun Stick- (unsere Flinte) muss in den Waffenschrank. Nach eingehender Begutachtung wird Kathrins Kleiderschrank diesmal für nicht so richtig einbruchsicher befunden und-Old Gun Stick- erhält ein Fahrradschloss als Sicherung und muss während unseres Aufenthaltes hier auf die Polizeiwache umziehen.

Nun liegen am -Platz der zwei Hunde-, so heißt unsere Anlegestelle und mittlerweile kommen noch zwei weitere Segler. Ein schöner alter amerikanischer Kutter und ein "Zwergenboot" (8m) aus Frankreich. Beide wollen, wie sie uns erzählen, auch nach Grönland. St. John`s ist eine typisch kanadische Stadt; bestehend aus einer Mainstreet und einem Haufen Holzhäusern.
Nur das eben alles sehr weitläufig ist. Einen Supermarkt finden wir deshalb auch nicht in unmittelbarer Nähe. Wir fragen nach und erfahren, alle Märkte sind -wie überall- außerhalb. Klar, in Kanada wird durch die Weitläufigkeit jeder Meter mit dem Auto zurückgelegt. Unser neuer Kanadischer Freund meint, zu Fuß ist es zu weit, er kommt in einer halben Stunde und fährt uns. Wieder zurück vom Shopping, bekommen wir Besuch von einem Kanadier, der irgendwie erfahren hatte, dass wir (wieder mal; aber diesmal ein nur kleines …)Segelproblem hätten. Nur leider würde der Segelmacher gleich schließen und morgen ist Kanadatag - d.h. Feiertag.

Von unserer Idee-Do it your self- ist er aber gar nicht angetan und beschließt, wir fahren sofort los um mal nachzufragen. Segelmäcke hat dann auch wirklich gleich Feierabend. Aber die zwei Nähte gehen auch noch. Einmal angefangen, lässt er sich allerdings durch nichts davon abbringen, wirklich alles zu kontrollieren und jede noch so kleine Naht nach zu nähen.
Uns fällt auf, dass wir eigentlich keinen dieser ersten 3 auf dem amerikanischen Kontinent kennengelernten Leute nach Hilfe gefragt haben. Anscheinend sind alle Kanadier hier sehr Kontaktfreudig. Ständig steht jemand bei uns am Boot und fragt nach woher, wohin und ob wir was brauchen und bietet seine Hilfe an. Obwohl wir so schnell wie möglich weiter fahren wollten, entscheiden wir uns für einen Tag länger hier, denn den Feiertag hier dürfen wir uns nicht entgehen lassen und gehen dann mal zur Party. Da es ganz schön kalt ist, mummeln wir uns an. Hier ist man aber irgendwie andere Temperaturen gewöhnt.

So stehe ich also mit Felljacke neben kurzärmeligen Mädels im Minirock. Countrymusic ist angesagt.
Und sogar hartgesottene Biker schwingen das Tanzbein.


Heute am dritten Tag müssen wir aber wirklich weiter. Kathrin muss noch kurz unters Boot tauchen. Wir schleppen doch schon seit dem Mittelmeer ein Stück Fischernetz am Ruder mit.Dass muss ab. Zum Glück passt unser Neoprener nur Kathrin… !<br />Dann noch tanken und die Wassertanks füllen und wir steuern als nächstes die Stadt Nain (für uns die nördlichste Stadt in Neufundland) an. Die ca. 600 nm sollten noch eisfrei sein!


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