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Beringsee - Aleuten - Alaska

Logbuch ab '09 > Weltreise

Beringsee - Aleuten - Alaska

 

05.10. - 19.10.2009 Von Russland wieder nach Amerika

Nur noch weg und in die Freiheit ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten…! Das ist unser, im Augenblick vordringlichstes Ziel. Wenn ich überlege, dass uns unser Dolmetscher aus Providenia schon vor fast zwei Wochen auf diesen Weg bringen wollte….

Jetzt sind es jedenfalls rund 280 nm bis nach St. Lawrence, einer amerikanischen Insel direkt unterhalb der Beringstrasse.
Irgendwie hat es den Anschein, als bewegen wir uns im Kreis. Anfang Oktober, und wir trödeln immer noch hier rum. Am nördlichsten Ende der Beringsee!

Auf St. Lawrence, unserem ersten Etappenziel sollte es auf der südlichen Seite ein kleines Eskimodorf geben. Dort werden wir tanken und Wetterinformationen einholen. Nur ein kurzer Segeltörn. Bei bestem Wetter und gutem Wind gar kein Problem, ruck zuck, zwei Tage später kommt auch schon Land in Sicht.

Endlich geschafft, ab jetzt dürfte die Fahrt einfacher werden und es sollte eigentlich keine Schwierigkeiten mehr geben, von Bord zu gehen um Internet oder nur die simpelsten Wetterdaten zu bekommen.

So denken wir. Nur entpuppt sich unser Eskimodorf allerdings als Camp, und die meisten Camps, wie auch dieses, sind im Winter natürlich unbewohnt. Klasse!
Wir kreuzen ein bisschen vor der Küste und wollen nicht glauben, was wir sehen. Wenn ich überlege, wir sollten von Providenia aus direkt hierher zum tanken fahren. Nicht auszudenken. Hier oben im Norden sind Diesel und Benzin zwei der wichtigsten Sachen überhaupt. Sie bedeuten heizen und vorwärtskommen, also Überleben. Aber zum Glück bewegen wir uns nie ohne restlos gefüllte Tanks aus einem Hafen, wir sind also gut versorgt. Nur fehlen uns eben die Wetterdaten. Nach unseren letzten Erlebnissen kein schönes Gefühl. Mittlerweile haben wir höllischen Respekt vor der Beringsee. Wir wissen, wie schnell sich hier das Wetter ändern kann.Zwei Tage bis Nunivak, auf südlichem Kurs. Bangen Herzens, immer das Barometer im Auge, machen wir uns auf den Weg.

Doch diesmal scheint das Glück uns hold zu sein; bestes Wetter.Wir kommen ungeschoren davon. Langsam aber sicher nähern wir uns der Insel. Beim Ansteuern sollte man ein wenig Obacht geben, sie ist umgeben von einem Gürtel aus Sandbänken und allen möglichen Untiefen, was die Navigation nicht gerade erleichtert. Einen Hafen gibt es nicht, dafür aber eine große, lang gezogene Bucht. Und ein Schiff, das Erste seit langem, welches uns begegnet, liegt vor der Einfahrt.

Eine Ölbarge, die auf ihre Ladung wartet. Natürlich stoppen wir für ein kurzes Schwätzchen über die Reling, Das woher und wohin ist Pflicht in dieser gottverlassenen Gegend. Besser wäre es allerdings gewesen, wir hätten gleich bei ihnen festgemacht und dort geschlafen. Doch das konnte nun wirklich keiner wissen.


In der Bucht empfängt uns sodann ein Motorboot und bringt uns an den, für uns besten Ankerplatz.
Wir wollen doch bestimmt den großen angekündigten Sturm hier abwettern, so ihre Vermutung. Es gibt eine Sturmwarnung für die gesamte Region. Wir haben dies allerdings nicht mehr mitbekommen und beglückwünschen uns bestimmt einhundertmal am Tag dafür, noch rechtzeitig angekommen zu sein. Bei unserem Glück in letzter Zeit hätten wir eigentlich mitten rein fahren müssen.
Kaum ist der Anker unten, werden auch schon unsere leeren Dieselkanister von Bord geholt und zum Strand gefahren. Alles geht schneller, als wir eigentlich wollen und ehe wir uns versehen, sitzen wir erst im Auto und dann in der Stube unseres Begrüßungskomitees.

Wir freuen uns wirklich, endlich angekommen und vor allem sofort so herzlich aufgenommen zu sein. Das Dorf, eine mittelgroße Eskimosiedlung mit ca. 200 Menschen. Eben ein typisches Bild hier im Norden. Nett, aber hier wohnen möchte, glaube ich, keiner von uns. Doch es gibt einen Einkaufsladen, Tankstelle, Propanfüllstation und alles was man sonst so braucht.Wieder zurück an Bord finden wir Zeit, uns erst einmal mit unserem Liegeplatz zu beschäftigen.

Die Bucht ist überall viel zu flach für uns. Nur eine schmale Fahrrinne, in der wir liegen. Da es zu allem Überfluss auch noch ca. 3 Meter Tide gibt, heißt es; gewaltig aufpassen. Viel Platz nach unten bleibt da nicht, aber wir liegen sicher, wird uns auf meine Nachfrage in Bezug auf den kommenden Sturm immer wieder versichert. Und wir glauben es…!

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück steht nach, was weiß ich wie langer Zeit endlich mal wieder duschen auf dem Programm; es gibt, welch Luxus, eine Wäscherei mit Badehaus. Zwar haben wir auf der PERITHIA zwei warme Duschen, aber schon ewig nicht mehr die nötigen Wassermengen dazu. Die Wäscherei muss natürlich, warum auch nicht, genau am anderen Ende des Dorfes liegen. Es kommt wie es immer kommt, endlich dort angekommen, kennen wir wahrscheinlich jeden. Alle die wir treffen, fragen nach woher und wohin. Wir erzählen unsere Geschichte so oft, dass wir uns ernsthaft überlegen, gleich auf dem Marktplatz eine Rede zu halten. Der Weg zum Duschen wird somit länger als gedacht. Die Rettung bringt ein Truck, der kommt, um uns zu fahren.

Anscheinend haben die Leute hier keine Waschmaschinen, die Wäscherei ist also gut frequentiert, oder rammelvoll. Die Frauen sitzen mit einer Engelsgeduld zwischen ihren Wäschebergen, es ist fast wie in alten Zeiten donnerstags am Waschtag. Die neuesten Neuigkeiten gibt es im Waschsalon.

Derweil frischt draußen der Wind auf, es könnte der Sturm im Anmarsch sein. Um das ewige Warten auf entweder eine freie Waschmaschine oder einen freien Trockner etwas abzukürzen, nutzen wir die Zeit für eine ausführlichere Ortsbesichtigung und für Besuche bei neuen Bekannten.

Außerdem genießen wir es, uns endlich einmal wieder so richtig zu bewegen. Zu tun ist auch genug und wir sind neugierig. Wir merken schnell, es gibt hier wirklich freundliche Leute.Mit meinen Wasserkanistern in der Hand, frage ich zum Beispiel einen älteren Eskimo nach dem Weg zum Wasserhahn. Sofort und ungefragt überläst er mir sein Quadt. Der Weg wäre sonst zu weit. Eine liebe Bekanntschaft, wir werden später noch so einiges mit ihm erleben.
Es wird langsam Abend, unser Waschtag geht zu Ende, wir müssen zurück. Wir sollten unbedingt noch einen zweiten Anker ausbringen. Im Regen und Halbdunkel marschieren wir, beladen mit unseren Wäschebeuteln, zum Strand. Unser Dingi hatten wir an einem anderen, auf dem Sand liegendem Boot, festgebunden. Clever wie wir sind, bei Ebbe, jetzt ist Flut…

Der Kahn schwimmt nun für uns unerreichbar im Wasser - Mit ihm unser Dingi… Wenn man aber auch nicht an alles denkt! Also suche ich ein Stück Seil, binde einen Stein daran und übe mich im Angeln. Das klappt dann sogar, nur fallen in der Zwischenzeit unsere Wäschesäcke ins Wasser. Die Trockner hätten wir uns sparen können.
Schnell zurück zur PERITHIA, im Regen ist es langsam saukalt und unser zweiter Anker muss noch raus. Aber bald ist alles geschafft, die Heizung ist an und es wird gemütlich.Nur eins stört, die Ebbe setzt ein und es baut sich wie immer eine ziemliche Strömung auf. Das ist an sich nichts Neues, nur, liegen wir falsch rum, das heißt entgegen der Flussrichtung im Wasser. Lange Zeit schieben wir es auf den Wind, aber irgendetwas stimmt hier nicht. Anscheinend haben wir uns gedreht und dabei hat sich die Leine unseres Reserveankers unter dem Boot vertüdelt. Na gut, liegen wir eben andersrum und schauen morgen nach dem Rechten. So der Plan.

In Wirklichkeit kommt ja der angekündigte Sturm. Langsam aber sicher weht es stärker und stärker. Also nichts mit schlafen, Nachwache ist angesagt. Ich versuche, durch das Verkürzen unserer Ankerkette wenigstens etwas unsere Richtung zu korrigieren. Zuviel geht aber auch nicht, die Kette sollte schon noch lang genug bleiben. Irgendwann in der Nacht dann der Moment, wo wir dringend die Bucht verlassen sollten.
Es ist viel zu flach, die Wellen zu hoch und direkt hinter uns Felsen. Nur wie, wir hängen an der verhedderten Leine und die bekomme im Stockdunkeln mal einer ab! Früh um drei wird die Sache dann langsam dramatisch. Der Wind peitscht das Wasser mit solcher Macht gegen uns, lange können wir uns hier nicht mehr halten. Ganz so sicher, wie gesagt, war der Platz dann wohl doch nicht. Unsere letzte und einzige Chance ist die Barge, sie könnte uns aus der Bucht schleppen. So um vier Uhr morgens bleibt dann wirklich nichts mehr anderes zu tun, ich setze den Notruf ab und bitte sie um Hilfe.

Zu unserem Glück gibt es eine Nachtwache, welche auch sofort reagiert und ihren Kapitän weckt. Dieser versteht unsere Lage und seine einzige Frage ist, wie viel Zeit uns noch bleibt.„Keine“, antworte ich „bitte komme so schell wie möglich!“ „OK wir sind auf dem Weg“, ist die knappe Antwort. Des öfteren haben wir jetzt schon erfahren, es braucht nicht vieler Worte, um auf See zu helfen. In der Zwischenzeit wird die Lage bei uns immer gefährlicher.
Hält nur einer unserer beiden Anker nicht, sitzen wir auf den Felsen hinter uns fest. Der Moment, das Schiff noch zum richtigen Zeitpunkt zu verlassen, rückt immer näher und Hilfe ist noch lange nicht in Sicht. Schweren Herzens gebe ich den Befehl – Klarmachen zum Verlassen des Schiffes! - Interessanterweise läuft bei uns in Notsituationen alles recht geordnet und geregelt. Kathrin schlüpft in ihren Überlebensanzug und holt die Schwimmwesten. Tassi bekommt seine Kiste inklusive Schwimmweste gepackt, sowie alles Notwendige an Geld, Karten, Pässen usw. wird zurechtgelegt.

Inzwischen kommt auch die Barge näher. Es ist schon ein gespenstiges Bild, sie kommt in voller Fahrt in die Bucht gefahren, sämtliche Scheinwerfer eingeschaltet. Um sie herum ist es taghell und man sieht die Gischt der Wellen wie in Momentaufnahmen über das Deck peitschen. Ich ziehe schon mal den Neoprenanzug über, denn irgendwie müssen wir noch versuchen, den zweiten Anker loszuwerden.
Langsam versucht der Schlepper uns rückwärts zu erreichen. Da der Wind von Minute zu Minute weiter zunimmt, wird bei jedem misslungenen Versuch die Lage kritischer für uns. Ich stehe am Bug, fest am Vorstag vertäut und versuche unsere Leine überzuwerfen. Beim dritten oder vierten Versuch haben wir Glück. Ich binde uns fest währenddessen. Kathrin versucht über Funk das Problem mit den Ankern zu erklären. Langsam zieht der Schlepper an und es gelingt, wenigstens den Hauptanker zu bergen. Jetzt liegt es an mir.

Im Neopren an ein Seil gebunden, lasse ich mich ins Wasser und versuche, unter dem Schiff das Ankertau zu erreichen. Es ist absolut nichts zu sehen und die Wellen schieben das Boot hin und her. Die Gefahr, von zehn Tonnen einfach erschlagen zu werden, ist riesengroß. Es ist sinnlos, nicht zu machen!
Mit einem lauten Knall löst sich nun auch noch die Schleppleine. Eine plötzliche, nicht unbedingt kleine Welle hat uns erfasst, hebt uns an und setzt uns ca. 100 Meter später auf flachem Grund wieder ab.

Wir liegen jetzt mit mindestens 45° Schräglage, die Wellen gehen über das Deck und zu allem Unglück fängt es auch noch an zu hageln. Einem Ungetüm gleich kommt der hell beleuchtete Schlepper mit Höchstgeschwindigkeit hinterher und versucht erneut, uns zu erreichen. Hoffnungslos, die Ebbe ist zu weit fortgeschritten, er schafft es nicht. Am Funk entschuldigt er sich und muss, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, die Bucht schleunigst verlassen. Mir bleibt nur, mich zu bedanken. Danach schließen wir alle Luken und gehen unter Deck. Auf unserer Sandbank sitzen wir bombenfest. Keine Welle rüttelt auch nur an uns. So warten wir eben auf den Morgen. Mittlerweile ist natürlich das halbe Dorf am Ufer versammelt, nur helfen können sie auch nicht. Die Stimmung an Bord hellt sich so langsam ein wenig auf, wir sind froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein, an und für sich ist ja nichts passiert. Nur, wie kommen wir hier wieder weg?

Schon beim ersten Tageslicht bekommen wir wieder Besuch. Ein Eskimo auf seinem Quadt will fragen, wie`s uns denn so geht. Es ist beinahe eine komische Situation. Ich krabble an Deck, laufen ist bei der Schräglage nicht möglich und steige von Bord zu ihm herunter.
So stehe ich plötzlich in voller Montur, Überlebensanzug plus Schwimmweste im knöcheltiefen Wasser. Ich habe doch glatt die Ebbe vergessen. Das Meer hat uns freigegeben. Wir liegen auf feinstem Sand, vielleicht 50 Meter von den Felsen entfernt, am Ufer.

Henry, so heißt unser erster Besucher, erklärt mir, an dieser Stelle müsste die Flut ungefähr 2 Meter steigen. Das bedeutet, wir kommen frei. Mit zunehmendem Tageslicht kehrt so langsam auch wieder Zuversicht und Leben in die Crew. Die störende Ankerleine ist rasch entfernt, der Anker schnell geborgen. Da nach eingehender Untersuchung keinerlei Schäden festzustellen sind, sieht die Welt mit einem Schlag wieder besser aus.

Trotz allem bleibt einiges zu tun. Das Wasser bekommen wir, so schräg wie wir liegen, nicht aus dem Boot. Aber klar Schiff machen ist angesagt. Anker müssen ausgelegt werden, denn irgendwann kommt auch die Flut zurück.
Bei unseren Dorfbewohnern trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen, die Jungen kommen zum schauen, die Alten packen mit an. Wer von denen nicht helfen kann, bringt eben Kaffee und Biskuit vorbei.


Gegen Mittag kommt die Flut zurück und unsere Helfer müssen uns verlassen. Langsam spannen sich unsere ausgelegten Seile und halten uns an Ort und Stelle. Leider sollen sich aber genau die Leinen später als unser größter Fehler erweisen. Die Stunden vergehen und langsam aber sicher richten wir uns wieder auf. Durch den Sturm, der die ganze Zeit über weht in der Bucht, mit 8 Bft und den dazugehörigen Wellen, stecken wir Schläge ein - es ist nicht zu beschreiben! Jeder Hieb, den die arme PERITHIA einstecken muss, trifft auch uns. Unsere größte Sorge gilt dem Ruder.

Hier ein Schaden, wer will das reparieren? Doch wir haben auch spirituelle Unterstützung. Ein Flötenspieler bezieht Stellung am Strand. Sein Spiel bringt uns wohl die letzten Zentimeter Wasser unter den Kiel. Fast aufrecht stehend, starte ich den Motor und versuche schon einmal, uns aus dem Sand zu schieben. Es klappt; zwei, drei Wellen später und wir sind frei. Überglücklich lassen wir uns in die Mitte der Fahrrinne treiben. Geschafft!!!

Denken wir. Als nächstes müssen die Anker ins Boot. Stellt sich nur die Frage, wie? Was wir bei aller Voraussicht nicht bedacht haben: Wie bekommt man mehrere Anker, die an verschiedenen Seilen hängen, bei Sturm gleichzeitig wieder ins Boot?
Um es vorweg zu nehmen; überhaupt nicht! Die Situation beginnt sich zu wiederholen. Wir drehen uns um unsere eigene Achse. Mit Motor kommen wir nicht gegen Wind und Strömung gleichzeitig an. Hinter uns nähern sich die Felsen und von vorn schießen die Wellen mit voller Wucht über das Deck. Langsam wird guter Rat teuer. Als letzte und sogleich schlechteste Möglichkeit bleibt nur noch, die Leinen zu kappen. Um sie später zu bergen, binden wir an jedes der zwei Taue einen Fender und ab über Bord damit.

Plötzlich - ein Hieb, dann Stille. Der Motor ist aus. Eines der beiden Taue haben wir wohl wieder in der Schraube. Die schwerste Entscheidung muss nun ich treffen. Lassen wir die Kette als letztes auch noch über Bord oder nicht?

Aber eigentlich habe ich keine Zeit zum Überlegen. Kurz vor den Felsen lassen wir sie rutschen. Und jetzt kommt die Kunst: Im, wohl schnellsten Segelmanöver der Welt, setze ich das Mainsegel zu einem Drittel und anschließend die Fock vielleicht zwei Meter und schieße in allerletzter Sekunde in einem engen Bogen knapp an den Felsen vorbei über die Untiefen hinweg der Ausfahrt entgegen. Zwei Wenden später, die Fahrrinne ist eng, sind wir draußen. Und das bei Windstärke 8 Bft gegen den Wind und die Strömung!

Dumm nur, ohne Anker und Motor. Vorerst in Sicherheit, stellt sich nun die Frage, wie zurück. Denn per Segel bei dem Wind können wir uns nun wirklich nicht sehr lange vor der Insel halten. Doch auch das gar kein Problem, Hilfe ist in Sicht. Zwei Boote der Eskimos, die ja unseren Schnellstart mitbekommen haben, sind schon auf dem Weg, uns zu holen. Erstaunlicherweise schleppen sie uns jetzt tiefer in die Bucht in völlig ruhiges Wasser. Den Platz muss es doch auch vor dem Sturm schon gegeben haben?! Sie denken an alles, also haben wir zwei neue Anker und liegen die Nacht über völlig ruhig. Nur, wenn fünf Eskimos gleichzeitig versuchen, einen Anker auszuwerfen, sollte man besser beiseite gehen…

Nächster Morgen:
Von der Bucht aus kann man ins Dorf schauen. Allerdings hat sich gestern bei der ganzen Dramatik leider unser Dingi überschlagen, wobei natürlich Luftpumpe und Paddel über Bord gegangen und auf Nimmerwiedersehen entschwunden sind. Vom unter Wasser gesetzten Motor wollen wir erst gar nicht reden. (Später gelingt es mir Widererwarten, ihn mit tatkräftiger Unterstützung eines Freundes, wieder in Gang zu setzten) Irgendwie sollte ich aber das Dorf erreichen. Es gilt eine Menge zu erledigen. Zum Glück steht der Wind günstig. Ein Brett als Ruder treibe ich alsbald gemächlich und in aller Ruhe dem anderen Ufer entgegen.

Von dort aus zum Dorf geht es durch Sumpf und Morast. Zu meinem Glück bleibt mir dieser Weg erspart. Irgendwo scheint hier immer jemand zu lauern, ein Quadt lädt mich auf und bringt mich ins Dorf.
Es gibt einiges zu organisieren. Da ja wieder ein halbes Tau in der Schraube hängt, heißt es: Trockenfallen zum zweiten. Aber diesmal organisiert und mit Plan. Außerdem gilt es, die Anker zu bergen. Von den drei ausgelegten Fendern ist nur noch einer zu sehen, die anderen zwei scheinen verschwunden. Wir benötigen dringend ein Boot.

So treffen wir auf Howard. Er kümmert sich in seinem Büro mit Leib und Seele um den Erhalt und die Förderung eskimoischer Kultur und Tradition, besonders für die Generation der Kinder. In seinem Boot ziehen wir im knietiefen Wasser also unsere Kreise, um irgendwo auf dem Grund, eines der Taue zu entdecken. Unmöglich, bleibt nur der dritte Fender. Wir ziehen und zerren, und staunen. Ein kleines Wunder ist geschehen. Da haben sich doch tatsächlich beide verloren geglaubten Leinen um unsere letzte Ankerkette gewickelt. Alles da, kein Verlust!

Nun zum Trockenfallen:
Howard schleppt uns abends zu unserem alten Platz und wir versuchen, bei zurückgehendem Wasser, ungefähr an der richtigen Stelle zu stehen. Durch die starke Strömung erweist sich genau dies, nur mit drei Ankern, die strategisch platziert, uns lenken sollen, allerdings als nahezu unmöglich.
Also; Anker wieder über Bord und Segel hoch. Das einfachste, was wir tun können; wir segeln langsam auf den Strand zu. Es knirscht und wir sitzen auf. Nun schnell noch ein Seil vom Mast aus zum Ufer gespannt -wir wollen doch richtig herum fallen- und warten.
Vier Stunden später liegen wir so, ohne die leiseste Erschütterung, wieder einmal recht schräg auf dem Sand. Das Seil ist nun schnell von der Schraube gelöst, doch hat es den Anschein, als haben wir diesmal doch einige Schäden davongetragen. Zumindest der Propeller gleicht einem mittelalterlichen Schwert nach der Schlacht. Das Getriebe, na ja, hoffen wir das Beste. Auf jeden Fall muss das Boot im nächsten Hafen aus dem Wasser.
Entspannt warten wir auf die Flut, halten dabei noch so manches Schwätzchen und sind zum Aufbruch bereit.

Es ist schon rührend, wer so alles kommt, um zu fragen, ob alles ok ist, oder ob wir noch Hilfe benötigen.
Viele Verabschiedungen später, dass Wasser ist wieder auf dem Höchststand, starte ich den Motor. Am neu ausgelegten Anker sind wir schnell zurück in die Fahrrinne gezogen. Allerdings erweist sich das Einholen der restlichen, ewig langen Leinen und Anker als eine Heiden-Arbeit; geht aber diesmal ohne nennenswerte Schwierigkeiten von der Hand. Endlich, und wie bei uns mittlerweile fast üblich, im zweiten Anlauf, laufen wir aus. Schnell noch über Funk ein paar Dankesworte an das Dorf, die neuesten Wetterdaten abgerufen und wir halten Kurs auf St. Paul.
Einen Tag und zwei Nächte, also nicht sehr weit, verspricht es, ein ausgesprochen erholsamer Törn zu werden. Das Wetter hält, was es verspricht, nichts los, bis St. Paul. Wir laufen in den ersten freien, wirklichen Hafen seit Cambridge Bay/ Canada ein und sind überglücklich, zur Abwechslung mal wieder an einer Mole festmachen zu können.

Vom Hafenmeister sehr freundlich empfangen, bekommen wir die Erlaubnis, über Nacht liegenzubleiben. Wahrscheinlich sind wir auch das einzige Segelboot, welches sich hierher verirrt, zumindest um diese Zeit.
Auch hier gibt es einige Überraschungen, wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mitten im Hafen befindet sich eine riesige Robbenkolonie. Die Kinderstube, hier sicher vor den Orcas draußen vor der Mole. Wir erfahren so, das St. Paul eine Naturschutzinsel ist. Alle möglichen Arten von Vögeln und Robben leben hier geschützt in Reservaten. Der Ort selber, überrascht uns mit Straßen, schicken Häusern, Supermarkt und Kneipe. Ein gewaltiger Unterschied zu dem kaum 200 nm entfernten Nunivak. Zwei völlig unterschiedliche Welten eben.

Doch auch hier wollen wir nicht lange bleiben. Ein Besuch vom örtlichen Mechaniker, er bringt die PERITHIA wenigstens provisorisch wieder zum Laufen, und das war´s auch schon. Bei strahlendem Sonnenschein und bestem Wetter steuern wir weiter in Richtung Dutch Habor.

Die Städte werden langsam wieder größer. Dutch Harbor ist in dieser Ecke der Welt einer
der größten Fischereihäfen der Aleuten. Eine ganze Flottille von Krabbenfischerbooten liegt hier vor Anker. Es scheint uns der beste Platz für die notwendig gewordenen Reparaturen zu sein.Der Hafenmeister wartet schon und wir bekommen einen Liegeplatz im smalboat Harbor. Wirklich angenehm, einmal wieder an einem richtigen Schwimmsteg zu liegen. Wasser, Strom - alles da. Nur bei dem Strom hapert es etwas, es sind 110 Volt. Und auch hier gibt es natürlich etwas Verwunderung, wir sind wohl etwas spät unterwegs... Als Segler hier um diese Zeit? Aber wir sind da und haben mal eben im Oktober die gesamte Beringsee durchsegelt, und das natürlich genau mittendurch!


20.10. - 09.11.2009 Dutch Harbor
Eine Verschnaufpause für uns und unsere PERITHIA

Seit langem wieder der erste großen Hafen. Man, sind wir froh, ohne weitere Probleme hier anzukommen. Im Hafen winkt schon der Hafenmeister. Ein Segelboot fällt anscheinend auf. Er erklärt uns den Weg zum Liegeplatz. "Macht mal bei Good Deal fest!"
Etwas irritiert überlegen wir: "Sollen wir jetzt etwas mit den Fischern aushandeln, oder was?" Ist aber nur ein Bootsname. Leinen klar und angelegt. Kaum ist alles verzurrt, scheint sich unsere Ankunft sowie unsere technischen Sorgen auch schon herumgesprochen zu haben.
Die Welt ist klein in Dutch Harbor. Unser Nachbar Mat, ein Segler, der im Hafen überwintern will, sowie ein Lette Namens Karl, der ebenso Segler ist, stehen am Boot und bieten ihre Hilfe an. Einen Kaffee später klopft der örtliche Mechaniker an die Tür. Ich glaube, um diese Zeit treffen nicht mehr all zu viele Segelboote ein. Schnell werfen wir die Leinen wieder los. Machen wir halt zur Anschauung eine Proberunde.
Sowieso ist Dutch Harbor hier der Dreh- und Angelpunkt. Kaum ein Boot auf der Nord-Süd Route legt hier nicht kurz an.

Wir staunen nicht schlecht, als wir erfahren, die FIONA ist erst vor 2 Wochen von hier gestartet. Da hätten wir sie ja fast noch wieder getroffen. Probefahrt beendet, sind wir jedenfalls der Meinung, wir sollten aus dem Wasser. Was sich allerdings als gar nicht so einfach herausstellt.
Alles hier ist auf große Fischerkähne ausgelegt. Mit 4.000 $ kein Problem, aber für unsere kleine PERITHIA? Wir werden sehen. Ich gehe schon mal ein paar Erkundigungen einziehen und die Lage peilen. Einen Kran finde ich dabei zwar nicht, aber eine Riesentüte Königskrabben bekomme ich als Ankommensgeschenk mit auf den Weg.
Dumm nur, dass die so schnell sattmachen. Die schmecken dermaßen gut, doch alle sind beim besten Willen nicht zu schaffen. Die Stadt selber ist dann doch nicht so groß, wie man es vermuten könnte. Alles ist auf den Fisch- und Krabbenfang fixiert.

Aber es gibt lustige Leute. Noch am ersten Abend, wir gehen uns den Hafen anschauen, fällt uns ein Boot auf. Alles
voll Pflanzen, ist ja doch etwas seltsam. Jedenfalls dauert es keine Minute, und wir können uns Jeff sein Hausboot von innen beschauen. Hier leben neben der Familie noch zwei Hunde, eine Katze sowie eine Menge Meerschweine. (einen alten Blues auf der Gitarre spielt er uns auch)
Und Adler gibt es. In allen Variationen und in solchen Mengen, man glaubt es kaum. Überall sitzen sie herum, ich würde sagen, wie bei uns die Tauben (nicht übertrieben)
Schlecht nur, sie scheinen mir recht schwer. Mein letzter, funktionierender Windmesser jedenfalls hat einen Landeanflug nicht überlebt. Sogar zahm werden sie. Charlie, ein älterer Einäugiger, sitzt jeden Tag pünktlich vor der einzigen Kneipe im Ort und wartet auf sein Mittagessen.

Unser erster Tag endet dann, wie seit Wochen sehnlichst erwartet, im Hotel. Nach Monaten im Boot endlich mal wieder ein Bett, dass nicht schaukelt und sogar eine richtige, etwas klein geratene Badewanne.
So vergehen die Tage. Dadurch, dass wir eines von sehr wenigen Segelbooten hier oben und das Letzte um diese Zeit noch dazu sind, sind die meisten sehr neugierig auf unsere Geschichte. Die Werkstatt kann uns zwar nicht helfen, kümmert sich aber ununterbrochen um unsere Bestellungen (alles muss geordert werden und kommt somit entweder vom Festland, oder von sonst wo her). In ihren Hallen bekommen wir sogar endlich einmal unsere Segel incl. Reservesegel trocken.
Nur aus dem Wasser kriegen wir die PERITHIA nicht. Doch zum Glück kennen wir ja Karl. Ihn haben wir am ersten Tag sowie auf einer der folgenden verschiedenen Dinnerpartys kennen gelernt. Er ist Taucher und bietet uns an, die PERITHIA von unten zu inspizieren und eventuelle Schäden zu reparieren. Klar sagen wir ja. Ich habe zwar so meine Bedenken, die Schraube habe ich schon in Griechenland auf dem Trockendock nicht einen Millimeter bewegt. Doch Karl scheint ein Künstler und unser extra aus Seattle georderter neuer Propeller wechselt sich beinahe wie von selbst. Eine eingehende Untersuchung ergibt, alles in bester Ordnung, nur das Ruder hat einen Riss.

In einem der nächsten Häfen werden wir ein Trockenfalldock aufsuchen. Etwas Spachtel sollte reichen. So vergehen die Tage mit Flicken, Schrubben, kleineren und größeren Reparaturen und Verbesserungen.
Zum Beispiel brauchte ich letztens einmal schnellstens eine Signalrakete: "Wo sind die verdammten Dinger denn nur?" Oder die Handlampe. Vom Feuerlöscher gar nicht zu reden. "wieso haben die keine Halterung da, wo man sie auch findet?" Sogar Old Ganstick ist im letzten Sturm durch seinen Schrank marschiert und hat ein Loch hinterlassen. Jetzt ist Zeit, für alles eine stabile Halterung zu bauen, so dass alles seinen festen Platz hat.

Es gibt einiges zu tun, wir haben Zeit und zum Glück einen Nachbarn, der Elektriker ist. Er bekommt sogar das Problem mit der ständig kochenden Batterie in den Griff. Auch uns selber vergessen wir nicht. Die letzten Wochen waren dann doch etwas anstrengend. Doch hier ist es schön. Das Wetter ist zwar wechselhaft, aber öfters Sonne und selten unter 5° C.

Wir genießen es und sogar Tassi hat einen Park direkt am Boot zum Spazierengehen gefunden. So vergehen die Tage mit lange schlafen, ein bisschen Arbeit und abends Party. Sitte ist übrigens, bei jedem Drink muss unbedingt ein Trinkspruch her. Das heißt, sollte der Abend lang sein, kann es schon passieren, dass sich der eine oder andere wiederholt. Doch eigentlich sollten wir langsam wieder weiter. Und wie das Leben so spielt, wir sind zur Abfahrt bereit - das Wetter ändert sich.
Es gibt eine Sturmwarnung. Dass man diese sehr ernst nehmen sollte, ist schon daran zu merken, es fährt kein einziger Fischer mehr aufs Meer. Also verknoten wir die PERITHIA mit allen Seilen, die wir haben und warten erst mal ab. Nachts schaukelt es, als würden wir segeln.

Doch wir sitzen bombenfest an unserem Nachbarn GOOD DEAL. `Nur`, überlege ich `hoffentlich er auch an seinem! ` (wir liegen im Dreierpack). Denn wenn er nicht hält, gehen wir zusammen. Eine schnelle nächtliche Inspektion zeigt gravierende Mängel. Schnell suche ich noch ein paar Leinen zusammen, um ihn und damit auch uns nicht durch den Hafen treiben zu sehen.
Später ist mir dann allerdings die Aktion ein bisschen peinlich; ein Fischer wird wahrscheinlich besser wissen, wie er sein Boot zu vertäuen hat, als ich. Doch sicher ist sicher! So verlängert sich unser Dutch Harbor Aufenthalt unfreiwillig um eine weitere Woche. Es scheint, der Winter hält Einzug. Zwar wird es nicht wesentlich kälter, doch der Wind gibt sich Mühe und pfeift mit aller Macht über die Berge, die sich nun vollends verschneit geben. Aleuten im Spätherbst!

Wir trösten uns damit, dass es bis King Cove gerade einmal 160 nm sind. Zwei Tage mit einer einigermaßen guten Wettervorhersage sollte es doch geben. Derweil dreht der Wind, so dass wir in der Stadt von ihm nichts mehr zu spüren bekommen. Nur die Fischer liegen immer noch alle im Hafen. Aber auch das ändert sich, das Barometer steigt. Wir sind bereit. Die vor uns liegende Strecke ist ein wenig kompliziert zu segeln. Mat ist ein Kenner dieses Segelreviers; er gibt uns gute Tipps für die Route.
Da wir ja noch auf der Beringseeseite der Aleuten sind, müssen wir nach ca. 15 nm durch einen schmalen Pass, um auf den Pazifik zu wechseln. Es gibt aber nicht besonders viele solcher Durchgänge, deshalb strömt bei den Gezeiten eine gewaltige Menge Wasser bergauf oder ab. Es heißt also: absolut pünktlich eine Stunde vor Flutende am richtigen Fleck zu stehen. Start somit zwingend 10.00 Uhr.

Das scheint allerdings die Trowlermanschaft vor uns nicht zu wissen. Ihr Kapitän ist mit der Bordkasse abgehauen.
Sie haben also Zeit und laden uns auf einen Wodka ein. So feiern wir dann Abschied. Allerdings haben wir noch mehr Nachbarn… Es wird nur "ein ganz klein wenig" später! Aber mit dem 10.00 Uhr Start, na ja! Wir können es niemals schaffen, pünktlich an besagter Stelle zu sein, deshalb bereiten wir alles für den nächsten Morgen vor.
Ein neuerlicher Wettercheck zeigt, noch ist nicht alles verloren. Anderthalb Tage haben wir, dann wird es wieder windig. Eine ruhige 5 Bf, die sich allerdings am nächsten Nachmittag zur 7 mausern will.

An sich keine große Sache, wenn dahinter nicht die 10 und 11 Bf lauern würden. Das heißt, diesmal sind wir zeitig genug auf den Beinen. Sowieso habe ich keine Lust, noch einmal jedem in der Stadt unseren neuerlichen technischen Defekt zu erklären. Aufgetankt und frohen Mutes starten wir diesmal zur rechten Zeit. Draußen vor dem Hafen wedelt es ein bisschen, doch das sollte uns nicht stören. Genau im richtigen Augenblick biegen wir in die Durchfahrt. Mein lieber Mann, die Strömung ist gewaltig! So mit durchschnittlich 11 Knoten schiebt sie uns voran. An Aufstoppen ist da nicht zu denken. Uns ist`s recht! Inklusive Segel und Motor geben wir alles, nur schnell durch und weiter. Der Rest ist dann ein Kinderspiel. Ein gewaltiges Geschaukel, da aus jeder Bucht die Gezeiten anders abzufliesen scheinen und sich dabei auch noch mit dem Wind ins Gehege kommen. Aber das sind wir gewöhnt.
Brav hebt die PERITHIA Heck oder Bug und lässt die Wellen unter sich hindurch rollen. King Cove kommt in Sicht.

Zwar wolkenverhangen, doch malerisch inmitten gewaltiger Berge…



10.11.2009 King Cove bis Kodiak

Wolkenverhangen kommt King Cove in Sicht. Wind und Wellen von achtern, treibt es uns geradezu in den Hafen.
Keine besonderen Zwischenfälle, wir sind froh, uns endlich von Dutch Harbor gelöst zu haben. Hier wollen wir jedoch nur kurz bleiben, so groß ist die Stadt (Dorf) nun auch wieder nicht. Es gilt eine Sturmwarnung abzuwarten, dann sollte es schnellstens weitergehen. Der kluge Mann baut vor, also habe ich mich gründlich informiert.


Hier lebt alles vom Fischfang (was auch sonst), sowie von dessen Verarbeitung. Ein Supermarkt sowie zwei Bars. (ich habe eine Freigetränkmarke) Die Schule nicht zu vergessen. Wir legen also an und starten erst mal eine kurze Erkundungstour. Und dabei soll's auch bleiben. Man, hier ist wirklich der Hund verreckt.

Interessant ist jedoch, Internet haben wir hier nur in der Schule beim Rektor gefunden. Doch da Beamte ja meistens nett sind, kein Problem sein Büro als unsere Nachrichtenstation zu nutzen.

Na wenigstens spielt das Wetter mit. Es weht zwar eine ziemliche Brise, wie bestellt jedoch genau von Westen. Warten wir noch einen Tag und dann ist Start mit Ziel Sand Point. Zwei Tage später sind wir zur Weiterfahrt bereit.
Die Strecke vor uns ist ein wenig kompliziert. Wir fahren jetzt innerhalb der Aleuten, somit gilt es eine Menge Inseln zu umrunden. Bei 2,5 Meter Gezeiten baut sich da doch stellenweise eine gewaltige Strömung auf. Von den Wellen, die das so mit sich bringt, nicht zu reden. Jedenfalls ist die Karte übersät mit Warnungen und Hinweisen. Doch abwarten und los. Es weht eine ordentliche 7 BF. Strömung und Wind schieben uns nur so dahin. Die Durchfahrten zwischen den Inseln sind stellenweise recht schmal und wir kommen so mit cirka 9 bis 12 Knoten dahergesaust.

Etwas Aufpassen sollte also nicht schaden. An ein Aufstoppen bei der Geschwindigkeit ist nicht zu denken. Aber alles ist gut, wir sind so schnell - wir kommen zur Abwechslung einmal viel zu zeitig im nächsten Hafen an. Ich finde es zwar wunderschön, kommt ein fremder Hafen in Sicht - alles ist neu, man wartet, was bringt diese Landung wieder für neue Erlebnisse. Nur eben bitte nicht im Stockdunkeln. Erst gilt es, in einen kleinen Durchgang zwischen zwei Inseln einzubiegen. Dort ist es flach und zu allem Elend hat's auch noch jede Menge Felsen. Es gibt zwar ein paar Tonnen, doch die kann ich doch von unten aus der Kombüse raus nicht sehen…

Aber zum Glück gibt es ja einen Autopiloten und ISY mit dem Seekartensystem. Wie immer, stimmen selbst die kleinsten Details, wir umgehen die Felsen und stehen mitten in einem stockdunklen Hafen. Haben die denn hier kein Licht? Der einzige helle Fleck - ein Fischkutter. Gut, sagen wir uns, legen wir halt dort kurz an. Allerdings, anlegen an einem Fischereifahrzeug bringt meistens einen Vorteil sowie einen gewaltigen Nachteil. Zum einen braucht man sich nicht um die Gezeiten zu kümmern, das ist gut. Allerdings pflegen Fischer meistens recht früh aufzustehen, das ist schlecht. So auch bei uns. Schon beim ersten Hahnenschrei müssen unsere Nachbarn doch tatsächlich unbedingt los und wir halt ebenso. Nicht mal Zeit für einen Kaffee. Doch was will man machen, nutzen wir also das frühe Tageslicht und suchen uns einen guten Platz im Hafen.

Der ist schnell gefunden und ein erster Überblick zeigt, gar nicht so schlecht. Sand Point ist an sich recht klein, hat sich aber voll auf Fischkutter spezialisiert. Fischfang und Reparatur.
Da heute Veteranentag ist, wird es auch erst einmal nichts mit anmelden beim Hafenmeister. Also zum Glück kein Papierkram. So erkunden wir halt die Stadt. Viel gibt es nicht zu sehen, aber wir treffen Jim und Charlie. Es ist wie überall. Auf dem Rückweg zum Hafen sehen sie uns durchs Fenster und winken uns zu sich ins Haus.

Anscheinend sitzen sie allerdings schon ein ganzes Weilchen, es muss irgendetwas zu feiern geben. Genuscheltes alaskanisches Amerikanisch, dass muss erst einmal einer verstehen! Wir jedenfalls haben so unsere liebe Mühe. Auch das Level stimmt nicht ganz. Aber egal, beeilen wir uns und feiern halt mit.Zu guter Letzt bekommen wir sogar noch einen Lachs eingepackt. Ich kann nur sagen, so was von lecker!!!

Sonst gibt es über Sand Point eigentlich nicht sehr viel zu erzählen. Vielleicht noch, dass die Leute hier, wie überall im Norden, sehr freundlich und hilfsbereit sind. So vergeht die Zeit und zwei, drei Tage später sollten wir an sich weiter.Noch tanken, was nicht ganz so einfach ist, das Tankdock ist anscheinend für Kreuzfahrtschiffe gedacht. Dermaßen hoch, ich könnte die Kanister über die Davits ablassen. Besser doch die Autotankstelle und schleppen.

Zum Glück treffe ich jemanden auf der Mole, der mir seinen Truck borgt. Der hat zwar ein Lenkrad, das dermaßen schlackert, dass ich doch lieber erst einmal nachschaue, ob es auch wirklich nicht abfällt, doch so geht das Tanken dann am Ende doch recht schnell.

Die Strecke vor uns ist so ziemlich die schwierigste, auf den Aleuten. Also erkundigen wir uns mal lieber bei den Fischern nach der besten Route. Und Klasse - hätten wir mal lieber nur einen gefragt. Es ist wie überall, fragst du vier, hast du mindestens fünf Wege.
Das Problem der Strecke aber, so viel wird schon einmal klar, liegt an den vielen Buchten und den recht hohen Bergen dahinter. Der Wind pfeift darüber, so dass keiner sagen kann, was die nächsten 100 Metern bringen werden. Die Empfehlungen gehen von: ganz nah dran vorbei, so sind die wenigsten Wellen bis: weit draußen, da hat man kleinere Böen. Also entscheiden wir uns für den goldenen Mittelweg und mixen Böen mit Wellen. Nicht, dass wir was verpassen.

Und los, so schlimm ist das gar nicht. Die Wellen kennen wir schon. Von vorne links bis hinten rechts übers Boot. Schlecht nur, wir haben uns ein paar recht kalte Tage ausgesucht. Der Wind nimmt zu, und irgendwann bekommen wir langsam Schwierigkeiten, die Höhe zu halten. Da rings um uns schon wieder recht viele Felsen auftauchen, beschließen wir, um aus dem Legerwall zu kommen, mal lieber einen kleinen Umweg in Kauf zunehmen.Man muss sich das so vorstellen: wir fahren an einem Inselgebiet vorbei, wo es zu gewaltige Strömungen bei den Gezeiten kommt. Das, gepaart mit dem üblichen Sturm plus den Wellen von der Seite macht es schwer, auf Kurs zu bleiben. Wenn dann irgendetwas passiert, sollte man lieber nicht vor einer Küste stehen.

Also doch sicherheitshalber außen rum. Anscheinend haben wir uns allerdings zur Shelikof-Strait, dem kältesten Punkt hier, auch noch den kältesten Tag ausgesucht. Dazu hat es eine Gischteiswarnung gegeben. Die müssen wir allerdings irgendwie überlesen haben. Es sind -13°. Jede Welle, die über das Boot schlägt, gefriert sofort. Langsam wird die Angelegenheit nun doch etwas gefährlich. Die PERITHIA bekommt einen Eispanzer, der mit jeder Welle dicker wird und eben auch schwerer. Viel geht da nicht mehr, und wir kommen in ernsthafte Schwierigkeiten.

Mittlerweile haben wir so ca. 20 cm Eis auf dem Deck. An Segeln ist so schon lange nicht mehr zu denken, alles eingefroren und unser, schon ewig leicht defektes Getriebe holt uns nun genau im richtigen Augenblick natürlich auch noch ein. Inzwischen haben wir backbord eine stabile ca. 60 cm hohe Mauer aus Eis. Unsere Reling auf Luv ist komplett zugefroren.

Das sind 15 m mal 60 cm mal 20 cm kompaktes Eis. Rechne einer das Gewicht aus. [[Webmaster hat gerechnet : 1,8 t ]]Langsam bekommen wir jedenfalls Schlagseite. Das Beste ist wohl, erst einmal anzuhalten und die Nacht über abzuwarten. Um nicht allzu weit abzutreiben, tun wir also das einzig Richtige - wir binden das Ruder ganz nach backbord fest und stellen den Motor auf Schleichfahrt.

So schafft es die Maschine nicht, uns gegen den Wind zu drehen, drückt aber gegen das Ruder und hält uns somit gegen die Wellen ungefähr auf der Stelle. Das bringt den Vorteil, stehen wir, sind wir wie ein Korken auf dem Wasser. Die Wellen bleiben außer Bords. Zu guter letzt funke ich noch die Küstenwache an, so dass sie wenigstens unsere Position kennen und sich ein Bild machen können. Man kann ja nie wissen! Um den Motor sicher über Nacht am Laufen zu halten, mache ich das, was ich seit Wochen beinahe täglich tue, ich lasse Wasser aus den Filtern.

Keine Ahnung, wo das noch herkommt. Ich kann mir nur vorstellen, dass durch die Temperatur Schwitzwasser gebildet wird.Dringend muss ein neuer Wasserabscheider her. Somit ist alles klar für die Nacht. Nur das mit der Coast Card hätte ich mal lieber lassen sollen. Sie vermuten Gefahr und wollen uns doch tatsächlich mit dem Helikopter holen. Doch was wird denn dann aus der armen PERITHIA?
So schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Es gelingt mir, sie zu überzeugen und wir einigen uns auf regelmäßige halbstündige Positionsangaben. Da wir allerdings ab und an auch etwas Schlaf brauchen, was bei dem ständigen Gefunke nicht so einfach ist, verlängern wir die Frist später auf eine Stunde.

Trotzdem, auf einem Segelboot gibt es ab und an auch etwas zu arbeiten und jede Stunde eine 15 min Unterbrechung zum funken - was soll da werden? Jedenfalls, der nächste Tag kommt mit Sonnenschein und gemütlichem Wind aus der richtigen Richtung. Wir sehen zwar aus wie der Eispalast der bösen Schneekönigin, aber mit Hammer und Meisel fällt auch der härteste Eisklumpen irgendwann mal ab. Ein Helikopter kommt, um zu schauen, ob wir noch schwimmen.

Bei bestem Wetter und Sonnenschein segeln wir unserem Ziel Kodiak entgegen. (stündliche Meldung nicht vergessen)


22.12.2009 Von Kodiak über Seward nach Sitka

Wir nähern uns Kodiak. Die Hafenwacht ist informiert, und bietet an, uns die letzten Meilen zu schleppen. Brauchen sie aber nicht, mittlerweile hat unser lieber Volvo Penta ein Einsehen und gurgelt, abgesehen von ein paar Aussetzern, so leidlich vor sich hin. Sogar der Autopilot gibt auf den letzten Meilen noch einmal sein Bestes. Zwar muss Einer von uns ständig an Deck sein, um ihn im Auge zu behalten, doch das ist allemal besser als selbst zu steuern. Mit dem Frost scheint er die Unart entwickelt zu haben, immer im ungünstigsten Augenblick Kompass-Nord und damit seinen Kurs ändern zu wollen. Doch nicht so wild, sind wir schnell genug, geht das nach ein paar Schlenkern oder ab und an einem Kreis zu korrigieren. Nur die Einfahrt hat es eben in sich, sie ist sehr lang und recht steinig.

So kommt doch tatsächlich zu guter Letzt noch der Vorschlag, wir sollen lieber ankern und bis morgen auf das Tageslicht warten. Das geht ja nun gar nicht! Das Land lockt. Wir wurschteln, schlenkern und kreiseln uns also durch das Gewirr aus Steinen, Felsen und Bojen und kommen zwar im Dunkeln, aber ohne Dellen und Blessuren im Hafen an. Der erste Schwimmsteg ist unser. Empfangen werden wir vom Hafenmeister und erhalten von ihm auch gleich eine erste Ortseinweisung.
Alles Wichtige liegt in der Nähe, problemlos zu Fuß zu erreichen. Kodiak selbst stellt sich als nette, kleine Stadt heraus mit Bar und Internetzugang (für uns immer ganz wichtig), Bootsshop, Supermarkt und was man sonst so braucht. Nur unseren Motor können wir hier leider nicht reparieren. Anscheinend haben alle zu viel zu tun, keine Lust oder beides.

So ordern wir hier halt nur einen neuen Autopiloten sowie Ersatz für den "gestohlenen" Windmesser. Wobei sich der Anbau des selbigen als recht schwierig erweist. Unser Mast ist so um die 18 m hoch, also nichts für meine Höhenangst. Der Versuch, einen Arbeiter anzuheuern, scheitert - trotz der vereinbarten 60! Doller Stundenlohn an - was weiß ich was. So bleibt also nur Kathrin. Es ist windstill, die Sonne scheint, somit die besten Voraussetzungen. Ich kurbele also und kurbele, der Weg nach oben ist weit! Kathrin hat in letzter Zeit wohl doch etwas mehr Schokolade gegessen, als sie sollte…

Oben angekommen, versucht sie den Rest des Windmessers zu lösen. Und es klappt. Nur mit der Montage des Neuen, an derselben Stelle, hapert es ein wenig. "Es geht nicht!" höre ich sie von oben klagen. Das kann doch wohl nicht wahr sein! 20 Meter tiefer demmle ich derweil so vor mich hin, fluche auch ein bisschen - was soll man jetzt nur tun? Ich kann sie doch nicht da oben lassen. Gut, dann eben wieder abwärts.
Unten angekommen, vergleichen wir altes und neues Gerät auf das genauste. Es sind haargenau dieselben Teile. Nützt nichts, wir starten somit den zweiten Versuch. Und wir haben Glück, nach anfänglichen Schwierigkeiten der Sieg. Wir haben wieder einen Windpiloten. Seither wird jeder, sich auch nur aus der Ferne nähernde Adler misstrauisch beobachtet, das Gewehr ist geladen!

Unser Plan, jetzt direkt über den Golf von Alaska nach Sitka zu segeln, scheitert an der Einwanderungsbehörde. Wir müssen schnellstmöglich einklarieren und die Beamten wollen dazu unser Boot besichtigen. OK. Nur leider ist der nächste Hafen, der von Anchorage aus mit dem Auto zu erreichen ist, Seward. Das liegt zwar nun so gar nicht auf unserer Route, doch was nützt es, segeln wir halt wieder nach Norden. Somit erreichen wir den nördlichsten Punkt im Golf von Alaska. Im Nachhinein sind wir allerdings unserem Officer Peterson sehr dankbar. Seward ist ein Ort, den man, einmal hier oben, nicht verpassen sollte. Zuerst geht es ca. 20 nm in einen Fjord hinein.

Wunderschön einbebettet in schneebedeckte Berge liegt malerisch ein Segelboothafen. Fast nicht zu glauben. Nur die dünne Eisdecke im Hafen macht uns Sorgen. An Einfrieren hatten wir nun eigentlich nicht mehr gedacht. Knirschend schieben wir uns an den Steg und freuen uns, erst einmal angekommen zu sein. Der erste Weg führt uns, was sonst, natürlich in die nächste Hafenbar. Nirgendwo sonst bekommt man schneller alle nötigen Infos und was man sonst so alles braucht. So natürlich auch hier. Schon am ersten Abend bekommen wir den Schlüssel zum hiesigen Yachtclub. Ist das nicht großartig?!

Wir können das ganze dreistöckige Haus nutzen, duschen oder dort schlafen, was immer wir wollen. Und wir bekommen eine Telefonnummer. Hier im Ort wohnt seit mehr als 30 Jahren ein Deutscher, den wir doch unbedingt anrufen sollen. Brauchen wir aber nicht, Wolfgang, ein alter Seebär und Kapitän auf vielen Schiffen in allen Teilen der Welt hat sich schon selber auf die Suche nach uns gemacht, denn es hat sich schnell rumgesprochen, dass wir zwei mit einem Segelboot aus dem Norden angekommen sind. Er lädt uns erst einmal zu sich zum Dinner ein. Es wird ein wunderschöner Abend mit abenteuerlichen Geschichten aus seiner Zeit auf See und unseren Erlebnissen. Diese Nacht schlafen wir seit Ewigkeiten mal wieder in einem richtigen Bett in einem Haus an Land. Die nächsten Tage werden etwas anstrengend. Unsere PERITHIA geht aus dem Wasser und wir wohnen somit auf dem Trockendock.

Unser Mechaniker Dennis nimmt alles in die Hand und kümmert sich um alle möglichen Arbeiten. Somit sind wir guter Hoffnung, am Ende ein endlich wieder funktionierendes Boot zu haben. Auch Officer Peterson mit netter Bekleidung kommt extra aus Anchorage vorbeigefahren. Wir bekommen schließlich ein Visum und haben 1100 Dollar weniger. Alles in allem vergeht die Zeit wie im Fluge. Weihnachten rückt näher und wir stecken immer noch hier in der Kälte, die bei -18°C nun auch noch unser Gas zum Kochen lahmlegt. (zum Glück wird es nach 3Tagen wieder etwas wärmer) Endlich kommt auch die PERITHIA wieder ins Wasser und siehe da, alles ist beim Alten. Nur - wir haben 4500 Dollar weniger. Unser guter Mechaniker Dennis (der eigentlich Schweißer ist, wie wir hinterher erfahren) hat alles Mögliche gemacht. Nur halt nicht das Richtige. Eigentlich hätte der hiesige Volvohändler auch mal einen Ton dazu sagen können.

Na, man lernt halt nie aus. Immerhin versichern sie uns, dass das Getriebe nicht kaputt sein kann, es müssten sonst Spuren im Getriebeöl erkennbar sein. Wir könnten beruhigt weiterfahren. Diese Aussage beruhigt uns zwar ein bisschen, aber so richtig glücklich sind wir nicht. Trotzdem brechen wir auf, der Preis hat uns dann doch etwas geschockt. Wir haben guten Wind, also auf in Richtung Sitka. So um die fünf Tage werden wir für die Tour brauchen. Kurz vor dem Ziel erwischt uns doch tatsächlich noch ein Sturm. Zu unserem Glück kommt alles schräg von achtern. Aber eben mitten in der Nacht. Was allerdings auch sein Gutes hat, man ahnt zwar die gigantischen Wellen, sieht sie aber nicht so deutlich. Jedenfalls überfordert das Geschaukel sogar unseren neuen Autopiloten. Es hilft nichts, dicke Sachen an und selber steuern. Im Stockdunkeln mitten in einem Schneesturm wirklich nicht die angenehmste Angelegenheit. Die Genua zieht das Boot zum Glück immer in den Wind. Somit ist das Steuern kein allzu großes Problem, nur ist es eben saukalt. Eine Stunde segeln, eine halbe Stunde Pause. So vergeht die Nacht auch irgendwann. Nach der dritten Dusche und dem letzten Paar trockener Schuhe (das Cockpit sieht jedes Mal aus wie eine Badewanne) geben wir schließlich lieber auf und drehen bei. Dann wird die Nacht doch noch recht gemütlich. Früh ist der Sturm vorbei, der Autopilot funktioniert wieder tadellos und die Wellen schieben uns geradezu unserem Ziel entgegen.

Ich glaube wir sind in der schönsten Gegend hier oben angekommen. Eine Landschaft aus Fjorden, kleinen Inseln, Vulkanen und sogar heißen Quellen. Im Sommer ein wundervolles Segelrevier und ein Paradies für Angler und Jäger. Hier werden wir die Weihnachtstage verbringen. Wenn schon nicht unter Palmen auf Hawaii, so doch wenigstens gemütlich bei Weihnachtsente, Klößen und Rotkraut, mit Lichterkette und Kerzenschein. Über Skype erzählen wir Weihnachtsgeschichten und singen Weihnachtslieder mit unseren Lieben daheim. Und der Weihnachtsmann beschenkt uns mit einem lang ersehnten Satellitentelefon.Wir treffen hier einige, die auf ihren Booten wohnen und auf den Sommer warten. Kaum angekommen, klopft es und wir werden von Andre, einem charmanten, französischen Einhandsegler zum Dinner eingeladen. Oder Susann, die mit ihrem Mann Toni von Neuseeland kommend in Sitka überwintert und uns deutsche Bücher und Weihnachtsplätzchen bringt. Oder Dean, der vor einem Jahr mit einem alten Fischkutter von Vancouver nach Sitka die schwierige Inside-Passage gefahren ist und uns seinen Marineatlas schenkt, in dem er seine Route bis ins kleinste Detail dokumentiert hat. Und JR, der von den Philippinen kommt und mit benachteiligten Kindern arbeitet. Er ist nicht nur lustig und liebenswert, er kriegt es auch hin, unser neues Telefon für den Emailempfang einzustellen.

Wir fühlen uns hier rundum sehr wohl, wenn da nicht noch die Sache mit dem Motor wäre: Also starten wir unseren, hoffentlich letzten Versuch, die gute PERITHIA wieder fit zu bekommen. Irgendwie muss der Motor doch zu reparieren sein. Um es kurz zu machen, zwei Mechaniker und prompt auch zwei unterschiedliche Diagnosen später, beschließen wir: selbst ist der Mann! Und siehe da, ein paar neue Einspritzdüsen und alles ist in bester Ordnung. Somit ein Hoch auf alle hiesigen Mechaniker; das waren Nummer 12 und 13!!!

Wir sind wieder rundum seeklar und bestens ausgerüstet. Und dann noch ein Sahnehäubchen zum Schluss: Dank einer superfreundlichen Frau von der Einreisebehörde stellt sich heraus, dass unser netter Officer Peterson mit der Zeitbemessung unseres amerikanischen Visas aus irgendeinem, nicht nachvollziehbarem Grund, etwas arg gegeizt und uns damit in ziemliche Zeitnot gebracht hat. Am letzten Tag des alten Jahres bekommen wir die Verlängerung zu uns ans Boot gebracht! Das heißt, wir verbringen den Jahreswechsel mit Startvorbereitungen und stoßen voller Vorfreude auf unsere gute alte PERITHIA und unsere Weiterfahrt an.

Am ersten Tag des neuen Jahres, geht es los. Der Norden, mit seiner wundervollen Landschaft liegt jetzt definitiv hinter uns.

Unsere Herzen können auch gar nicht mehr die Einzigartigkeit dieser faszinierenden Gegend wahrnehmen. Wir sehnen uns nach so langer Zeit einfach nach Wärme und nehmen nun endgültig Kurs Richtung Sueden.



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