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Der Weg in den Norden - 05/2009 Nordafrika - Tunesien und Algerien

Logbuch ab '09 > Weltreise

Der Weg in den Norden

 

05/2009
Nordafrika - Tunesien und Algerien


Eine aufregende Berichterstattung unseres Abstechers nach Nordafrika -Tunesien und Algerien verfasst von Peti.

10.05.2009

Von Pantelleria, der letzten kleinen italienischen Insel bis Tunis sind es ungefähr 130 nm.Das heißt, wenn wir rechtzeitig starten, kommen wir noch im Hellen in Tunesien an.Also um 4.00 Uhr morgens geht's los. Kaum zu glauben, aber es kommt sogar ein bisschen Wind auf.
Wind von achtern heißt: Blister! Und das bedeutet ein ganz schönes Stück Arbeit! Also wuchten wir den Segelsack nach vorn und hoch das Ding. Natürlich falsch rum. (grün ist außen). Blister wieder runter, umdrehen und noch mal hoch. Endlich sitzt dieses Riesenteil am richtigen Fleck. Wir sausen dahin und es kommt natürlich wie es kommen muss: "Ich glaube der Wind frischt auf!" Einen Blister unter Wind zu bergen ist alles andere als eine angenehme Sache.

Der Bug ist nicht so breit, es wackelt wie Sau und ich versuche ca.70m² Segeltuch trocken ins Boot zu bekommen.
Jedenfalls gelingt es rechtzeitig. Im Laufe der nächsten Stunden frischt der Wind immer mehr auf.
Das bedeutet, unsere Segel werden immer kleiner. Bei Windstärke 8 bf. könnte man eigentlich auch die Segel von der "Günstsch" (das ist unsere kleine Jolle zu Hause) nehmen.

Tunis nähernd gibt es dann eine betonnte Fahrrinne, die es zu treffen gilt.
Die Bucht vor Tunis ist sehr flach, ca. 7 m tief. Dem entsprechend hoch sind auch die Wellen.Wir versuchen jedenfalls die Tonnen zu umfahren und steuern den einzigen ausgewiesenen Yachthafen an. Es ist ein kleiner Hafen und wir sehen nur einen Platz, der noch frei ist. Leider hinter einem Armeeboot. Egal - Fender raus und ran.

Es muss aber einen Wachhabenden geben, jedenfalls steht plötzlich die halbe Tunesische Marine am Kai und wehrt sich vehement gegen unser Anlegemanöver. Einer Invasion gleichkommend ignorieren wir ihre Abwehrversuche und Matrose Eisermann ist plötzlich verschwunden. Zum Glück hat der Gegner das Genfer Abkommen unterschrieben… und fischt den verlorengegangenen Matrosen wieder auf und stellt ihn recht nass an der Mole ab.

Nach endlosen, zähen Verhandlungen bekommen wir dann einen anderen Platz empfohlen. Dieser erweist sich zwar als genauso in der Sperrzone, aber es wird ein deutschsprechender Verhandlungsführer hinzugezogen. Ich erkläre ihm, dass ein Auslaufen bei diesem Wind nicht möglich ist. Er übersetzt und alles ist gut. Sofort haben wir helfende Hände beim vertäuen, es wird Strom gelegt und alles ist in bester Ordnung.

Nur noch das Einklarieren mitten in der Nacht. Ein Auto kommt und wir sollen doch bitte mitkommen. OK!Ein Auto kommt unDie Fahrt geht zum nahegelegenen Fährhafen. Dort schnell einen Stempel und zurück.Am Boot warten schon zwei nette Herren vom Zoll und möchten gerne an Bord.
Die üblichen Fragen: "Haben sie Alkohol Zigaretten oder Waffen dabei?"
Matrose Eisi, jetzt wieder trocken, läuft zur Hochform auf, kredenzt Gebäck und Wein und alle sind zufrieden. Nur unterschreiben müssen wir noch. Dazu gehört natürlich auch ein Stempel. "Sachlich geprüft und bestätigt" wird anerkannt und alle sind weg.
Abgesehen von den 3 Herren, die wohl einer anderen Behörde angehören und unbedingt noch unsere Pässe kopieren wollen. Am nächsten Morgen wird uns jetzt unmissverständlich erklärt, wir sollen doch lieber einen anderen Hafen anlaufen.
Also gut. 5nm weiter ist ein kleiner sehr schöner Yachthafen, wo sich sogar die Einklarierungsprozedur als recht einfach gestaltet. Ein lustiger Hafenpolizist und ein bei uns allen fiebermessender Gesundheitsinspektor und wir sind herzlich willkommen. Das Städtchen Sidi bou Said erweist sich als eine recht ansehnliche Ansammlung von Souvenirständen und ist wirklich einen Spaziergang wert.
Jetzt im Hafen liegend haben wir auch Zeit, dass unerklärliche Leck in unserem vorderen Wassertank aufzuspüren.
Wasser rein - auftitschen - Wasser rein - wechseln sich ab und wir kommen natürlich nicht weiter.
Das Loch muss vorerst bleiben.

11.05.2009

Wir checken aus und los geht's in Richtung Algier. Der Wind steht günstig, das heißt: wieder Blister und Groß.
Eigentlich könnte man ja auch mal ein schönes Foto für unseren großzügigen Sponsor ISY schießen.Immerhin sind wir ja mit seinen Seekarten unterwegs. Und das sehr gut!
Eisi macht also das Beiboot klar, wir hieven es an und lassen es zu Wasser. Kathrin staffiert sich mit Windbreaker (CleanDevil) und Rettungsweste aus, Walky Talky noch klargemacht und los geht's.
Oder auch nicht. Unser fast neuer, aus der Werkstatt kommender Motor hat kein Kühlwasser.
Wie auch, wenn der Impeller kaputt ist.

Aber egal, wir verschieben die Reparatur auf später und lassen Kathrin im Beiboot zurück um eben auf sie zuzusegeln.
10 min. später ist sie weg. Man will gar nicht glauben, wie schnell so ein kleines Boot außer Sicht ist.
Dazu wickelt sich der blöde Blister auch noch um den Vorstag. Also fahren wir Kreise um das Ding wieder zu entwirren. Danach suchen wir Kathrin. Zum Foto unter vollen Segeln ist es jedenfalls nicht gekommen.
Stunden später, ich sitze unten und schreibe am Logbuch, plötzlich ein lautes Schaben und dann ein Knall.

Ich hoch und Motor aus - ist alles eins. Was ist passiert? Da hat doch irgendein Fischer sein Netz ausrangiert und wir müssen natürlich genau mitten reinfahren.Abgeschnitten ist es ja schnell. Nur - schleppen wir den Rest unterm Boot mit. Irgendjemand muss im nächsten Hafen wohl tauchen gehen. Dazu schlägt das Wetter jetzt um. Der Wind kommt natürlich von vorne und so soll es die ganze Nacht und den nächsten Tag bleiben. Dummerweise nimmt er auch noch zu und mit ihm auch die Wellen.
Eisi und ich diskutieren darüber, ob sie nun 3 oder 4 Meter hoch sind.Jedenfalls geht uns langsam der Diesel aus und wir beschließen, den nächsten Hafen zum tanken anzulaufen. Wollen doch mal sehen, wie es in einem algerischen Hafen so zugeht. Leider haben wir nicht bedacht, dass Donnerstag ist. Und das bedeutet hier Wochenende und nichts geht.

Also fahren wir dann doch noch eine Nacht durch um in Algier zu tanken. Hier begrüßt uns als erster ein netter Hafenpolizist, und vermisst unsere algerische Flagge. Er ist aber zu beruhigen, wir wollen ja schnellstmöglich eine kaufen. Jetzt folgen ganze Heerscharen von Inspekteuren und Kontrolleuren. Es wird fleißig geschrieben und kopiert. Noch schnell eine Plombe an unseren Waffenschrank, dass heißt Kathrins Kleiderschrank ist jetzt blockiert. Natürlich kommt auch unser Stempel ("sachlich geprüft und bestätigt") reichlich zum Einsatz. Irgendwann sind alle zufrieden, gehen wieder von Bord aber wir sitzen fest. Denn einen Einreisestempel bekommen wir nicht, heute ist Freitag. Das heißt immer noch Wochenende - und kein Diesel. Dafür wird uns eine Wache zur Seite gestellt, es soll uns ja nichts passieren…! Weil wir nicht vom Boot dürfen, übernimmt die Hafenbehörde sogar unsere Einkaufsliste, so dass wir immerhin auf Staatskosten Tomaten und Brot geliefert bekommen. Nur eben keinen Diesel!

16.05.2009

Neuer Tag - neues Glück:Nach mehreren Anrufen erscheint unser eigens bestellter Agent um zu fragen was wir eigentlich wollen. Wortreiche Erklärungen später ist dann wieder mal alles klar, wir sollen nur warten. Was wir ja gewöhnt sind. Mittlerweile scheint auch anderen Booten aufgefallen zu sein, dass wir schon recht lange auf dem "Abstellgleis" liegen. Der Kapitän vom Nachbarboot lässt zwei seiner Leute Schläuche verlegen und spendiert uns Frischwasser und ein unbekannter Holländischer Kapitän namens "Babbelo" oder so ähnlich lässt uns zwei Büchsen Kaffee und Fruchtsaft bringen.

Stunden später, wir können es kaum glauben, erscheint ein völlig neues Gesicht bei uns, möchte auch mal unsere Pässe sehen und erklärt uns, in drei Minuten seien wir frei! Jedenfalls wird Eisi langsam ungeduldig und plädiert für sofortiges Ablegen, da drei Minuten hier ja wohl heißen: drei Stunden - mindestens! Nur mit Mühe gelingt es mir, ihn zu überzeugen, dass es dann doch nicht so gut sei, die Perithia in Ermangelung von Wind zu rudern. Letztendlich kommt doch dann wirklich noch Agent Abdou und -welch Wunder-wir verlassen in seiner Begleitung den Hafen. Allerdings geht es nur in ein Büro mitten in der Stadt. Aber es gibt hier 4 Räume mit Computern und Internet, die wir während des Wartens nutzen können. Wir haben also inzwischen eine Sondergenehmigung, bekommen ein "Helferli" sowie einen Fahrer zur Seite gestellt und können einkaufen. (Dummerweise vergisst Eisi beim Gemüsekauf zu fragen wo der Liqueurshop ist)

Wir verabreden uns noch schnell für den Abend zu einer nächtlichen Sihgtseeingtour und starten den Versuch, nun endlich auch an Diesel zu kommen. Dazu funke ich zuerst den Kapitän of Port an und erkläre ihm mein Anliegen. Dummerweise spricht er nur französisch - aber egal. Wir fahren erst mal los und suchen die Tankstelle, was ihm wohl nicht so ganz gefällt. Recht schnell werden wir von einem Polizeischlauchboot geentert. Für Gegenmaßnahmen bleibt keine Zeit. Zum Glück gelingt es uns aber, darzulegen, dass wir nichts Böses im Schilde führen, sogar algerisches Geld haben und nur die Tanke suchen. Wider erwarten bekommen wir jetzt Begleitschutz zu einer wirklich allen internationalen Umweltbestimmungen entsprechenden…! Zapfsäule. (im Übrigen der billigste Diesel den ich jemals getankt habe; 0,11€ pro Liter!) Das bedeutet, wir füllen jeden Behälter, den wir finden können. Noch ein kurzer Funkspruch zum Hafenmeister und wir könnten morgen ablegen.

Inzwischen ist auch Abdou mit dem versprochenen Bier, das er durch die Kontrollen geschmuggelt hat, angekommen und wir gehen Kebab essen. Die nächtliche Sihgtseeingtour führt dann auch direkt in die nächste Bar- ich dachte gar nicht, dass es solche in Algerien gibt!Einige Drinks später lässt Abdou es sich nicht nehmen, uns zu sich nach Hause einzuladen, damit wir unbedingt echte algerische Küche, die seine Mama auf den Tisch bringt, kennenlernen. In Abdou`s "Kinderzimmer" darf geraucht werden und wir staunen, über Sortiment und Auswahl von alkoholischen Getränken für moslemische Verhältnisse. Eisi entdeckt seine Tanzkünste und wir veranstalten eine recht ausgelassene Party bis morgens um zwei. Ein prima Abschluss unseres Besuches in Algier- obwohl wir von der Stadt nicht viel gesehen haben. Alles in allem würde ich sagen, in Algerien braucht alles vieeel Zeit, 250 $ für einen persönlichen Agenten… aber ansonsten sind die Leute hier sehr nett.


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