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Asien

Logbuch ab '09 > Weltreise

Asien

 

Von Vanuatu über die Salomonen, PNG, Indonesien nach Malaysia

Wir nehmen natürlich den Weg über die Salomonen. Ist zwar ein Umweg, doch was soll’s. Außerdem sind es ja nur ein paar Meilen. So kommt als erstes San Christoball (ich glaube Kolumbus war hier) in Sicht. Da hier kein nennenswerter Hafen zu finden ist und wir außerdem schnorcheln wollen, ankern wir aber lieber an einer vorgelagerten Insel. An und für sich ein idealer Platz. Eine weitläufige Bucht, Riff und etwas Strand. Keine Menschenseele.
Doch, kaum fällt der Anker, setzt sich auch schon das erste Kanu in Bewegung. Und natürlich soll das nicht das letzte bleiben. Auch als kontaktscheu oder unbedingt zurückhaltend kann man unsere neuen Freunde nicht gerade beschreiben. Hier fragt, im Gegensatz zu bisherigen Begegnungen keiner, ob er an Bord kommen darf.
Und so kommt nach und nach wahrscheinlich das gesamte Dorf an Bord. Irgendwann wird das dann eng. So bleibt uns nur die Flucht nach vorn. Machen wir aus der Not eine Tugend und starten unsererseits einen Gegenbesuch. An Führern sollte es nicht mangeln. Und es wird wirklich ein interessanter Rundgang. Ein schmaler Pfad schlängelt sich um die Lagune, ab und an ein Hüttchen und das ist auch schon alles.

Hier scheint die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein. Kein Strom, kein Telefon, nichts von alledem. Nur ein kleiner Generator, der ein Funkgerät für den Notfall betreibt.
Irgendwann, so erzählt man uns, sind ein paar Neuseeländer hier vorbei gekommen und haben eine Kokosnusspalmenplantage angelegt. Seither wird Kobra auf mühsame Weise hergestellt. Ansonsten lebt man vom Fischfang und vielleicht auch von dem einen oder anderen Krokodil.

Nach zwei Tagen, es ist genug geschnorchelt und besichtigt, lichten wir den Anker und segeln das kurze Stück zur Hauptstadt Honiara.
Doch außer dem Yachtclup, der nicht sehr einladend ist, gibt es hier nicht unbedingt viel zu sehen. Dafür machen wir aber eine recht interessante Bekanntschaft. Neben uns ankert ein Schweizer.

Gerd hat sich leider mit seiner Crew überworfen. Man will es nicht glauben, doch dass passiert wahrscheinlich des öfteren. So sitzt er jetzt da, und wartet auf die nächsten. Na egal, jedenfalls hat er ein sehr interessantes Boot. Wer, um alles in der Welt, hat schon einmal etwas von Betonkonstruktionen im Yachtbau gehört? Ich jedenfalls nicht. Er erzählt begeistert, es ist eine ältere Konstruktion aus Neuseeland. Zuerst wird ein Grundgerüst aus Moniereisen gefertigt. Danach treten wohl sämtliche Maurer des Ortes mit ihren Kellen an und innerhalb eines Tages wird das gesamte Gebilde dann zugemörtelt. Klingt recht abenteuerlich, doch er jedenfalls ist begeistert und man kann sagen, was man will, es schwimmt!

Das Wetter meint es auch weiterhin recht gut mit uns, so lichten wir schon zwei Tage später wieder den Anker um die nächsten 400 nm nach PNG zu segeln. Unser Ziel, eine kleinere Insel mit Schnorchelriff erreichen wir drei Tage später, wie soll es anders sein, natürlich abends, wenn`s schön dunkel ist. Doch das soll uns diesmal nicht weiter stören, in unseren Karten ist ein guter Ankerplatz verzeichnet. Den werden wir wohl finden. Denken wir zumindest und unsere gemütliche Fahrt in Richtung Ankerzeichen nimmt mit viel Geschabe und Gerungse ein recht abruptes Ende. Da hat wohl jemand die Karten vertauscht. Unser anvisierter Ankerplatz jedenfalls stellt sich als Korallenriff heraus. Das Problem hier sind an sich nicht die Korallen, da sitzen wir schon drin. Schwieriger ist, wie wieder hinaus? Warten jedenfalls ist nicht, die Ebbe setzt ein. Da liegen wir dann vollends trocken. Zum Glück herrscht eine ziemliche Strömung. Zimperlich sein, hilft hier auch nicht weiter. Mit viel Hin und Her und Vor und Zurück rutschen wir so langsam aber sicher wieder ins Tiefe zurück. Wieder schwimmend geht es dann vorsichtig und im Schritttempo nach reiflicher Überlegung genau an die vorab gemiedene Stelle. Und siehe da, dort finden wir den gesuchten und beschriebenen Platz.
Doch hier wollen wir eigentlich nur übernachten um den nächsten Tag abzuwarten. Der Hafen, den wir ja eigentlich ansteuern wollen, liegt nur 5 nm entfernt auf der gegenüberliegenden Insel. Früh beizeiten lichten wir also den Anker, um die paar Meilen zu segeln. Ein kleiner einheimischer Segler kommt uns entgegen.

Er scheint so etwas wie die hiesige Fähre zu sein. Wir ändern etwas den Kurs um Hallo zu sagen. Doch so etwa in der Mitte der Strecke wird es urplötzlich dunkel. Aus dem Nichts heraus zieht ein gewaltiger Wind, bekleidet von sintflutartigen Regengüssen auf. Uns selber stört das ja nicht sonderlich. Wir verkleinern die Segel und gehen erst einmal in Deckung. Doch was um alles in der Welt tut unser Fährmann in seiner Nussschale. Dazu noch mit Rahsegel, welches er ja nicht verkleinern kann. Doch durch das Fernglas sehe ich, er weiß was er tut. Die Passagiere ziehen sich eine Plane über die Köpfe und der Käptn dreht sein Segel so halbwegs aus dem Wind. So ähnlich wie John Mähnert auf dem Erisee, nur eben ohne Feuer schaukelt sein Boot tapfer durch die Wellen. Trotzdem stehe ich noch einige Zeit mit dem Fernglas in der Hand und beobachte die Angelegenheit. Ich glaube doch mal nicht, dass es an Bord ein Funkgerät gibt.

Aber so schnell die Wolken gekommen sind, so schnell verziehen sie sich auch wieder. Die recht enge und dazu noch flache Einfahrt in unsere Bucht erreichen wir somit kurze Zeit später schon wieder bei bestem Wetter.
Und es ist doch immer wieder unglaublich. Da sieht man auf dem Meer die ganze Zeit keine Menschenseele und hier, am Ende der Welt, in der letzten kleinsten Bucht, da findest du vor lauter Yachten kaum noch einen Platz zum ankern.Es ist aber auch ein wirklich schönes Plätzchen. Nach der, wie gesagt, recht schmalen Einfahrt öffnet sich eine nahezu runde Bucht, umgeben von Palmen. Auf einer Seite ist ein kleines Städtchen, der Rest sind Palmen.

Es ist gerade Marktag, doch dummerweise haben wir natürlich noch kein PNG Geld und ein ATM (Geldautomat) ist hier auf den nächsten 300 nm auch nicht in Sicht. Zu unserem Verdruss ist heute Freitag, das heißt die Bankbaracke öffnet erst in drei Tagen ihre Türen wieder. So belassen wir es notgedrungen bei einer Ortsbesichtigung. Auch schielen wir auf den nahen und uns umgebenden Urwald. An die Mücken am Abend wollen wir lieber gar nicht erst denken. Zu allem Überfluss erzählt uns unser kanadischer Nachbar noch von einer eigenartigen Sitte hier: Zwar haben sämtliche Geschäfte die ganze Zeit über geöffnet, doch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist von Sonnabend bis einschließlich Montag verboten. (warum auch immer einem da nicht mal ein kühles Bierchen gegönnt wird…?) Also halten wir uns gar nicht erst lange auf und starten durch das Gewirr der uns umgebenden Inseln und Lagunen in Richtung Port Moresby. Wir sind gespannt, was uns in dieser Stadt so erwartet. Die Meinungen jedenfalls sind geteilt und gehen weit auseinander. Viele erzählen von Großstadt, Slums und das ein Menschenleben dort nicht viel wert sei. Andere davon, dass immer was los ist. Ich jedenfalls freue mich auf Party im Yachtclub. Wir werden sehen.

Erst einmal gilt es, den günstigsten Weg durch die Riffs zu finden. PNG ist ja nun nicht unbedingt berühmt für seine Seekarten. Doch alles geht gut und am nächsten Morgen sind wir wieder auf offener See. Sozusagen auf sicherem Terrain. Auch der Wind spielt mit und frischt ordentlich auf. Somit blasen uns ca 30 bis 35 Knoten in Richtung Ziel. Die Einfahrt ins Riff ist zwar etwas eng und dummerweise genau quer zu den Wellen, doch mit ein bisschen Schaukelei, Augen zu und durch, geht es ganz gut. Jetzt noch ca. 2 nm und wir sind im Hafen. Da wir, um auch mal etwas zu sparen, wieder einmal auf die Einklarierung verzichten wollen, parken wir ohne viel zu funken still und heimlich per Anker. (Aber die Marina ist sowieso rammelvoll) Erstaunlich ist, auch hier treffen wir wieder Bekannte. Eine dänische Seglerfamilie, wir kennen uns schon länger, liegt neben uns. Doch zuerst ab in den Yachtclub. Eine recht neue und ziemlich große Anlage. Hier trifft sich so ungefähr jeder, der in Port Moresby Durst hat. Auch hat man den Eindruck, dass hier alle großen und kleinen Geschäfte abgeschlossen werden. Wir sind sozusagen im gesellschaftlichen Zentrum und staunen über das rege Treiben australischer, neuseeländischer, englischer, skandinavischer, kurz einer sehr internationalen Businesswelt.
Die Stadt ist im Entstehen, wächst unaufhörlich und damit für Investoren hochinteressant.

Das Stadtzentrum besteht aus modernsten Hochhäusern und man hat den Eindruck, alles ist recht international. Zumindest hier in der Hauptstadt. Außerhalb der Stadtmauern sieht es da schon anders aus. Ein Taxifahrer erzählt uns, er kommt aus einem Dorf, das nur zuerst mit einer kleinen Fähre und anschließend mit einem dreiwöchigen Fußmarsch quer durch den Dschungel zu erreichen ist.
Wir jedenfalls lassen es uns gut gehen und besichtigen die Stadt. Dabei fällt uns eine doch recht merkwürdige Sitte auf. Die Menschen aus PNG scheinen ein sehr großes Schlafbedürfnis zu haben. Überall, egal wo sie gerade stehen, fallen sie auch um und machen erst einmal ein Schläfchen. So liegen sie halt auf dem Fußweg, auf der Strandpromenade oder eben vor einem Laden. Wir haben noch nie so viele schlafende Menschen an den unmöglichsten Orten gesehen. Aber diese allgemein ausgebrochene Schlafkrankheit scheint hier keinen weiter zu stören.

Unsere dänischen Freunde werden wohl den Sturm abwarten wollen. Wir sind jedoch der Meinung, ein bisschen Wind von hinten, kann nicht schaden. Bis zur Torresstrasse, sie trennt Australien von Asien, ist es nicht sehr weit. Da es nicht unbedingt das einfachste Stück ist und um die vielen Riffs wenn möglich bei Tag zu umfahren, beschließen wir abzulegen. So gesehen klappt das auch recht gut. Wir fädeln uns also in die vorgegebene Fahrrinne und sehen zu, keinem der hier ununterbrochen durchfahrenden Tanker in die Quere zu kommen.

Der Wind hat derweil weiter aufgefrischt und kommt mit nahezu 40 ktn gerade noch segelbar, ca. 40° von port. Mit gerade mal 10 m Tiefe ist es recht flach aber dafür kommen die Wellen direkt von der Seite. Na jedenfalls eine ziemliche Schaukelei. Ein Stück segeln wir mit einem anderen Segler zusammen. An ihm kann man schön erkennen, was wir bei uns selber gar nicht so merken. Mal ist er über den Wellen, mal darunter. Das Boot dreht und kreiselt bestimmt um 90° hin und her. Aber es geht und wir schaffen die Strecke an einem Tag. Da wir beim letzten und engsten Stück die Gezeiten gegen uns haben, stoppen wir und verbringen unsere erste und einzige Nacht in Australien.
Es gibt zwar auch einen Hafen, doch den will man nicht wirklich anlaufen. Die Einklarierungsbestimmungen sind unwahrscheinlich streng. Zum Beispiel wird sämtliches Essen, auch Konserven, das nicht aus australischer Produktion stammt, sofort eingezogen.
Vorgelagert, gibt es zum Glück ein paar Inseln mit den leicht zu merkenden Namen Montag bis Sonntag. Wir also entscheiden uns für Dienstag und lassen erst einmal den Anker fallen. Und wie es so der Zufall will, sind zwischenzeitlich auch unsere Dänen wieder in der Nähe.

Von hier aus, bis zur ersten indonesischen Insel sind es ungefähr 600 nm. Wir staunen, aber zur Abwechslung kommen wir sogar einmal am Tage an. Ein paar Australier liegen schon vor Anker. Direkt am Strand erspähe ich einen Freisitz.


Es regnet zwar wie aus Kannen, aber das macht nichts. Wir machen unser Dingi klar, los geht es. Sowie ich weiß, ist dies hier kein offizieller Einklarierungshafen. So sollten wir eigentlich auch keine Probleme mit dem Zoll oder ähnlichen Behörden haben. Denkste! Da gerade eine Regatta vorbei ist, ist eine Kommission mit all diesen netten Beamten vor Ort. Aber was soll`s, erledigen wir die Formalitäten eben gleich hier. Denken wir.
Da die Herren vom Zoll leider über kein eigenes Boot verfügen, muss ich sie auch noch abholen. Und schon da wird mir klar: oh, oh, das gibt Ärger. So ganz unbemerkt sind wir, wohlgemerkt das erste Mal auf unserer langen Reise, in den Ländern des Bakschisch und der offenen Hände gelandet. Anfangs ist an und für sich alles noch gar nicht so schlimm. Visa- kein Problem, zu verzollen ist auch nichts und sogar Old Gun Stick macht keinerlei Sorgen. Nur, wo ist denn eigentlich unsere gelbe Flagge? OK, diskutieren wir eben über eine vergessene Fahne. Ich erkläre ihnen, dass das gute Stück leider beim letzten Sturm über Bord gegangen sei und wir wirklich alles Menschenmögliche unternommen haben, um es vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. Doch leider waren die Naturgewalten stärker. Ich würde aber beim nächsten Mal natürlich vor dem Einlaufen in ihren Hafen einen Helikopter ordern, um vorab die gewünschte Flagge zu besorgen. Doch um jeglichen Streit zu vermeiden: wie viel soll es denn kosten? Dummerweise gibt es wohl keinen Busgeldkatalog und es werden erst einmal 100 US$ veranschlagt. Ja, ja sage ich und ignoriere einfach alle weiteren diesbezüglichen Bemühungen.
Als nächstes fällt doch tatsächlich einem unserer Beamten ein, es wären da noch 10 % des Kaufpreises unseres Bootes als Bond fällig…
Übrigens gibt es hierzulande eine sehr interessante Sitte. Sämtliche Streitgespräche werden aus was immer für Gründen im Flüsterton geführt. Laut werden heißt, das Gesicht verlieren. So sitzen wir also da, und flüstern was das Zeug hält. In Anbetracht fehlender Papiere jedenfalls, schätze ich unseren Kaufpreis also erst einmal auf ca. 100 US $. (Ich komme mir billig dabei vor, erfahre allerdings später, dass andere mit gerade einmal 50 US $ an den Start gegangen sind) Mister Officer jedenfalls hat wahrscheinlich beim Versuch, auch etwas vom Kuchen abzubekommen, noch nie so richtig Glück gehabt. Jedenfalls springt er plötzlich auf und verklebt mit Zollklebeband völlig aufgelöst und wütend unsere beiden Ruder sowie unseren Gashebel. Ein bisschen kann ich ihn verstehen. Er hat es ansonsten ausschließlich mit Australiern zu tun. Da es für sie nur 250 nm bis nach Hause sind, fahren sie eben bei solch Versuchen einfach wieder. Wir jedenfalls setzen erst einmal ein Papier mit den genauen Positionsdaten und dem Hinweis auf, dass das jetzt manövrierunfähige Boot PERITHIA an einer nicht sicheren Ankerstelle liegt, drucken es aus und der Dösbattel unterschreibt es sogar. Später allerdings, seine Kollegen erklären ihm den Inhalt unseres Formular, verliert er dann doch etwas die Kontrolle über sich… Na ja, ganz zum Schluss klärt sich alles und wir können wieder Lenken.
Ich fahre die gesamte Sippschaft wieder zur Mole und freue mich über etwas Abwechslung. Hat ja nichts gekostet. Im Freisitz wartet dann auch schon unser persönlicher Führer auf uns.

Er fühlt sich wohl verpflichtet, uns keinen Schritt alleine durch die Strassen gehen zu lassen. Aber er ist auch der örtliche Arrak- Händler. (Gebrannter Palmenwein) Das Zeug schmeckt so na ja… Aber wir bekommen keine Kopfschmerzen und blind werden wir auch nicht.

Eine kleine Überraschung erleben wir allerdings abends. Wir tuckern mit unserem Dingi zur PERITHIA zurück und wundern uns. Da wo sie eigentlich liegen sollte ist nichts als Wasser. Sturm war eigentlich auch keiner. Ratlos fahren wir weiter und sehen nach einiger Zeit ganz hinten in der Bucht ein Licht. Wir hoffen und bangen und zum Glück werden wir fündig. Verstehen tun wir es allerdings nicht. Das Wasser ist nicht besonders tief und reichlich Kette hatten wir auch draußen. Schauen wir halt nach. Wir hieven den Anker nach oben. Doch Irgendjemand hält da fest. Am Ende sehen wir die Bescherung. Wir haben den Anker genau in die Öse eines fetten Stahlseils fallen lassen.

Dadurch konnte er sich nicht drehen und somit auch nicht eingraben. Da die Trosse recht lang war, haben wir sie also über die halbe Bucht gezogen. Und schwer ist das Ding! Beim Bergen gibt zu allem Unglück das Ankerrelais seinen Geist auf. Da die Kette mit der Hand dann doch etwas mühsam einzuholen ist, legen wir kurzerhand die Kabel blank und ich spiele Relais - 12 Volt, viele Ampere Lichtbogen. Ich komme mir vor wie beim Schweißen.
Doch nicht weiter schlimm, unser Führer weiß Rat. Es gelingt uns, dass Relais in einer kleineren Werkstatt wieder zu reparieren.
Wobei abschließend erwähnt werden müsste, dass Kathrin das gute, liebevoll reparierte und vom Ingenieur sogar mit Garantie versehene Stück nach einer Verkaufspräsentation recht hochprozentigen Arraks leider über Bord geschmissen hat. Somit bleibt es erst einmal beim Lichtbogen.
Da wir den Anker nun einmal oben haben, und uns das umständliche Manöver nur um umzuparken, sparen wollen, legen wir halt ab.

Unser nächstes Ziel, eine kleine Insel auf der bis heute Walfischerei betrieben wird. Und laut Erzählung gehen sie dabei recht rigoros vor. In kleinen Auslegerkanus rudern sie vor ihrer Küste hin und her und halten Ausschau. Taucht ein Objekt der Begierde dann auf, wird gepaddelt wie verrückt und Kapitän Ahap springt, so möglich, auf den Rücken des Wals. Rein mit der Harpune und fertig. Bei Mangel an friedlichen Säugern wird diese Technik eins zu eins auf den Fang von Haien übertragen. Erzählt man jedenfalls… (Binde `nem Angler die Hände zusammen, er erzählt dir, wie groß die Augen vom letzten Fisch gewesen sind)


Insel und Bucht jedenfalls sind wirklich malerisch. Es dauert auch nur Minuten und schon ist das erste Kanu bei uns. Doch allen Erwartungen zum Trotz wird es ein sehr angenehmer Zwischenstopp. Unser erster Besuch lässt es sich nicht nehmen, uns das Dorf zu zeigen. Wir staunen nicht schlecht. Alles macht einen recht neuen und sauberen Eindruck. Wenn wir da an unsere letzte Stadt zurück denken. Na, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Irgendwo werden Stühle herausgestellt, wir müssen uns hinsetzen und erst einmal eine Kokosnuss trinken.


Das ist wichtig, damit auch wirklich jeder Zeit findet, sich uns Neuankömmlinge aus der Nähe zu betrachten.
Zurück auf unserer PERITHIA taucht plötzlich ein Thunfischschwarm am Strand auf. Nun gibt es kein Halten mehr. Sofort wird ein Kanu mit Netz bestückt und wir rudern vorsichtig um den Schwarm herum. Dabei wird das Netz langsam ins Wasser gelassen. Am Ende sind wir wieder am Anfang und die Falle hat sich geschlossen. Langsam zuziehen und die ca. 100 Meter Netz wieder zurück ins Boot. Der Fang hat sich gelohnt und das Abendbrot ist gesichert und unser Boot immer voller. Am interessantesten allerdings scheint unser Fischbestimmungsbuch zu sein. Ein ziemlicher Wälzer. Doch der Vater unserer Gastfamilie sozusagen, ein alter Fischer erklärt zielsicher, wo jedweder Fisch zu finden ist und wie man ihn am besten aus dem Wasser bekommt. Und ein Köder (ein Riesengigantenteil) hat es ihm angetan. Der wechselt dann auch bald als Abschiedsgeschenk seinen Besitzer. Begeistert holt er die dafür vorgesehene Schnur und erklärt uns, was immer er damit vorhat. Doch mit Einbrechen der Dunkelheit sind wir dann bald wieder alleine. Jedenfalls fast. Unsere Arrakvorräte bewegen dann doch den einen oder anderen zum Verweilen. (Es wurde dann eine recht schauklige Heimfahrt) Doch leider müssen wir schon wieder weiter.
In Bali bekommen wir Besuch von Freunden aus Deutschland und das ist nicht unbedingt um die Ecke. Auf dem Weg legen wir noch den einen oder anderen Zwischenstopp ein, sind allerdings nicht unbedingt begeistert. Dreck und Müll türmen sich. Stellenweise fällt es schwer, überhaupt mit dem Dingi an Land zu kommen.
Zwischendurch kommt noch Ost-Timor in Sicht. Eigentlich ein Teil von Indonesien, hat es sich allerdings als Timor-Leste selbständig gemacht. Prompt fängt auch (wie so oft in Ländern mit sehr junger Unabhängigkeit) der Bürgerkrieg an. Wir allerdings stoppen nur in der Hauptstadt. Hier ist von Unruhen nichts zu bemerken. Es sind aber auch Unmengen von UN Truppen in der Stadt stationiert.


Gezahlt wird in US$ und die Preise halten sich im Rahmen. Wir können leider aber nicht behaupten, wirklich etwas von Timor gesehen zu haben. Immerhin kennen wir die Uferpromenade, auf der man sehr schön gemütlich unter Schatten spendenden Bäumen sitzen und die Menschen beobachten kann. Doch scheint es sich hier allenfalls um die Oberschicht zu handeln. Ich möchte nicht einige km ins Land hineinschauen. Da wir als Transitreisende aber nicht einklariert haben, sind wir so halb illegal an Land und halten unseren Aufenthalt recht kurz.

Gut geplant ist halb gewonnen! So kommen wir auch nach ca. 2000 nm wirklich am Abend vor Ankunft unserer Freunde in Bali an. Wir stoppen in der einzigen Marina Denpasar und versorgen uns erst einmal mit den nötigen Stempeln. Was Widererwarten recht zügig vonstatten geht. So schaffen wir es fast alle, bis auf den wichtigsten, innerhalb eines Nachmittages zu bekommen. Wie es der Zufall so will, treffen wir auch unsere dänischen Bekannten wieder. Wenn die Strecke die gleiche ist, wie soll man sich auch aus dem Weg gehen? Die nächsten zwei Tage sind wir dann auch vollauf damit beschäftigt unsere Crew vom Flughafen abzuholen, zu verpassen und am Ende doch noch zu finden. Als wir endlich alle beisammen sind müssen wir die Ankunft und das Wiedersehen natürlich ausgiebig feiern. So werden es einige lustige Tage in Denpasar.

Was den Ort allerdings als Urlaubsparadies so attraktiv macht, habe ich nie verstanden.

Von hier aus soll es nun die Küste entlang NW in Richtung Thailand gehen.

Und wie gesagt, Dreck, Müll, Bestechung, Diebstahl und Betrug- das ist leider, was uns von Indonesien in Erinnerung bleibt. Natürlich sind, was Bestechung und Ehrlichkeit angeht, wahrscheinlich nicht alle Indonesier gleich. Aber eben doch verdammt viele. Los geht es schon mit den Einreiseformalitäten. Es werden einfach Papiere verlangt, die auf legalem Wege nicht zu besorgen sind. Doch kein Problem, 100 US$, ein kleines Statement, welches zur Abschrift praktischerweise schon parat liegt (interessanterweise von unserem kanadischen Segelfreund Willi) Schublade auf, Geld rein und alles ist in bester Ordnung.
Hat man das dann alles hinter sich, dann lohnt kaum ein Stopp. Noch ehe der Anker gefallen ist, ist das Boot umringt von Kanus, welche alle am Ende etwas wollen.

Der Ruf Mister Money bekleidet dich überall. Und so du dem allen entkommen bist, ist es leider nicht möglich, dass Dingi irgendwo unbeaufsichtigt zu parken.



Wir jedenfalls mussten unseres mit viel Mühe zurückkaufen und sind damit beileibe nicht die einzigen. Wen wundert es da, dass die meisten Segler nur kurz in Bali einen Zwischenstopp einlegen, tanken um dann so schnell wie möglich weiter in Richtung Singapore oder Malaysia zu segeln.
Dieter und Heidi verlassen uns dann auch bald wieder. Sie wollen mit dem Zug quer durch das Hochland von Malaysia fahren. Wir werden sie erst in Phuket wieder treffen – von da geht der Flieger zurück nach Deutschland.
Und wir schippern mit Beegee derweil weiter die Küste entlang.

Es gibt viel zu sehen und wir nutzen die Zeit, um in einigen Städten einen Besichtigungsstopp einzulegen. Und schneller als man denkt, verfliegt die Zeit. Als letzte noch malaysische Insel halten wir im zollfreien Gebiet von Langkawi. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Phuket.


Phuket über Sri Lanka bis zum Roten Meer

Problemlos erreichen wir Phuket und steuern erst einmal in die einzige uns bekannte Marina. Ziemlich abgelegen, doch dafür recht nahe beim Flughafen gelegen. Unser Besuch weiß das zu schätzen, will er doch von hier aus wieder nach Hause fliegen. Für uns allerdings ist es zu weit zur eigentlichen Stadt. Wir segeln also, kaum wieder allein, zurück und lassen unseren Anker inmitten vieler anderer Segler direkt in der riesigen Bucht direkt vor Phuket fallen.

Das Problem; wie mit unserem immer noch kaputten Dingi an Land kommen, verschieben wir auf später. Und siehe da, man will`s nicht glauben, wie klein ist doch die Welt. Da haben wir inmitten von vielleicht einhundert Yachten genau neben dem einzigen Bekannten, den wir hier haben, den Anker fallengelassen. Willi, ein hier lebender Kanadier, den wir in Tahiti das erste mal getroffen haben, kommt auch sofort an Bord. So ist zumindest die Frage des, wie kommen wir an Land, erst einmal auf das einfachste geklärt. Aber nicht nur gute Neuigkeiten gibt es. Willi erzählt uns, dass Maik, ein Amerikaner und gemeinsamer Bekannter von uns, vor Australien auf das Great Barrier Reef gelaufen und sein Boot innerhalb einer Stunde gesunken ist. Zum Glück ist er selber noch rechtzeitig von einer anderen Yacht gerettet worden. Wir hatten ihn zuletzt in Vuda Point auf Fidschi getroffen. Er hatte sich gerade eine neue Ankerwinsch aus den Staaten schicken lassen und schnitzte, da sie nicht so richtig passte, eines seiner Frühstücksbretter als Abstandshalter zurecht. Schade, denn nun ist alles recht weit unten auf dem Meeresboden verloren. Er jedenfalls ist auf dem Weg hier her. Vielleicht treffen wir ihn ja noch. Phuket selbst, wir werden hier auf den hoffentlich irgendwann einsetzenden Nord-Ost-Monsun warten, ist die reinste Touristenstadt. Kneipen en masse, junge Thailänderinnen und wieder Kneipen. Doch, entgegen aller Erwartungen, unheimlich freundlich. Ich kann schon verstehen, was viele zum Hier bleiben verführt…
Um uns etwas von der Umgebung anzuschauen, mieten wir einen Motorroller fuer 2,50 € am Tag.

Eine recht aufregende Angelegenheit. Jeder hier fährt so ein Ding. Es ist ein rechtes Gewimmel. Nur wenn du in der gleichen Geschwindigkeit im Strom schwimmst, ist es ganz angenehm und auf alle Fälle besser als mit dem Bus. So vergehen die Tage, und so langsam aber sicher zieht es uns weiter.
So lichten wir mit dem ersten Wind der uns günstig erscheint den Anker und nehmen Kurs auf die Nikobaren. Diese zu Indien gehörenden Inseln liegen ca. 400 nm von hier direkt auf dem Weg nach Sri Lanka und bieten sich deshalb geradezu als Zwischenstopp an.Leider entpuppt sich unser günstiger Wind recht schnell als ausgemachte Flaute. Man soll halt nicht unbedingt auf den Wetterbericht hören. So bleibt nur der Motor und pünktlich nach 3 Tagen laufen wir fröhlich in Great Nicobar Island, der südlichsten der indischen Inseln ein. Leider aber ohne Visa. Das Begrüssungskomitee steht dann auch alsbald bereit, um unsere Leinen entgegenzunehmen. Wahrscheinlich jedoch ist die hiesige Kommandantur gerade erst von einem Erfahrungsaustausch mit ihren kamtschatkanischen Kollegen zurückgekehrt. Freundlich wird uns das Anlegen erlaubt, genauso freundlich werden zwei Wachposten am Pier postiert und wir sitzen wieder einmal fest.

Kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Da wir wegen des fehlenden Visas nur zum Tanken und Wasser auffüllen einen Notstopp einlegen mussten, machen wir uns somit keine Sorgen. Wir kennen das ja schon, fassen uns also in Geduld und warten erst einmal ab. Drei Tage lang, bei Dauerregen, passiert nichts. Das Dorf sehen wir zwar von der Ferne, doch so richtig einladend sieht es nicht aus. Schade um die verlorene Zeit. Dann - es ist Freitag und wenn heute nichts passiert, dann sitzen wir hier übers Wochenende fest - lasse ich mich zur Kommandantur fahren. Mal sehen, ob vielleicht etwas Aufregung ein wenig Schwung in die Angelegenheit bringt. Doch unnötig. Wie von Zauberhand erscheinen plötzlich die nötigen Papiere und wir werden regelrecht aus dem Hafen herauskomplimentiert. Uns ist`s recht, wir haben einen halben Tank voll Diesel, ein paar Zigaretten und wir haben Sonnenbrillen…

Der Wind hat zwischenzeitlich aufgefrischt, wir setzen also unseren Blister und los geht's, die letzten 800 nm. Früher haben wir dieses doch recht umständlich zu bergende Segel nachts immer eingeholt. Nur - haben wir aber in Bali einen sehr netten Segler getroffen. Er ist in Pension, als Einhandsegler unterwegs und dazu noch der erste Dialysepatient mit neuer Behandlungsmethode, der auf den Ozeanen unterwegs ist. Er jedenfalls, hält es nicht für nötig, seinen Genaker des Nachts einzuholen. Nun - dann sollten wir das ja wohl zu zweit, leider ohne Pensionsanspruch und zum Glück gesund, erst recht schaffen! Jedenfalls bleibt er oben und wir kommen somit recht schnell zum Ziel. Nur einen Klüver müsste man haben! Mit unserer momentanen Segelstellung eigentlich unverzichtbar. Die Erfahrung zeigt, der Genaker muss unbedingt weiter nach vorne. So nimmt das Main ihm den Wind und es ist recht schwierig, beide Segel gut zu stellen. Aber, lernen wir halt dazu und was nicht ist, kann ja noch werden.

Sri Lanka kommt in Sicht und wir, da mittlerweile dank des Aufenthaltes bei unseren indischen Freunden ohne Zigaretten, steuern in den ersten für uns erreichbaren Hafen. Zum Glück ist es Abend und Wochenende. Somit bleibt mein pflichtgetreuer Funkspruch an die Port-controll so wie das: "Hallo wir sind da!" unbeantwortet. Also - was können wir noch tun, wenn uns keiner antwortet? Anker runter und gut ist. Ich mach schon mal das Dingi klar (bis zum Strand und zurück wird es schon halten) und ab geht es an Land. Und ich muss schon sagen, mein erster Eindruck lässt mich staunen. Ich komme mitten in der Nacht im Schlauchboot an den Strand getuckert und sofort erscheinen Fischer um mir beim an Land ziehen zu helfen. Die übliche Frage wäre jetzt die nach Zigaretten. So aber nicht hier. Sie erfahren, dass ich so mitten in der Nacht nichts habe, also geben halt sie. Bier wird geholt (8,8%) und es ist ein lustiger Abend. Hier bleiben wir dann auch über das Wochenende.

Aber am Montag müssen wir unbedingt weiter. Wir sind nicht einklariert und somit illegal. Nicht auszudenken, was passiert, so uns die Behörden hier erwischen. Der nächste offizielle Hafen liegt nur 50 nm entfernt. Zum Glück haben wir einen Segelführer, den wir auch ab und an zu Rate ziehen: Unser Zielhafen Galle ist nur bei Tag anzulaufen. Vorher muss unbedingt der Hafenkommandant benachrichtigt werden und wir benötigen einen Agenten. Gut zu wissen. Wir nähern uns also, wie üblich, mit Einbruch der Dunkelheit, sagen Bescheid und bereden über Funk auch, was weiss ich alles mit unserem neu engagierten Agenten. Rein, in die dem Hafen vorgelagerte Bucht, kommt uns auch schon ein Boot der Navy entgegen um uns zu unserem Ankerplatz zu geleiten. (Welch ein Service…) Und am nächsten Morgen, Funk hin und her, bekommen wir Besuch vom Zoll. Nichts Illegales an Bord zu finden, ok wir dürfen einlaufen. Man zeigt uns den Weg, die Leinen werden entgegengenommen, wir sind fast da. Und jetzt erscheint sogar unser Agent, der ja alles bestmöglich für uns regeln will.

So geben sich die Beamten recht zügig die Klinke in die Hand, unsere Old Gun Stick bekommt eine Plombe, unser Agent 225 US$, fertig. Und so nebenbei erfahren wir noch, es ist striktenst verboten, außerhalb dieses Hafens zu ankern. Na zum Glück war ja Wochenende. Über Galle, eine wahrscheinlich typische Sri Lankanische Stadt gibt es nicht viel zu sagen. Eine alte Hafenstadt, früher einmal portugiesisch und holländisch mit einem imposanten Fort, freundliche Leute, buntes Treiben und die üblichen nicht immer ganz ehrlichen Taxi, hier Tuk-Tukfahrer. Leider können wir uns aber vom Land selber nicht all zu viel beschauen. Wir haben zwar ein 30 Tage Visa, können also sehr wohl überall hin. Nur zählt der Hafen leider nicht unbedingt zu den sichersten seiner Art. Wir können unsere PERITHIA also nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt lassen. Da wir aber nirgends anders ankern dürfen, was soll man tun, bleiben wir halt hier. Andere Segler sind schon da, die Bluewater-Rallye wird erwartet, und alle warten auf die günstigste Zeit, den Törn ins Rote Meer zu starten. Die Route ist wegen der Piratengefahr organisiert und soll über die westindische Hafenstadt Cochin führen. Uns ist der Umweg allerdings zu weit. Außerdem sind wir der Meinung, ein Konvoi aus vielleicht 20 Yachten, noch dazu im Internet nachlesbar, fällt viel mehr auf als ein einzelnes Boot. Wir werden sehen.Pünktlich am 31.12. 2010 nach eingehenden Wetterstudien starten wir dann auch. Immerhin liegen, so alles gut klappt, ca. 2500 nm bis nach Ägypten vor uns. Notfalls können wir allerdings noch im Oman oder in Eritrea stoppen. Die Wetterkarte sagt jedenfalls: alles ist gut! und wir laufen erst einmal in den schönsten Gegenwind hinein. Aus einer angesagten 3 bis 4 Bft von Nord-Ost ist über Nacht eine 5 bis 7 Bft von Nord-West geworden. (genau da wollen wir hin) Was bleibt uns also anderes übrig? Wir kreuzen hin und her und kommen eigentlich nicht so recht vom Fleck. Ein zweiter Vorstag wäre jetzt ganz nützlich. Wer hat schon Lust bei 25 ktn Wind auf dem Vordeck rumzuopern, und die Genua gegen ein Solent auszutauschen. Na, ich jedenfalls nicht! Irgendwann dreht der Wind etwas, und wir kommen so leidlich an unseren Kurs heran. Über Backbordbug segeln wir bei 6 bis 7 Bft recht schnell (und recht schräg) und auch wenigstens etwas in Richtung Westen. Aber wir verlieren trotz allem Meile für Meile an Höhe. Wenn das so weiter geht, kommen wir noch, was wir ja eigentlich vermeiden wollten, direkt an der somalischen Küste heraus. Da sich die Windrichtung ständig ändert, rettet uns wieder einmal unser Windpilot. Durch ihn liegen wir immer so hart wie möglich am Wind und verlieren auch bei einer Änderung auf etwas mehr Nord keine wertvolle Meile. Die Malediven erreichen wir so zwar im Zeitplan, aber eben viel zu südlich. Es erinnert uns an die Südsee. Atolle in allen Größen.

Weiße Strände und Palmen. Wie auf den Postkarten, die man so kennt. Vor einer kleineren unbewohnten drehen wir bei, warten den Morgen ab. Direkt am Strand rasselt der Anker dann in den Sand. Kathrin nutzt unseren Stopp, um ihre viel zu geringen Muschelbestände aufzufüllen… Dies vollbracht segeln wir, jetzt mit mehr Tiefgang und besserem Wind weiter in Richtung Nord West. Hinein in die größte Flaute aller Zeiten. Hier regt sich aber auch überhaupt nichts. Das Meer ist wie ein Spiegel.

Zwei Tage tuckern wir also im Schneckentempo so vor uns hin. Kaum zu glauben, wie ruhig es doch sein kann. Doch irgendwann kommt auch hier der Wind zurück. Und wenn, dann gibt er gleich alles. 25 bis 30 ktn schieben uns voran. Besser hätte es sich nicht entwickeln können. Wir haben es etwas eilig, deshalb bleiben die Segel ungerefft. Das ist zwar etwas schräg, doch wir machen ordentlich Fahrt. Mittlerweile, später überlegen wir - wieso eigentlich? - haben wir uns entschlossen, im Oman einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. (Dem Himmel sei Dank für diese Entscheidung, nur kann das bis jetzt natürlich noch niemand wissen) Somit nehmen wir Kurs auf Salalah, dem einzigen für uns in Frage kommenden Hafen. Kaum angekommen, wir melden uns ordentlich über Funk und werden bestens in den Hafen geleitet, geraten wir allerdings ein wenig ins Zweifeln. Ein Industriehafen, Container wohin man schaut.

Und Sand und Staub! Kaum ist der Anker gefallen, beschließen wir auch schon, wieder zu fahren. Doch so leicht wie gedacht, ist dies hier bei unseren muselmanischen Freunden auch wieder nicht. Einmal im Hafen, bedeutet dies, ein- und ausklarieren ist Pflicht. Dazu allerdings benötigt man einen Agenten, welcher wiederum 350 US$ veranschlagt. Wir jedenfalls sind für das erste einmal recht verärgert, wissen wir ja noch nicht, dass alles auch so seine Vorteile haben kann. Eine andere Yacht liegt noch vor Anker und wir kommen natürlich recht schnell ins Gespräch. Es sind Engländer, die ihr Boot nach einer Kollision im Oman haben reparieren lassen. Nun warten sie auf ein Paar andere Segler, um das Piratengebiet zusammen zu durchqueren. Vier Tage insgesamt sind wir so nun schon im Hafen. Mittlerweile haben wir einige Omanis sowie Philippinos kennen gelernt. Es ist erstaunlich, wie freundlich und hilfsbereit doch alle sind. Jeder, mit dem wir ins Gespräch kommen, versucht in irgendeiner Form zu helfen. So bekommen wir unser Wasser von einem Frachter. Dazu packt der Koch natürlich gleich noch Kaffee und Wurstkonserven sowie tonnenweise Wasserflaschen. Nur eben kein Bier. Das gibt es zwar im Hafenladen auch, doch haben die Hersteller leider den Alkohol vergessen. Und alkoholfreies Bier schmeckt ja nun wirklich nicht! Doch auch hier habe ich Glück. Ein pakistanischer Fischer, von ihm bekommen wir Diesel soviel wir wollen, scheint gerne Whisky zu trinken. Jedenfalls lässt er es sich nicht nehmen, mich zu besuchen. So sitzen wir dann abends gemütlich an Deck und genehmigen uns das eine oder andere Gläschen. Nur mit dem Eis hapert es etwas. Unser Kühlschrank hat leider überhaupt keine Lust mehr und endgültig seine Arbeit eingestellt. So vergehen die Tage, und wir sind abfahrtbereit. Nur das Wetter will nicht so richtig. Seit 5 Tagen ist nun Flaute. Doch da wir bis zum letzten Kanister voll getankt sind, beschließen wir trotzdem abzulegen. Irgendwann, so hoffen wir jedenfalls, sollte auch der Wind wieder wehen. Unser Agent, freundlich wie er so ist, gibt uns auch die Route mit auf den Weg.

"Immer so 20 bis 30 nm vor der Küste entlang. Dort ist es am sichersten", so seine Worte. Am Anfang geht das auch recht gut. Wir bekommen sogar ein paar mal Besuch von der omanischen Navy. Doch nach dem Oman kommt dann leider eben der Jemen. Und vielleicht hat unser Agent Mohammed ja dort einen Schwager. Wir jedenfalls, schippern also getreu seiner Anweisung, recht gut gelaunt die jemenitische Küste entlang. Plötzlich meldet sich unser Radar. (Entgegen unserer sonstigen Angewohnheit suchen wir hier ständig auch tagsüber die Umgebung ab.) Zu sehen sind zwei kleinere Fahrzeuge. An und für sich ja noch nichts Ungewöhnliches. Nur; verdammt schnell sind sie schon. Und zu allem Überfluss kommen sie auch noch direkt auf uns zu. Eher als Kapitän Jack Sparrow ist das dann wohl Kapitän Blei. Und das ist gar nicht gut! "Ok." denken wir uns "nur nicht aus der Ruhe bringen lassen." Wir ändern also erst einmal unseren Kurs und geben etwas mehr Gas. Zu sehen ist nichts, wir blicken genau in die Sonne. Auf dem Radar allerdings können wir erkennen, unsere Kursänderung wird sofort ausgeglichen uns sie halten weiterhin mit einem irrsinnigen Speed in unsere Richtung. Zum Glück haben wir diese Situation schon das eine oder andere mal durchgesprochen. Somit ist zumindest Old Gun Stick schon mal geladen und einsatzbereit. Kathrin geht ans Funkgerät und fängt an: "May-day-May-day-May-day" sowie unsere Positionsdaten zu senden. Derweil flüchten wir so mit ungefähr 8 ktn aufs offene Meer hinaus. Unsere Verfolger allerdings haben mindestens 20 bis 30 ktn drauf. Das das nicht lange gut geht, ist recht leicht abzusehen. Dazu scheinen wir noch die einzigen hier in diesem Gebiet zu sein. Unser Funk reicht in jede Richtung ca. 25 nm. Nur - es antwortet natürlich niemand. Wo um alles in der Welt jetzt die ganzen Navy Boote sind, weiß der Teufel. Hier sind sie jedenfalls nicht.

Gut, bleiben nur wir selbst. Kathrin funkt weiterhin ihren Text und Tassi und ich bauen derweil sozusagen unsere Verteidigungslinie aus. Munition bereitlegen - wo ist der beste Platz? Recht schnell ist alles bereit. Nur Blaues Licht haben wir leider keins, und es bleibt nur, auf finsteren Pfaden zu wandeln…
Die Vorteile liegen zum Glück zurzeit noch immer bei uns. Wir haben festen Stand und Platz, Kapitän Blei nur eine Nussschale, die dazu noch springt wie ein Gummiball. Irgendwie sollte es mir doch gelingen, dort im Ernstfall ein Loch rein zu bekommen. Gesagt - getan, warten wir bis sie auf ungefähr 50 Meter herangekommen sind und geben erst einmal einen Warnschuss ab. Dann geht alles sehr schnell. Jedenfalls stoppen sie. Ich denke: "Na, jetzt wird's ernst. Noch ist nichts passiert, also bitte lass sie nur nicht zurück schießen und alles wird gut." Derweil feuere ich, leider nicht unterstützt von Ladekanonier Tassi, der lieber unter Deck nach dem Rechten schaut, einen Schuss nach dem anderen ab. Und Glück gehabt: mein Dauersperrfeuer (vor den Bug), oder wie man das sonst nennt, zeigt Wirkung - sie drehen ab. So schnell wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden. Am Funk meldet sich immer noch niemand, wir stellen also den Versuch Hilfe zu holen ein und verdauen das Geschehene erst einmal. Alles in allem hat die gesamte Angelegenheit keine 10 Minuten gedauert.Glück gehabt!!!

Es wird uns klar, dass die Information natürlich nur aus dem letzten Hafen gekommen sein kann. Die Piraten wussten genau, wann wir abgelegt haben, wie schnell wir so ca. sind und unsere Route war genauestens bekannt. Sie brauchten eigentlich nur zu warten. So schnell es geht, segeln wir nun etwas weiter in die Mitte des Golfes von Aden und mischen uns besser unter die vielen Frachter und Containerschiffe. Viel haben wir zwar nicht, was wir einbüßen könnten, doch irgendwie geht es uns gegen den Strich, einfach so klein beizugeben. Wie bestellt, frischt der Wind wieder auf, wir setzen die Segel und haben noch recht angenehme Segeltage bis zur Meerenge von Bab el Mandeb. Vorbei an der Insel mit dem bezeichneten Namen Pirie und schon sind wir im Roten Meer.

hm, Asien, ja war'n wir auch, vielleicht gibt's später hier noch ein paar Berichte, ist ganz schön warm hier ..




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